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Der "Tatort" im Schnellcheck Am Ende gewinnt immer die Straße

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Die obdachlose Moni (l.) hilft Ella dabei, sich auf der Straße durchzuschlagen.

(Foto: WDR/Martin Valentin Menke)

Zu Hause wird Ella ständig von ihrem Mann verprügelt. Als sie nach einer besonders schweren Auseinandersetzung flüchtet, landet sie auf der Straße - und erneut in einem toxischen Verhältnis. "Wie alle anderen auch" ist ein schmerzvoller Ausflug ins Kölner Obdachlosenmilieu.

Was passiert?

In ihrem 81. Fall verschlägt es Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) in die Parallelwelt der Obdachlosen. An einem Schlafspot unter einer Rheinbrücke ist die verkohlte Leiche von Moni (Rike Eckermann) aufgefunden worden. Die Aussagen der Augenzeugen geben wenig her, bis die Kommissare schließlich der jungen Ella (Ricarda Seifried) auf die Spur kommen, die die letzten Wochen mit Moni verbracht hatte. Im Gegensatz zu ihrer älteren Freundin lebt Ella noch nicht lange auf der Straße. Ihr Mann hatte sie immer wieder zusammengeschlagen. Nach einer extrem heftigen Auseinandersetzung, an dessen Ende er schwer verletzt das Bewusstsein verlor, war Ella in dem Gefühl, ihren Mann womöglich getötet zu haben, geflüchtet.

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Die Kommissare Ballauf (l.) und Schenk ermitteln den Fall im Obdachlosenmilieu.

(Foto: WDR/Martin Valentin Menke)

Während Ballauf und Schenk vergeblich versuchen, die junge Frau zu erreichen, ergeben sich neue Aspekte. Da ist zum einen das Ergebnis der Obduktion: Moni ist nicht etwa durch das Feuer umgekommen, sie war bereits vorher tot, gestorben an einer Überdosis des Schmerzmittels Fentanyl. Zum andern gibt es da "Em Kabäuschen", einen Treff für Obdachlose, dessen Leiterin Regine Weigand (Hildegardt Schrödter) einiges zu berichten weiß, und die dort ehrenamtlich tätige Altenpflegerin Katja Fischer (Jana Julia Roth) dem Milieu näher ist, als auf den ersten Blick zu erkennen.

Worum geht es wirklich?

Wie schon in den Wochen zuvor, als Borowski sich mit der Angst der weißen Männer auseinandersetzen musste, der Zuschauer im "Polizeiruf" aus Rostock anschließend das Schicksal der sich radikalisierenden Sabine mitverfolgte, stehen auch diesmal Frauen im Fokus. Frauen in der Gewalt ihrer schlagenden Ehemänner, am Rand der Gesellschaft, in der Grauzone zwischen geringem Verdienst und völligem Absturz.

Wegzapp-Moment?

Weniger im Sinne von "geht gar nicht", sondern vom unbehaglichen Gefühl des Aushaltenmüssens geprägt, sind die Szenen zwischen Ella und dem Tisch-Abräumer Axel (Niklas Kohrt), der ihr sein Bett zur Verfügung stellt - ein Kammerspiel voller menschlichem Elend zwischen durchgesessenem Mobiliar, speckiger Tapete und altem Brot.

Wow-Faktor?

Auf eine eher leise Art ziemlich hoch. Das Spiel von Ricarda Seifried und Niklas Kohrt ist intensiv, Jütte (Roland Riebeling) bekommt endlich mal Kontur, die Neue, Natalie Förster (Tinka Fürst), ist großartig. Lobenswert zudem, dass das Story-Umfeld Obdachlosenmilieu nicht in überzeichnete Stereotypen verfällt, sondern sich dem schwierigen Sujet und seinen Protagonistinnen mit Respekt und Zuneigung nähert.

Wie wars?

7,5 von 10 Punkten - kein Krimi im klassischen Sinne, vielmehr eine gesellschaftliche Momentaufnahme, die fehlende Spannung mit dichter Atmosphäre und tollem Cast wettmacht.

Quelle: ntv.de

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