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"Tatort - In der Familie" Aufhören, wenn es am härtesten ist

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16 Mal hat sie in Dortmund ermittelt: Aylin Tezel als Nora Dalay.

(Foto: WDR / Markus Tedeskino)

Eigentlich müsste Kommissar Faber den Dienst quittieren. Sein störrischer Alleingang führt zum Mord an einer Zeugin. Kollegin Nora Dalay ist konsequenter und gibt ihre Dienstmarke ab. Schauspielerin Aylin Tezel verabschiedet sich nach acht Jahren mit dem Jubiläums-"Tatort".

Der Showdown findet am wohl gewöhnlichsten Ort eines jeden Polizeireviers statt: vor dem Kaffeeautomaten. Kommissar Faber (Jörg Hartmann) zieht sich einen Plastikbecher voll Plörre aus dem Gerät, Kollegin Dalay (Aylin Tezel) zieht ebenfalls, die Konsequenzen nämlich aus dem so tragisch geendeten Abhör-Einsatz, bei dem Juliane Modica (Antje Traue) von ihrem Mann Luca (Beniamino Brogi) umgebracht wurde. "Sie haben es falsch eingeschätzt", so Dalay, "und ich habe mitgemacht, obwohl ich es besser wusste". Spricht's und legt ihre Dienstmarke aus der Hand.

Mit "Alter Ego" hatte Aylin Tezel ihre "Tatort"-Laufbahn als Kriminaloberkommissarin begonnen, am 23. September 2012. Es ist nicht das erste Mal, dass Tezel beim Krimi-Klassiker der ARD mitspielt. Schon 2007 war sie dabei, im Fall "Wem Ehre gebührt" mit Kommissarin Charlotte Lindholm spielte sie die junge Deutschtürkin Selda, deren Schwester Afife ums Leben kommt.

"Das Team" ohne Tezel

In Dortmund nun erwartete sie einiges an beruflichen und privaten Herausforderungen. Faber war aus Lübeck in seine alte Heimat zurückgekehrt, psychisch angeschlagen, aber in seiner eigenwilligen Herangehensweise durchaus effektiv. Die von Tezel verkörperte Nora Dalay hat ein Verhältnis mit ihrem Kollegen Kossik (Stefan Konarske), der mit beidem weniger gut klarkommt, weder mit Fabers auffälligem Verhalten noch mit der Tatsache, dass Dalay kaum Interesse an einer festen Beziehung hat.

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"In der Familie" ist ihr letzter Fall (hier mit Rick Okon als Jan Pawlak).

(Foto: WDR / Frank Dicks)

Es ist der Auftakt zu einer achtjährigen Karriere, die von Nora Dalay einiges abverlangt. 16 Fälle lang geht es um Kindesentführung und Drogen, um Rockerbanden und Terrorismus, um Reichsbürger, Base-Jumping und Tollwut. Nicht nur die Arbeit erweist sich dabei als herausfordernd, auch im Privaten steht Dalay vor schwierigen Entscheidungen. Als sie von Kossik schwanger wird, entscheidet sie sich gegen das Kind, will sich stattdessen voll auf ihre Karriere konzentrieren. Die ohnehin fragile Liebe zu Kossik zerbricht, mit der Folge "Sturm" steigt Kossik/Konarske aus der Serie aus.

Zuletzt sorgte der Fall "Das Team" für Schlagzeilen. Am Neujahrstag 2020 ausgestrahlt, gab es ein Stelldichein von Größen wie Charly Hübner, Bjarne Mädel, Ben Becker und Nicholas Ofczarek. Der Cast improvisierte sich durch die Geschichte, Regisseur Jan Georg Schütte musste ohne klassisches Drehbuch auskommen. Und ohne Aylin Tezel, aus Dortmund waren Bönisch (Anna Schudt) und Faber lediglich zu zweit angetreten.

Dalay zieht durch

Umso mehr nun steht Nora Dalay, und damit Aylin Tezel, im Mittelpunkt des spektakulären Auftakts der Jubiläums-Doppelfolge "In der Familie". Zunächst wirkt der Undercover-Einsatz fast harmlos. Zusammen mit Kollege Jan Pawlak (Rick Okon) spielt sie ein Pärchen, das in jener Pizzeria, die unter Beobachtung steht, einen Teller Nudeln isst und vorgibt, Selfies zu machen. Später erschleicht sie sich die Freundschaft von Juliane, die nach anfänglichem Zögern Vertrauen zu ihr fasst. Das Drama nimmt seinen Lauf. Dalay weiß um die Gefahr, folgt dennoch den Anweisungen, schreitet auch bei der finalen Abhör-Aktion nicht ein - und hält kurze Zeit später die tote Juliane im Arm.

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Tezel spielt den inneren Konflikt mit gebotenem Understatement, verzichtet auf großes Drama, bleibt auch dann ganz bei sich und der Psychologie ihrer Rolle, als sie Faber die Dienstmarke auf den Tisch legt. "Sie müssen sich nichts vorwerfen", versucht dieser die Situation zu entschärfen. Nicht das erste und wohl auch nicht das letzte Mal, dass Faber daneben liegt. Dalay zieht durch. Und geht. Für immer.

Sie habe ihr Engagement beim "Tatort" von vornherein als zeitlich begrenzt gesehen, so Tezel. Neue Projekte stehen an, in Köln, Berlin und Israel dreht sie unter der Regie von Pola Beck den Kinofilm "Der Russe ist einer der Birken liebt", auf ZDFneo ist sie demnächst im Sechsteiler "Unbroken" zu sehen. Nur zu gern hätte man erlebt, wie es für Dalay nach diesem Fall weitergeht, der Ausstieg jedoch ist letztlich konsequent. Man sollte aufhören, wenn es am schönsten, oder wie in diesem Fall: wenn es am härtesten ist. Adieu, Nora. Auf Wiedersehen, Aylin.

Quelle: ntv.de