Batic & Leitmayr sagen "Servus"Zwei auf Augenhöhe

In 100 "Tatort"-Fällen haben sie gemeinsam ermittelt, jetzt fiel der letzte Vorhang für die Münchner Kommissare. Ein Abschied in zwei Teilen mit hochdramatischem Finale, Geheimniskrämerei und Blutvergießen inklusive.
Am Anfang war ein Hundehaufen: Im ersten "Tatort"-Einsatz des Münchner Duos mit dem Titel "Animals", ausgestrahlt am 1. Januar 1991, steigt der frischgebackene Fernsehkommissar Leitmayr (Udo Wachtveitl) aus dem Auto und stapft direktemang in Vierbeiner-Exkremente. Wie heißt es bei den Kickern so schön: Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß, in diesem Fall muss man jedoch konstatieren, dass es Glück gebracht hat. Doch Glück allein hätte wohl kaum gereicht, für 35 unterhaltsame Dienstjahre, die jetzt mit dem Zweiteiler "Unvergänglich" ihren Abschluss fanden.
"Pistolen werden achtlos auf den Tisch geknallt, Goldfische gefüttert, Blondinen geküsst, Computer misshandelt - die Kripo scheint aus sympathischen Dilettanten zu bestehen", schimpfte Christian Mayer in der "Süddeutschen" über diese Premiere, "Ein alter Tatort, aber einer mit Biss", klang es bei der "TV Spielfilm" um einiges versöhnlicher. Es sollte sich zurechtruckeln, einer der Hauptgründe natürlich: die besondere Chemie zwischen den beiden, eines der Themen auch in der ARD-Doku "Batic und Leitmayr - Die Zwei vom Tatort sagen Servus", die einen Rückblick mit naturgemäß nostalgischer Note bietet.
"Längste Beziehung, die wir je geführt haben"
"Da waren zwei auf Augenhöhe unterwegs", merkt Autorin Stefanie Thyssen an, die den Werdegang der beiden von Anfang an verfolgt hat, nachzulesen in ihrem Buch "Nemec & Wachtveitl: Das Münchner Kult-Duo", das im letzten Herbst erschienen ist. "35 Jahre, das ist wahrscheinlich die längste Beziehung, die die beiden je geführt haben", lacht die Ex-Kollegin Lisa Wagner, im Abschieds-Zweiteiler noch einmal als ehemalige Fall-Analytikerin Christine Lerch zu sehen war. "100 Fälle, das muss man erst einmal schaffen," merkt Michael Fitz an, auch der noch einmal in seiner Rolle als Carlo Menzinger dabei.
35 Jahre sind es also geworden, mal gab es Preise, etwa für die legendäre Folge "Frau Bu lacht" aus dem Jahre 1995, inszeniert von Dominik Graf. "Erst war es "just another detective movie", so der Star-Regisseur, "aber irgendwann rückten die Themen-"Tatorte" in den Vordergrund." Nackte Haut gab es ein anderes Mal auch zu sehen, unvergessen "Das Glockenbachgeheimnis", in dem Ivo Batic (Miroslav Nemec) ein intensiver Flirt mit Iris Berben vergönnt war. "Einen schönen Hintern hast du", soll sie gesäuselt haben. Nemec hat es bis heute nicht vergessen, ebenso wie seinen Ruhestandsausweis der Polizei, den er im Portemonnaie ständig bei sich trägt.
Spezielle Dynamik
Auch Johanna Thalmann und Moritz Binder, die Autoren von "Unvergänglich", betonen die spezielle Dynamik zwischen Batic und Leitmayr, die oft erst im Zusammenspiel entsteht. "Magie kann man nicht am Schreibtisch herstellen", bringt es Binder auf den Punkt. Diese Magie müssen nun die Nachfolger entstehen lassen, ganz so einfach wird es nicht. Neben Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer) rückt Carlo Ljubek als Kriminalhauptkommissar Nikola Buvak in die erste Reihe, Respekt hat er vor dem Part, Angst jedoch nicht: "Je größer die Fußstapfen sind, umso lieber tret' ich rein". Die Zukunft wird zeigen, wie gut die beiden in Tritt kommen, da gilt es einiges an Historie zu schultern.
Selbst für Batic und Leitmayr scheint nicht alles vorbei zu sein. Die letzten Minuten ihres finalen Einsatzes hatte die ARD bis zur allerletzten Sekunde unter Verschluss gehalten, entsprechend packend ging es zu. Da wurde Leitmayr von einer Kugel getroffen, spuckte dramatisch Blut, auch Batic schien es schon fast erwischt zu haben, bis ausgerechnet der wackere Kalli zu Hilfe eilte und den Übeltäter erledigte.
Der Platters-Oldie "Only You" erklang am Ende, ein stimmungsvoller Tribut an die Anfänge der beiden, einen Plan für die gemeinsame Zukunft gibt es auch: Batic und Leitmayr als Privatdetektei "Unvergänglich", ein charmantes Ende, das sich doch noch einiges offen hält. Wer weiß, vielleicht gibt es ja ein Wiedersehen. Und falls nicht, halten wir es mit dem Satz des Kollegen Menzinger: Genießt euren Ruhestand! Verdient haben sie es allemal. Servus, Batic und Leitmayr!