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"One Way Ticket" Der Münchner "Tatort" im Schnellcheck

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Batic und Leitmayr ermitteln seit über 25 Jahren - wir vertrauen ihnen.

(Foto: imago images/Mary Evans)

Batic und Leitmayr zwischen Koks und Kommissariat: Was nach einer Initiative für Entwicklungshilfe aussieht, entpuppt sich als solide durchorganisiertes Drogenkartell. Der Mord an einem der Chefs bringt das Kartenhaus zum Einsturz.

Das Szenario

Zunächst muss man bei dem Verkehrstoten von einem Autounfall ausgehen, doch als man den blutüberströmten Mann am Steuer näher untersucht, ergibt sich daraus eine ganz andere Geschichte. Er ist vergiftet worden und hatte zuvor todesahnungsvoll von der Möglichkeit einer Gewalttat gesprochen. Die Kommissare Batic (Miroslav Nemec), Leitmayr (Udo Wachtveitl) und ihr zunehmed agiler Assistent Kalli (Ferdinand Hofer) kommen schließlich einer Clique von Pensionären auf die Schliche, die sich unter dem Deckmantel einer NGO-Unternehmung, einer Initiative für Entwicklungshilfe in Afrika, mittels Kokainschmuggel ein Zubrot verdient.

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Nur mal so als Schmankerl zu Weihnachten: Die Kommissare 1994 mit Rio Reiser im Tatort "Im Herzen Eiszeit".

(Foto: imago images/United Archives)

Doch nicht nur der Mord in München schreckt die Senior-Kuriere, einen der ihren hat es zudem hart erwischt. Martin Endler (Siemen Rühaak) wurde bei der Einreise der Koffer durchsucht, darin mehrere hunderttausend Euro für den nächsten Drogendeal. Im härtesten Knast Kenias bekommt er eine Klinge in die Rippen, tauscht schließlich sein Wissen gegen die sichere Ausreise. Und dann ist da noch der einstige Stasi-Mann Erich Becker (Hark Bohm), an den Rollstuhl gefesselt und per Atemmaske am Leben gehalten. Was hat der böse, alte Mann mit der ganzen Sache zu tun?

Die eigentliche Botschaft

Je oller, desto doller. Die Zeiten der drahtigen Drogen-Botschafter sind vorbei, die Alten übernehmen das Kommando, tauschen Hundeleine und Tageszeitung gegen Koks-Koffer und Flugticket oder Schiffspassage.

Darüber wird in der Mittagspause geredet

Möglicherweise über die eigene Perspektive in punkto Ruhestand: Wird die Rente später einmal den Lebensunterhalt decken? Muss ein kleiner Nebenjob her, um über die Runden zu kommen? Oder bleibt womöglich nur der Schritt in die Gesetzlosigkeit?

Der Plausibilitätsfaktor

Dass die gesetzliche Rente nicht reichen könnte, ein, zwei schlechte Geschäftsjahre den Gang in die Insolvenz bedeuten - alles schmerzhaft plausibel. Eine Gruppe von angejahrten Abgehängten jedoch, die von Otto Normalverbraucher zu Koks-Kurieren werden - ein Story-Kniff, für den es einiges an Fantasie braucht. Oder den Blick in die Tagespresse: Erst im Sommer wurde ein britisches Rentner-Paar auf einem Kreuzfahrtschiff festgenommen, in den doppelten Böden ihrer Koffer befanden sich neun Kilo Kokain.

Die Bewertung

7 von 10 Punkten. Etwas überreizte Koks-Novelle, der ein wenig mehr Bewegung gut getan hätte, die aber dennoch bis zum Schluss unterhält.

Quelle: ntv.de