Der "Tatort" im SchnellcheckNur 96 Stunden

In München stehen die Zeichen auf Abschied, mit dem Zweiteiler "Unvergänglich" gehen Batic und Leitmayr in den Ruhestand. Die Maxime kurz vor der Ziellinie: "Bloß nicht erschossen werden". Brenzlig wird es dennoch.
Was passiert?
In einem Betriebsraum unter dem Münchner St.-Quirin-Platz wird eine verkohlte Frauenleiche gefunden. Die Identifizierung gestaltet sich schwierig, auch die Schusswunde im Oberkörper der Frau gibt Rätsel auf. Nach und nach ergibt sich ein erstes Bild für Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl), auch ein Verdienst ihres designierten Nachfolgers Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer), der bei diesem Einsatz erstmals die Leitung übernimmt und das ausgesprochen engagiert.
Es kommt schließlich heraus, dass die Frau kurz vor ihrem Tod in einem "Bed and Breakfast"-Appartment gewohnt hat und es keine Verwandten oder Freunde in der Stadt gibt. Wer hätte also ein Motiv, die Frau umzubringen? War es eine vorsätzliche Tat oder ist sie ihrem Mörder in einer unglücklichen Fügung des Schicksals zufällig in die Quere gekommen? Über die Frage, wer Zugang zu dem unterirdischen Gängesystem hat, können die Müncher den Kreis der Verdächtigen langsam einengen, bis Kalli Hammermann schließlich jene Entdeckung macht, die alles erst so richtig in Gang bringt.
Worum geht es wirklich?
35 Dienstjahre, das ist die stolze Bilanz der Münchner Silberrücken Batic und Leitmayr, nur die Ludwigshafener Kollegin Odenthal (Ulrike Folkerts), gestartet anno 1989, ist länger im "Tatort"-Einsatz. Ihren Abschied hatten die beiden schon vor einiger Zeit angekündigt, mit der Doppelfolge "Unvergänglich" biegt das Dauerbrenner-Duo am Ostersonntag und -montag nun also in die Zielgerade ein. "Auf den letzten Metern bloß nicht noch erschossen werden", merkt Laitmayr ironisch an, "das wäre Klischee pur". Völlig reibungslos verlaufen die finalen 96 Stunden ihrer aktiven Karriere natürlich nicht, dazu haben Batic und Leitmayr ein viel zu großes Arbeitsethos. Es gibt zwar konkrete Pläne für die Zeit danach, den letzten Fall jedoch wollen sie unbedingt noch eigenhändig lösen. Die Zeit läuft.
Wegzapp-Moment?
Angesichts des Ausstands der beiden altgedienten Kripo-Recken zur Fernbedienung greifen und anderswo den TV-Abend verbringen? So läuft's ja nun nicht. Im Ernst - das Autoren-Duo Johanna Thalmann und Moritz Binder hat einen schmucken Fall für diesen besonderen Anlass ersonnen, Regisseur Sven Bohse und Kameramann Michael Schreitel finden die passenden Bilder dazu, nüchtern, sachlich und so urban-cool, wie man es im Münchner "Tatort" nicht oft zu sehen bekommt.
Wie hoch ist der Wow-Faktor?
Der ist allein schon aufgrund der ersten 90 Minuten durchaus hoch. Es werden einige Petitessen rund um den bevorstehenden Abschied ausgetauscht. Da gibt es sogar ein Wiedersehen mit Fall-Analytikerin Christine Lerch (Lisa Wagner), die stante pede in die Ermittlungen einbezogen wird und natürlich steht über allem die Frage: Wie feiert man den Abschied, wird gesammelt oder gar gesungen? Leitmayr hat durchaus drastische Ansichten, ohne an dieser Stelle zuviel zu verraten. Stichwort Spoileralarm: Just als man denkt, dass nun alles vorbei ist, nimmt das Geschehen eine unvorgesehene Wendung. Eigentlich waren die Münchner schon aus der Tür, als es sie - davon erzählt der zweite Teil - dann doch noch einmal so arg in den Fingern juckt, dass sie den Ruhestand erst einmal Ruhestand sein lassen, um auf eigene Faust - und ohne Dienstausweis - ins Geschehen einzugreifen. Anmerkung in eigener Sache: Die letzten fünf Minuten der zweiten Folge liegen bis zur Ausstrahlung im Tresor und wurden Journalisten und Journalistinnen nicht zugänglich gemacht.
Wie war's?
9 von 10 Punkten - ein Ausstand nach Maß, spannend, mit ironischem Witz und Melancholie in Maßen.