TV

"Sommerhaus der Stars" - Finale Die Robens sind das Sommerpaar 2020

TB.jpg

Caro und Andreas Robens sind das Sommerpaar 2020.

(Foto: TV NOW)

Diana und Michael schaukeln ihre Nervosität weg, die Pharos schwätzen und Lisha kennt keine Todsünde. Am Ende siegen die Bodybuilder aus Mallorca. Doch dieses "Sommerhaus" hat viel verloren, vor allem die Gunst der Zuschauer.

Es ist vollbracht, das Reality-Format "Das Sommerhaus der Stars" schließt seine Pforten. Caro und Andreas Robens sacken die Siegerprämie in Höhe von 50.000 Euro ein und der Zuschauer ist froh, dass das Spektakel des Hasses endlich vorbei ist. Da stehen sie nun, die Sieger und jubeln im Glitter-Regen - neben ihnen das Köfferchen mit der Kohle. Ein erster Impuls ist zu sagen, dass diese Staffel jedoch auf ganzer Linie verloren hat, aber sie birgt auch etwas Gutes. So hat sie wie kaum ein anderes TV-Format vielen Zuschauern klar und deutlich gezeigt, was sie im TV nicht (mehr) sehen wollen, dass ihr moralischer Kompass funktioniert und sie sich ihr geliebtes Trash-TV nicht von mobbenden, herablassenden und selbst überzogenen Menschen kaputtmachen lassen.

"Das Sommerhaus" hat auch gezeigt, dass unser Wertesystem intakt ist, wenn wir laut protestieren und sagen, Moment mal, es kann nicht sein, dass wir dabei zuschauen müssen, wie eine ganze Gruppe auf einen Menschen losgeht, es kann nicht sein, dass uns ständig das F-Wort oder andere frauen- und behindertenfeindliche Sprüche zur besten Sendezeit um die Ohren gehauen werden! Ein Mindestmaß an Anstand, Grips und Respekt muss auch in einem Trash-TV-Format gewährleistet sein! Und es ist beruhigend, dass nun auch RTL selbst Stellung bezieht und sagt, sich mit dem diesjährigen "Sommerhaus" nicht unbedingt einen Gefallen getan zu haben.

Begrüßen Sie die "die Mobber des Jahres"

1.jpg

Schaukelten ihre Nervosität einfach weg: Diana und Michael.

(Foto: TV NOW)

So sagt RTL-Unterhaltungschef Kai Sturm in einem Interview mit Stefan Niggemeier, dass "die Eskalation der Aggressivität" ihn "persönlich betroffen gemacht" hat. Wir leben in schwierigen Zeiten, auf unseren Straßen und in unseren Schulen herrscht ein immer raueres Klima. Wir müssen nicht mit einem Heimatfilm auf der Alm eingelullt und weichgespült werden, aber was wir jetzt und zu keiner Zeit gebrauchen können, sind Menschen, die die Gesellschaft noch mehr spalten. Der Zuschauer sagt nein zu Menschen, die lügen, wenn sie den Mund aufmachen, nein zu Menschen, die sich nicht für ihre Bildungsresistenz schämen, wenn sie sagen, der Rhein fließe durch Berlin oder Gerhard Schröder regiere immer noch Deutschland, nein zu Menschen, die von einem vermeintlichen Komiker als "Mobber des Jahres" gefeiert und hofiert werden, denn "zu uns sind sie ja freundlich".

So war das Finale tatsächlich das entspannendste der gesamten Staffel, obschon die Verbliebenen ob der bevorstehenden alles entscheidenden Spiele mächtig Hummeln im Hintern hatten. Freude brachten Diana und Michael, die ihre Anspannung auf der Hollywoodschaukel einfach wegschaukelten und sich lieber Mutti Natur widmeten, anstatt vor Nervosität auf dem Zahnfleisch zu gehen.

Ein letztes Mal wurde gemeinsam "eingelocht" und Fragen beantwortet: Wie nennt man umgangssprachlich ein Kondom (Lümmeltüte) oder was ist die höchste Form der sexuellen Leidenschaft? Obschon die Frau, die Schmetterlinge hasst, vor dem Finale großspurig verkündet, "alle aufzureißen" und "diese Affen auseinanderzunehmen", konnte sie leider "nicht abrechnen mit den Schweinen". Denn das Einlochspiel gewinnt tatsächlich - niemand.

"Wir haben viel Erkenntnis gewonnen"

Weil die Pharos am schlechtesten abschnitten, sind sie die Ersten, die im Finale fliegen. Aber hey, die Pharos haben nicht verloren, die Pharos haben sehr sehr viel gelernt und mitgenommen von ihrer Zeit im "Sommerhaus". So sagen die Fähnchen im Wind mit einer Selbstgerechtigkeit, das einem beim Zuhören ganz schwindelig wird: "Die Wochen waren nicht umsonst, wir haben viel Erkenntnis gewonnen."

Die "Sillys" - die, obschon beide in Berlin geboren, sich als "Ausländer" sehen - erwischt es im nächsten Spiel. Einige der sieben Todsünden auszuleben, ist halt besser als sie benennen zu können. Eines aber fällt in dieser finalen Folge auf: Wenn Lisha weniger gehässig und bedachter in ihrer Wortwahl wäre, könnte sie einem fast schon sympathisch sein. Denn zwischendrin blitzt sie immer wieder - wenn auch nur am Rande auf - ihre Fähigkeit zur Selbstironie. Dann möchte man sie am liebsten schütteln und sagen, Mensch, Lisha, du kannst so unterhaltend sein, wenn du doch nur nicht ständig so verbal entgleisen würdest. Aber nein, wir sind ja leider im Finale "der Schlangen (…), die ihre Seele verkauft haben." Und dieses entscheiden schließlich, kurz vor Diana und Michael, die Bodybuilder aus Mallorca für sich.

Wie könnte man diese Staffel besser schließen als mit den reflektierten und so treffenden Worten von RTL-Unterhaltungschef Kai Sturm: "Wir hätten uns mehr positive Aspekte in der Staffel gewünscht, mehr Versöhnung, glückliche Momente, Entspannung, viel mehr Humor. Natürlich sind Konflikte etwas, das Unterhaltung treibt. Aber die Art, wie die verschiedenen Konflikte sich in dieser Staffel hochgeschaukelt haben - das ist meiner Meinung nach Quotengift für den Sonntagabend. Das hat uns in der Außenwahrnehmung eher geschadet. Die Leute haben gerade heute ein Bedürfnis nach Harmonie."

Quelle: ntv.de