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Pechvögel und Betrüger Die größten Pleiten bei "Wer wird Millionär?"

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"Es muss der Erlkönig sein": Judith Williams 2018 im Promi-Special.

(Foto: TVNOW)

Kathrin Kirste rauscht am Montagabend bei "Wer wird Millionär?" von möglichen 64.000 Euro auf 500 Euro in die Tiefe. Doch auch andere Kandidaten müssen mit ihrem Absturz leben. Pech, Ahnungslosigkeit, Hochmut oder sogar Betrug: Diese Pleiten sind in die Annalen der Show eingegangen.

2021 begann mit dem brutalsten Absturz der "Wer wird Millionär?"-Geschichte. Janos Pigerl stand am 11. Januar im Zocker-Special kurz davor, als erster Kandidat die zwei Millionen Euro zu holen. Bei der vorletzten Frage hatte er noch drei Joker. Stattdessen ging Pigerl mit dem größten Verlust in die Annalen des RTL-Quiz ein. Der Psychologiestudent sollte bei der 750.000-Euro-Frage wissen: "In welcher Sportart konnten deutsche Athleten bei Olympischen Spielen bisher am häufigsten Gold für ihr Land gewinnen?" Pigerl biss sich nach dem 50/50-Joker an den Ruderern fest, richtig war aber Leichtathletik. "Scheiße", kommentierte der überraschend gefasste Kölner den "Gewinn" von 1000 Euro. "Ich war ein bisschen zu gierig."

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Er verzockte sich bei Günther Jauch gewaltig: Janos Pigerl.

(Foto: TVNOW)

Bei der Millionen-Frage ist zum Glück noch nie ein Kandidat mit der falschen Antwort rausgeflogen. Dafür gab es schon mehrere Abstürze in der 500.000-Euro-Runde. Besonders spektakulär scheiterte "Die Höhle der Löwin"-Investorin Judith Williams. Sie ging am 22. November 2018 im Promi-Special bei Günther Jauch voll auf Risiko. "Das geht meist gut, selbst wenn ich die Hosen voll habe", erklärte die Unternehmerin ihre Erfolgsstrategie. Die versagte jedoch. Williams hatte die Million fest im Blick, als sie für 500.000 Euro wissen sollte: "Wer tötet weder Lamm noch Zicklein, denn Eicheln und Beeren genügen ihm zum Essen?" A) Erlkönig, B) Frankensteins Monster, C) der Glöckner von Notre-Dame, D) Mr. Hyde.

Größte Pleiten bei WWM

"Es muss der Erlkönig sein", legte sich Williams schnell fest. "Ich muss meinem Bauchgefühl folgen", wiederholte sie ihr Mantra. "Mach es", forderte ihr Mann Alexander-Klaus Steche im Publikum. Gesucht war jedoch Frankensteins Monster. Williams versprach, durch eigene Projekte möglichst viel von den verlorenen 499.500 Euro für wohltätige Zwecke zurückzuholen: "Oh Gott, habe ich nächstes Jahr was zu tun." Den bis dato tiefsten Sturz des WWM-Euro-Zeitalters hatte 2008 François Pütz hingelegt. Der Braunschweiger tippte bei der 500.000-Euro-Frage "Wer stellte vor rund 150 Jahren ein Kondom aus Gummi her?" auf John Dunlop statt auf Charles Goodyear.

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Seine Telefonjoker-Qualitäten sind leider eher gering: Waldemar Hartmann.

(Foto: picture alliance/dpa)

Fast schon ein Pleite-Klassiker ist Waldemar Hartmann. Seine Aussetzer als Joker blieben zum Glück zwar folgenlos. Dafür scheiterte der Fußballexperte umso spektakulärer. Alles begann 2013, als Model Lena Gercke und Modedesigner Guido Maria Kretschmer ihn im Promi-Special als Telefonjoker zogen. Sie brauchten Hilfe bei der Frage, welche Fußballnation noch nie im eigenen Land den Weltmeistertitel gewonnen hat: Brasilien, Deutschland, Argentinien oder Frankreich. Hartmann war felsenfest überzeugt: Deutschland - und ignorierte dabei den deutschen WM-Triumph 1974 in München. Die Kandidaten hatten ihre Zweifel und ließen sich vom Publikum zur richtigen Antwort verhelfen: Brasilien.

Fünf Jahre später klingelte Komiker Chris Tall bei Hartmann durch. "Er will offenbar nicht viel Geld mitnehmen, wenn er mich anruft", meinte der Sportreporter selbstironisch. Leider hatte er damit nicht ganz unrecht. Dieses Mal lautete die Frage: Welche ist die einwohnerreichste Stadt Deutschlands, die noch nie einen Erstligisten im Männerfußball stellte? Zur Auswahl standen Bonn, Dresden, Fürth und Saarbrücken. Hartmann blieb aus Zeitnot die Antwort schuldig, war sich aber erneut sicher: Fürth und Bonn haben es noch nie in die Bundesliga geschafft.

Damit schrieb er abermals deutsche Fußballgeschichte um. Die Spielvereinigung Greuther Fürth hatte 2012/13 erstmals in der Bundesliga gespielt. Tall zog noch den 50/50-Joker und kam zur richtigen Antwort "Bonn". Jauch ließ es sich nicht nehmen, umgehend bei Waldi anzurufen und ihm die erneute Schmach unter die Nase zu reiben. "Als Nürnberger muss man das nicht wissen", konterte der Sportmoderator.

Mit allen Jokern ausgeschieden

Für eine denkwürdige Blamage ist nicht immer eine große Fallhöhe notwendig. Wer mit allen Jokern nach Hause geht, darf sich ebenfalls in die Reihe der WWM-Pleitiers einreihen. Condor-Kapitän Björn Freitag bestand am 4. Mai 2020 bei der 2000-Euro-Frage darauf, dass "braunen" auch als Verb benutzt werden kann. "Wenn man etwas lange im Ofen lässt, kann man es braunen", redete sich der Kapitän mit Höhenangst die Sache schön. "Da braunt sich was zusammen", kommentierte Jauch. Richtig war "grünen" ("es grünt so grün").

Der erste Kandidat, der mit vier Jokern nach Hause ging, war Steffen Burrer. Der Doktorand (Jura) fiel am 10. Dezember 2007 bei der vierten Fragen auf 0 Euro. Eine Wiederholung wollte Jauch vermeiden und versuchte zwei Jahre später, Kandidatin Daniela Miessl vom Weg ins Unglück abzubringen. Die Projektingenieurin vermutete allerdings Sabotage ("Sie wollen meinen Durchmarsch stoppen") und bestand auf der falschen Antwort. Sie fiel bei der neunten Frage auf 500 Euro zurück.

Schon in der ersten Runde einen Joker zu ziehen, ist allerdings auch kein Garant für Erfolg. Sascha Pendo aus Solingen sollte 2003 für 50 Euro den Spruch "Warum ist die ...?" ergänzen. Blondine dumm, Forelle stumm, Show schon rum - das alles wollte der Diplomingenieur nicht ausschließen und bat das Publikum um Hilfe. Das votierte korrekt für "Banane krumm". Bei der achten Frage aber war es endgültig für den Kandidaten vorbei und er ging mit 500 Euro nach Hause.

Emotionale Niederlage bei Jauch

Viele Kandidaten nehmen eine Pleite (zumindest im Studio) mit einem Schulterzucken hin. Für sie war bereits die Teilnahme eine schöne Sache. Manchmal aber steht für den Kandidaten so viel mehr auf dem Spiel. Einen derartigen Realitäts-Check gab es am 11. September 2017 mit Kölschrock-Sänger Michael Hirsch. Der hatte bei der 16.000-Euro-Frage vermutet, dass Nationalkeeper Manuel Neuer "auf Mao-Mao" geheiratet hat, richtig war aber "in Monopoli". "Business as usual", dachten sich Jauch und die Zuschauer beim Sturz auf 500 Euro - bis der Kandidat so gar kein Wort von sich geben wollte.

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Hirsch war sichtlich geschockt, dann stiegen ihm Tränen in die Augen. Seinem Vater ging es im Publikum nicht viel besser. "Ich bin schon traurig", murmelte der zweifache Vater. Das Publikum spendete herzlichen Applaus, Jauch hielt kurz inne. Manchmal würden ja wirklich "Schwachköpfe" vor ihm sitzen, meinte der Moderator. "Bei ihm tut es mir wirklich leid, er hätte es sicherlich gut gebrauchen können." Das Ganze hatte ein Happy End. Der Kölner durfte im "Zweite Chance"-Special 2018 noch mal ran und gewann 32.000 Euro.

Kein Mitleid gibt es für Kandidaten, die sich die Teilnahme am RTL-Quiz erschlichen haben. Bewerber müssen grundsätzlich schriftlich bestätigen, noch nie bei "Wer wird Millionär?" auf dem heißen Stuhl gesessen zu haben. Reinhold S. aber war gierig. Er hatte 2003 nur 500 Euro erspielt. Drei Jahre später trat er unter anderem Namen erneut an und gewann 64.000 Euro. Ein aufmerksamer Zuschauer schlug allerdings bei RTL Alarm. Der Betrug flog auf, S. wurde disqualifiziert.

Quelle: ntv.de

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