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"Einzige Naturschönheit bin ich" Drei Haartransplantation-Fans zocken bei Jauch

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"Sperren Sie mich doch mal für ein Jahr, trauen Sie sich doch!"

(Foto: RTL / Stefan Gregorowius)

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Haartransplantat statt Verhütung - bei Jauchs WWM-Kandidaten sind am Vatertag die Prioritäten klar. Mit der "Penispumpe" hat der größte Zocker des Abends zwar den Sponsor verärgert. Jauch ist dennoch begeistert und verrät: ging mir ähnlich.

"Bitte nicht wieder nur eine Frau." Günther Jauch war im großen Zocker-Special von "Wer wird Millionär?" kurz davor, vom Glauben abzufallen. Ausgerechnet am Vatertag schwächelten die Männer und waren in den ersten beiden Auswahlrunden noch nicht mal mit korrekten Antworten am Start. Am Ende aber konnte Jauch einen echten Herrentag feiern. Während gleich zwei Kandidatinnen auf 1000 Euro abstürzten, gingen die beiden Männer mit sechsstelligen Gewinnen nach Hause. Sie hatten noch mehr gemeinsam: ledig, Single, Haartransplantation-Fans. Einer brachte sogar noch einen Mitstreiter als Telefonjoker unter. "Die einzige Naturschönheit, die hier sitzt, bin in aller Bescheidenheit ich", musste Jauch feststellen.

Jan Cassola aus Essen, der sich über 125.000 Euro freute, hat in Düsseldorf 4500 Euro bezahlt, um seinen Haaransatz auffüllen zu lassen. 2000 Euro weniger zahlte Lars Hermes, weil er sich in Istanbul unters Messer gelegt hatte. "Das kostet halb so viel, aber ich kenne grässliche Geschichten von Entstellungen", wusste Jauch zu berichten. "Es ist Zocken", erwiderte Hermes und konnte dieses Selbstbewusstsein später tatsächlich rechtfertigen. Vorher musste sich der große Gewinner des Zocker-Spezials aber in Sachen Verhütung vom Moderator tadeln lassen.

WWM: Jauch klärt Kandidaten auf

Hermes sollte für 8000 Euro wissen, ob es sich bei der Dreistundenpille oder doch lieber bei der Dreimonatsspritze um ein Verhütungsmittel handelt. Der Mittdreißiger schwieg. "Wer kümmert sich denn in Ihren Kreisen so um Verhütung?", fragte Jauch. Stille. "Ich überlege, ob ich es gut finde, dass Sie da relativ unbelastet sind", merkte der Moderator an, nachdem der Kandidat per Ausschlussprinzip zur richtigen Antwort gelangt war. Einen Hoffnungsschimmer hatte Jauch vorher ausgemacht: "Zwei Millionen auf dem Konto erleichtern die Partnersuche zuweilen." Zum Hauptgewinn des Zocker-Specials reichte es für den Hamburger zwar nicht. Aber Hermes nahm das Motto der Sendung ernst und begeisterte damit auch Jauch. Der kam zuvor aber noch in den Genuss der "Penispumpen"-Geschichte.

Der Kandidat ließ sich als "Geschäftsführer und Gründer" vorstellen. Der Teilhaber einer kleinen Kette logopädischer Praxen war allerdings als Moderator beim 2011 eingestellten Fernsehsender 9Live ins Berufsleben gestartet. Unter Pseudonym führte Hermes damals durch die Sendung "Kaffeeklatsch" und sollte eines Tages eine rohrförmige Plätzchenpresse anpreisen. "Der Gewinn hieß bei uns intern 'Penispumpe'", erzählte der Kandidat. Jauch zeigte vollstes Verständnis: "Nachmittagsprogramm, warum nicht?" Bei "intern" blieb es nur leider nicht.

Hermes verlor vor laufenden Kameras die Nerven, hielt sich die Backhilfe vor die Lenden und fragte, wer von den Zuschauern die Penispumpe gewinnen wollte. Er wurde von seinem Arbeitgeber ein Jahr lang als Moderator gesperrt. "Ich habe die Abmahnung noch", sagte Hermes. Vielleicht auch wegen seines schlechten Gewissens. "Das Traurige an der Geschichte ist: Es war ein Sachpreissponsor, der daraufhin die Zusammenarbeit gekündigt hat." Jauch winkte ab. Denn selbst der Vorzeigemoderator war für Werbepartner offenbar schon öfters ein Ärgernis. "Da hab ich auch gute Geschichten. Ich hab hier schon Sachen gemacht, da sind auch Zusammenarbeiten dann gekündigt worden", erzählte der davon offenbar wenig beeindruckte Jauch.

Jauch fordert RTL heraus: Sperrt mich doch

Offenbar genießt das RTL-Urgestein bei dem Sender aber Narrenfreiheit. "Ich kann alles sagen. Sagen Sie mir irgendwas, was ich sagen soll, ich sag es", forderte er den Kandidaten auf. Der ließ die Chance unverständlicherweise ungenutzt und wollte von dem WWM-Gastgeber lediglich ein Gedicht hören. "Das ist Hochkultur, dafür steht ja RTL", meinte Jauch nach seinem kleinen Vortrag. Dann wandte er sich zur Kamera und forderte die Verantwortlichen des Senders heraus: "Sperren Sie mich doch mal für ein Jahr, trauen Sie sich doch!"

Hermes schaffte es wie alle fünf Kandidaten des großen "Zocker-Specials", vor der 32.000-Euro-Frage keinen Joker zu nehmen. Andernfalls wären die restlichen drei Hilfen verfallen. Er setzte die Joker aber außerdem äußerst geschickt ein. Den Publikumsjoker, der sonst oft als erstes genommen wird, hob er sich auf. Das zahlte sich aus. Denn bei der Frage für 125.000 Euro konnten die Zuschauer im Studio dem ahnungslosen Kandidaten mit einem eindeutigen Votum zu der Erkenntnis verhelfen, dass Bathyskaphen beim tiefen Tauchen und nicht etwa beim hohen Fliegen helfen. Es handelt sich um U-Boote für die Tiefsee. In der nächsten Runde war aber selbst Jauch geschockt.

Bei der speziellen Zocker-Stufe über 250.000 Euro wurde Hermes gefragt: Unter welchen Tieren gibt es verhaltensauffällige Exemplare, die von Fachleuten "Spiegelfechter" genannt werden? Zur Auswahl standen Vögel, Spinnen, Fische und Insekten. Hermes überlegte lange. Jauch rechnete bereits mit einem Ausstieg und hatte damit kein Problem. "Sie müssen nicht zocken. Fühlen Sie sich nicht verpflichtet...", beruhigte der Moderator. "A, Vögel!", rief der Kandidat unvermittelt. "Da muss ich durchschnaufen", meinte Jauch.

Gewinner des Zocker-Specials

Nach der Werbepause konnte er dann bestätigen: Die Antwort war richtig. "Gibt es nicht. Irre", würdigte Jauch den Kandidaten. Der stieg in der nächsten Runden aus. Mit der Viertelmillion Euro will der Geschäftsführer der gemeinnützigen GmbH "Aktion Baum" einen Nachfolger einstellen, um mehr Zeit zu haben. Haartransplantation-Mitstreiter Cassola arbeitet als Entertainer in einem Club-Hotel auf Fuerteventura und will für seine Kollegen eine Riesenparty schmeißen und außerdem den Umzug zurück nach Deutschland finanzieren. Die erste Kandidatin dieses "Zocker-Specials" hätte mit einem größeren Gewinn ihr eigenes Buch verlegt. "Titel: Wie man bei der 200-Euro-Frage scheitern kann", scherzte Anna Hacks.

Sie hatte in der zweiten Runde gleich mehrfach eine falsche Antwort gegeben und Riesenglück, dass die Regie sie weitermachen ließ. Die Redakteurin beim Online-Magazin "GoFeminin" sollte den Satz ergänzen "Wer Präsident eines Fußballklubs ist, hat sozusagen ein..." Die Kandidatin aus Siegburg sagte zunächst siegesgewiss "Kontaktlos". Dann wechselte sie schnell zur korrekten Antwort "Vereins(-)amt" - nur um sich sogleich erneut zu berichtigen: "Ich bin komplett durch den Wind - es ist A, Abgeschnitten". Fast hätte sie auch noch einen Joker genommen, dann aber fiel bei der studierten Germanistin endlich der Groschen: "Ich schäme mich."

Hacks konnte sich am Schluss über immerhin 32.000 Euro freuen. Diplompsychologin Susanne Haller aus Gernsbach stürzte hingegen bei der 16.000-Euro-Frage - der letzten Runde ohne Joker - auf die Sicherheitsstufe herab. Sie hatte gezockt, dass Hammerwerfen eine Disziplin beim Zehnkampf ist. Bereits bei der 4000-Euro-Frage war für Pechvogel Nadine Skrzypczak Schluss. "Ist ja ein Zocker-Special, dann sag ich A", meinte die Fachärztin aus Gelsenkirchen und entschied sich dafür, dass der "Nutri-Score" auf Lebensmittelverpackungen mit einer Skala von 1 bis 5 angegeben wird. In Wahrheit reicht er von A bis E.

Jauch loggte die falsche Antwort ohne Gegenwehr ein und verabschiedete die glücklose Kandidatin im Schnelldurchlauf. Die hatte den guten Willen des Moderators offenbar bereits bei der Frage für 300 Euro verspielt. Immerhin sorgte sie seiner Ansicht nach für eine Premiere in der Geschichte von "Wer wird Millionär?" Die Frage lautete: "Wer an Brüsseler Klöppelarbeiten Freude hat, der findet: A) Super super, B) Toll toll, C) Mega mega, D) Spitze spitze."

Skrzypczak wählte die korrekte Antwort D. Für sie wird aber offenbar mithilfe eines Hammers geklöppelt, weshalb sie die "Spitze" am oberen Ende eines Meißels verortete. Jauch war hin- und hergerissen zwischen Bewunderung und Abscheu. "Eine falschere Erklärung habe ich in der Geschichte dieser Sendung, die es ein Vierteljahrhundert gibt, noch nie gehört. Sie erzählen haarsträubenden Unsinn und sind eine Runde weiter. So ungerecht ist das Leben", meinte der Moderator. Aber schon vier Runden später war seine WWM-Welt wieder im Lot.

Die RTL-Quizshow macht in den nächsten Wochen Pause. Dafür wird die "Jauch gegen ..."-Reihe fortgesetzt. Am nächsten Montag misst sich der Moderator mit Kollege Oliver Welke. Pfingstmontag ist der Wissenskampf gegen Koch Horst Lichter an der Reihe.

Quelle: ntv.de

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