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Hunnam über "Triple Frontier" "Es ist auch ein Film für Frauen"

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Hört ihre Freundschaft bei Geld auf? Ben Affleck, Oscar Isaac, Charlie Hunnam, Garrett Hedlund und Pedro Pascal (v.l.n.r.)

(Foto: Melinda Sue Gordon/Netflix)

Mit "Triple Frontier" startet ein Film auf Netflix, der es in sich hat. Vor allem die Besetzung ist mit Ben Affleck, Charlie Hunnam, Garrett Hedlund und Oscar Isaac beeindruckend. Im Interview mit n-tv.de haben die vier über Veränderungen und Einsichten gesprochen.

Bei aller Diskussion um Recht und Unrecht bei der Vergabe renommierter Filmpreise an Produktionen von Streamingdiensten ist es unbestritten, dass Netflix und Co. das Business gerade mächtig umkrempeln. Immer mehr hochkarätig besetzte und aufwendig gedrehte Streifen drängen auf dem digitalen Markt und machen dem Kino Konkurrenz. So auch "Triple Frontier".

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Eigentlich schon 2010 von Paramount Pictures noch fürs Kino geplant, wechselte vor Drehbeginn die Besetzung in schöner Regelmäßigkeit, ehe Paramount das Projekt 2017 komplett fallen ließ. Erst dann sprang Netflix auf den Zug auf und machte "Triple Frontier" unter der Regie von J.C. Chandor doch noch möglich.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen fünf ehemalige Elite-Soldaten, die sich seit ihrer Entlassung aus dem Militär mehr schlecht als recht durchs Leben schlagen. Für einen mehrere Millionen Dollar versprechenden Coup kommen die Freunde noch einmal zusammen. Sie fallen in das Haus eines Drogenbarons ein, um ihn um seine beeindruckenden Ersparnisse zu erleichtern. Die eigentlich perfekt geplante Mission geht schief, als plötzlich die Gier Oberhand gewinnt. Bald befinden sich die Männer mit einem Van voller Dollar im Länderdreieck Paraguay - Argentinien - Brasilien auf der Flucht vor der Drogenmafia.

Die Soldaten werden gespielt von Ben Affleck, Oscar Isaac, Charlie Hunnam, Garrett Hedlund und Pedro Pascal, also von gleich fünf echten Alpha-Tieren. Dennoch ist "Triple Frontier" mehr als nur ein testosteron-geschwängertes Heist-Movie, das reine Action-Fans sogar eher enttäuscht zurücklassen dürfte. Der Film ist vor allem eine Kritik am Umgang der USA mit ihren Veteranen, denen nach ihrer Heimkehr häufig kaum genug Geld zum Leben bleibt. Und wenn nach den ersten 60 Minuten der Coup erstmal (schief-)gelaufen ist, geht es vor allem um die Frage, wie viel Geld jedem einzelnen Freundschaft und Loyalität wirklich wert sind. Ungewöhnlich gut untermalt wird das Ganze von einem Soundtrack, der Songs von Metallica, Pantera, Creedance Clearwater Revival und Bob Dylan beinhaltet. 

In Madrid haben wir Ben Affleck, Oscar Isaac, Charlie Hunnam und Garrett Hedlund getroffen und mit ihnen über Veränderungen und Einsichten gesprochen.

Mr. Issac, Mr. Affleck, "Triple Frontier" hat Kinoqualität, ist aber ein Netflix-Produktion. Werden die Streaming-Plattformen das Kino eines Tages verdrängen? Regt sich Steven Spielberg also gerade zu Recht auf?

Oscar Isaac: Ich denke, das Ganze wird etwas zu sehr aufgeblasen. Die Dinge ändern sich eben, es gibt heute mehr Möglichkeiten für Regisseure und Schauspieler, neue Projekte anzugehen. Da bewegt sich eine Menge und nichts wird mehr so sein wie früher. Das Angebot an Geschichten und Erzählweisen wird dank des Streamings immer größer. Manch kleiner Film läuft normalerweise doch - wenn überhaupt - nur für einen extrem kurzen Zeitraum in ein paar Kinos. So können ihnen nur wenige Menschen sehen. Doch dank Netflix und Co. erreichen auch solche Filme ihr Publikum.

Ben Affleck: Der Markt wird darüber bestimmen, wie es weitergeht. Ich glaube nicht, dass das Kino komplett ausstirbt. Aber es ist gut, dass die Leute selbst bestimmen können, ob sie einen Film auf der großen Leinwand oder doch lieber erst später zu Hause per Streaming sehen möchten. Solche Plattformen öffnen die Türen für neue Produktionen, für eine größere Vielfalt. Netflix und Co. können genau analysieren, was die Leute sehen wollen, und auf diese Weise mehr interessante und relevante Inhalte möglich machen.

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Irgendwann sind ihnen die Strapazen anzusehen: Isaac und Affleck.

(Foto: Melinda Sue Gordon/Netflix)

Damit stehen auch viele neue Rollen an. Sie haben beide bereits so manch spannendes Projekt hinter sich. Was muss ein Rollenangebot haben, um Sie noch zu überzeugen?

Isaac: Für mich ist das nicht an einer Sache festzumachen. Man verliebt sich in eine Rolle, ohne konkret sagen zu können, was es genau ist. Ich lese ein Drehbuch, spreche mit den Menschen, die in das Projekt involviert sind, und wenn ich mir dann vorstellen kann, mehrere Monate meines Lebens mit diesen Leuten und dieser Figur zu verbringen, dann bin ich an Bord. Bei "Triple Frontier" war es unter anderem die Zusammenarbeit mit J.C. Chandor, mit dem ich schon "A Most Violent Year" gedreht hatte. Und dass Freunde wie Pedro Pascal und Garrett Hedlund dabei waren.

Affleck: Ich sehe es ähnlich wie Oscar. Der Regisseur spielt für mich bei der Entscheidung eine wesentliche Rolle und J.C. verehre ich sehr. Auch die Besetzung des Films finde ich toll. Wenn dann noch die Geschichte auf allen Ebenen überzeugt ...

Fünf ehemalige Elite-Soldaten beklauen einen Drogenbaron. Macht es für Sie moralisch einen Unterschied, wer der Bestohlene ist? 

Affleck: Das ist genau die Frage, die der Film - neben einigen anderen - aufwerfen will. Und das ist doch super interessant. Es gibt einfach keine direkte Antwort darauf. Seine eigenen Handlungen immer wieder moralisch zu rechtfertigen, ist ein schleichender Prozess. Was ich an der Geschichte mag, ist, dass sich eben die Antwort auf die Frage nach der Moral im Verlauf des Films immer wieder verschiebt.

Isaac: Du folgst diesen Typen und bist zunächst auf ihrer Seite. Doch irgendwann gibt es vielleicht einen Punkt, in dem einer für dich zum Bösen wird, er in deinen Augen eine Grenze überschreitet. Und diese Grenzen sind individuell, bei jedem setzt der Punkt an einer anderen Stelle ein.

Affleck: Oft liest man Drehbücher, bei denen die Figuren klassische Archetypen und ihre Handlungen vorhersehbar sind. Das ist bei diesem Film anders.

Isaac: Was vor allem für einen großen Actionfilm eher ungewöhnlich ist.

Tatsächlich ist nicht immer ganz klar, wer gut und wer böse ist. Trotz aller Freundschaft gerät zwischen den fünf - männlichen - Protagonisten einiges aus den Fugen. Ist "Triple Frontier" daher vor allem ein Film für Männer?

Charlie Hunnam: Nein, absolut nicht, auch wenn es zugegebenermaßen erstmal ein recht maskulines Thema zu sein scheint. Doch es geht nur vordergründig um Gier. Eigentlich geht es um intrinsische Notwendigkeiten des Lebens und um Gemeinschaft. Es geht nicht um das Geld, sondern um fünf Männer, die versuchen, nach ihrer Rückkehr aus dem Krieg in die Gesellschaft zurückzufinden. Wenn man in der Gemeinschaft des Militärs lange damit beschäftigt war, sein eigenes Leben und das seiner Kameraden zu schützen, ist es schwer, daheim einfach wieder Kaffee zu kochen oder etwas ähnlich Banales zu tun.

Womit wir beim sozialkritischen Ansatz von "Triple Frontier" wären, quasi der Geschichte hinter der Geschichte. Eine Kritik daran, wie die USA mit ihren Veteranen umgehen ...

Issac: Richtig, die Männer haben lange ihrem Land gedient; wenn sie wieder zu Hause sind, erfahren sie allerdings kaum Zuspruch und Hilfe. Weder finanziell noch emotional. Sie werden behandelt wie jeder andere, der seinen Job hinter sich lässt, obwohl sie eine so große Bürde tragen.

Affleck: Du investierst als Soldat dein Leben, siehst so viel Elend, Leid und Tod. Und wenn du aus dem Dienst aussteigst, verlierst du obendrein noch deine Gemeinschaft, die bis dahin alles zusammengehalten hat. Dir bleibt nichts. In "Triple Frontier" geht es auch darum, was das mit dir macht. Es geht darum, beim Publikum ein Gefühl dafür herzustellen, wie schwierig es für einen Soldaten ist, in sein Leben als Zivilist zurückzukehren.

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Hedlund und Hunnam als Soldaten-Brüderpaar.

(Foto: Melinda Sue Gordon/Netflix)

Mr. Hedlund, hilft es bei einem so intensiven Dreh, wenn man die Kollegen schon vorher gut kennt oder sogar mit einander befreundet ist?

Garrett Hedlund: Charlie und ich kennen uns nun schon seit gut 15 Jahren. Wir haben immer nach einer Möglichkeit gesucht, mal zusammenarbeiten zu können. Auch Oscar und ich kennen uns schon etwa zehn Jahre. J.C. und Oscar hatten schon zusammengearbeitet. All das sorgt tatsächlich für ein familiäres Gefühl untereinander, anders als bei jedem anderen Film, den ich bislang gemacht habe. Es ist durchaus von Vorteil, schon vorher eine gewisse Beziehung zueinander zu haben. Es war toll, mit ihnen gemeinsam auf diese Reise zu gehen.

Apropos Reise: Für die fünf Figuren ist es ein wahrlich beschwerlicher Trip, mit dem Geld im Gepäck irgendwie wieder nach Hause zu kommen. Wie anstrengend aber waren die Dreharbeiten tatsächlich? Und was haben Sie selbst aus diesem Film gelernt?

Hunnam: Wir haben unter anderem auf Hawaii gedreht. Wie anstrengend wird das schon gewesen sein? (lacht). Klar, wir mussten uns körperlich etwas vorbereiten. Wir haben viel Zeit mit echten Elite-Soldaten verbracht, die uns alles über ihren Job beigebracht haben. Diese Typen, die auf dem Level der US-Spezialeinheiten "Delta Force" und "Seal Team" arbeiten, waren wirklich außergewöhnlich - sowohl auf emotionaler als auch auf körperlicher und intellektueller Ebene. Ich weiß gar nicht, ob es uns gelungen ist, sie wirklich akzeptabel darzustellen, was natürlich ein bisschen der Geschichte geschuldet ist. Für mich war der Part jedenfalls der schwerste, weil ich bei Drehbeginn extrem dürr war. Ich hatte vorher 20 Kilogramm für die Rolle in "Papillon" abgenommen und als ich dann neben diesen Soldaten stand, war das schon ziemlich frustrierend. (lacht) Ich bin dann also erstmal ins Fitnessstudio gerannt, um das aufzuholen.

Hedlund: Wir waren mit den Soldaten in einer Art Boot Camp, wo sie uns in etwa 80 Prozent dessen vermittelt haben, was sie in ihrem Job können müssen. Das war für mich das erste Mal, dass ich wirklich begriffen habe, wie viel Respekt diese Männer verdient haben für das, was sie tun. Wie hart sie arbeiten, die Fähigkeiten, die sie haben. Und wenn es auch erstmal ein Actionfilm ist, sollte "Triple Frontier" doch auch ein wenig die Augen der Zuschauer dafür öffnen.

Hunnam: Wenn man den Job des Schauspielers ernst nimmt, gehört es dazu, einen Weg zu finden, dem Zuschauer die Wahrheit näherzubringen. Nur weil es ein Actionfilm ist, ändert sich daran nichts.

Mit Ben Affleck, Oscar Issac, Charlie Hunnam und Garrett Hedlund sprach Nicole Ankelmann.

"Triple Frontier" läuft ab dem 13. März bei Netflix.

Quelle: n-tv.de

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