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"Polizeiruf" im Schnellcheck "Falling Down" in Rostock

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Sabine (M.) hat es auf den Chef der Werft abgesehen.

(Foto: NDR/Christine Schroeder)

Wie viel Ungerechtigkeit kann ein Mensch aushalten, bevor etwas in ihm zerbricht? Die Rostocker "Polizeiruf"-Macher beantworten die Frage mit einem wütenden Krimi - und schicken "Sabine" auf einen mörderischen Rachefeldzug.

Was passiert?

Sabine (Luise Heyer) schuftet tagein, tagaus in der Kantine der Rostocker Arunia-Werft, um sich und ihren elfjährigen Sohn über die Runden zu bringen - und muss trotzdem noch aufstocken. Als die alleinerziehende Mutter beim Servieren in der Chefetage aus erster Hand mitbekommt, wie um die Zukunft der Belegschaft geschachert wird, während das Management auf einen dicken Bonus hoffen darf, zerbricht etwas in ihr: Sabine will sich mit der alten Pistole ihrer Mutter das Leben nehmen und entscheidet sich dann doch im letzten Moment dazu, ihre Wut auf "alle Arschlöcher" in ihrer Welt umzulenken. Mit einem sauberen Kopfschuss richtet sie den Nachbarn, der regelmäßig seine Frau verprügelt - und das ist erst der Anfang einer sich immer schneller drehenden Gewaltspirale.

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Am Ende: Sabine (Luise Heyer).

(Foto: NDR/Christine Schroeder)

Verzweifelt machen sich die beiden Kommissare Bukow (Charly Hübner) und König (Anneke Kim Sarnau) auf die Jagd nach der vermeintlich unberechenbaren Mörderin und müssen gleichzeitig mit ihrem eigenen Gefühlsleben kämpfen: Nach dem Tod von Bukows Vater und der vorsichtigen Annäherung ist das Leben des unwahrscheinlichen Liebespaars auf den Kopf gestellt.

Worum geht es wirklich?

Noch kommt Deutschland im internationalen Vergleich zwar ganz gut weg, aber auch hierzulande geht die soziale Schere immer weiter auseinander. Betroffen sind dabei vor allem Frauen: Ihr Anteil im Niedriglohn-Sektor beträgt zurzeit 25,8 Prozent, während das Problem nur 15,5 Prozent der Männer betrifft. Zur finanziellen Situation kommt ein soziales Stigma hinzu: "Sabine" stellt die Frage, wieviel Ohnmacht ein einzelner Mensch ertragen kann.

Wegzapp-Moment?

Gibt es nicht: Sogar die Szene, in der Bukow und König zu Schlager engtanzen, ist nicht so peinlich, wie es sich auf dem Papier liest.

Wow-Faktor?

Der Fokus auf Sabine und ihre erst schleichende und später rasante Radikalisierung ist wahnsinnig stark gemacht.

Wie ist es?

8,5 von 10 Punkten. "Sabine" ist ein spannender und düsterer Krimi, der seine Zuschauer von der ersten Sekunde an mitreißt und Erinnerungen an den grandiosen Michael-Douglas-Streifen "Falling Down" wachruft.

Quelle: ntv.de

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