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Erster "Tatort" 2020 "Ich finde dich immer noch geil"

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Ungewöhnliche Versuchsanordnung, großartige Schauspieler: "Das Team".

(Foto: WDR/Tom Trambow)

Die Silvesterbowle ist noch nicht vollständig am Parkett festgetrocknet, der Kopf so gerade wieder intakt, da hat die ARD einen ganz besonderen Wachmacher in petto: "Das Team" ist eine "Tatort"-Folge der besonderen Art - eine ohne Drehbuch.

Wie sie so dasitzen, der eine Kaugummi kauend, die andere mit einem blauen Auge, der nächste mit mokantem Grinsen, das entbehrt auch ohne viele Worte nicht einer ganz eigenen Spannung. Und dann, nach einer Weile Blickkontakt mit dem Gegenüber, fangen sie schließlich an zu reden. "Werd’ erwachsen", sagt Hauptkommissar Franz Mitschowski (Nicholas Ofczarek) zu seinem Gegenüber, Nadeshda Krusenstern (Friederike Kempter).

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Hat ebenfalls einen Auftritt: NRW-Ministerpräsident Armin Laschet.

(Foto: WDR/Tom Trambow)

Auch Hauptkommissar Marcus Rettenbach (Ben Becker) macht bei seinem vis-à-vis keine Gefangenen. "Ich finde dich immer noch geil", entfährt es dem telegen zerlebten Kommissar, der sich angesichts seiner etwas bodenständigen Sympathiebekundung das Lachen nicht verkneifen kann. Hauptkommissarin Martina Bönisch (Anna Schudt) findet das Ganze weniger lustig und appelliert an ihren Kollegen Faber (Jörg Hartmann), wie sehr sie ihn trotz allem doch braucht.

Das ungewöhnliche Entree ist Teil einer Ermittlung. Wie beim Speed-Dating sitzen mal ein Mann und eine Frau, ein Kommissar und eine Kommissarin, dann wieder zwei Männer, zwei Frauen einander gegenüber, sollen so lange wie möglich schweigen, um schließlich ein gewichtiges Statement loszulassen. Ausgedacht haben sich das Ganze Christoph Scholz (Charly Hübner) und sein Bruder Martin (Bjarne Mädel), ihres Zeichens Coachs der Firma "Crisis Performance Consult".

Eine exotische Mischung

Nicht nur das Setting lässt erahnen, dass dies kein all(sonn)täglicher "Tatort" ist, auch die Besetzung ist eine in dieser Form noch nie da gewesene und durchaus eine zum Zungenschnalzen. Mädel, Hübner, Ofczarek, der Grantler aus "Der Pass", dazu die kriminalen Kompetenzen aus diversen Revieren, das ist schon eine exotische Mischung. Nicht weniger ungewöhnlich das Grundprinzip: Der "Tatort" verzichtet ein weiteres Mal aufs Drehbuch, diesmal unter der Ägide von Autor und Regisseur Jan Georg Schütte, der bereits mit preisgekrönten Filmen wie "Altersglühen - Speed Dating für Senioren" (2014), "Wellness für Paare" (2016) und "Klassentreffen" (2019) sein Impro-Talent unter Beweis gestellt hat.

Natürlich gibt es auch einen Fall, eine Versuchsanordnung, wenn man so will, und die hat es in sich: In Nordrhein-Westfalen sind vier Kommissare aus verschiedenen Dienststellen getötet worden, von den Tätern fehlt jede Spur. Mit Unterstützung des Ministerpräsidenten werden in einem leer stehenden Tagungshotel sieben Kommissare und Kommissarinnen zusammengezogen, um daraus, unter der Leitung der Scholz-Brüder, das bestmögliche Team herauszufiltern.

Das Ergebnis - so lassen die knapp 13 Minuten erahnen, die es vorab im Pressebereich der ARD zu sehen gab - verspricht einiges an Unterhaltung. Die Besetzung ist formidabel, das Setting außergewöhnlich, die Grundidee von Schütte ein kleiner Coup - bleibt die Frage, wo sich das Ganze einpendelt, irgendwo auf der Skala zwischen gewagt und gekonnt? Oder doch, siehe Ludwigshafener "Babbeldasch", zwischen merkwürdig und missraten?

Die Zahlen jedenfalls, sie sprechen mit Ablauf der "Tatort"-Saison 2019 weiterhin für das Format, man findet ihn - allen Diskursen zum Trotz - wohl auch "immer noch geil", den Sonntagabend-Dauerbrenner. Neun Millionen Zuschauer sind es im Schnitt pro Folge, das sind etwa 300.000 mehr als noch im Jahr zuvor, unterm Strich bedeutet das einen Marktanteil von gut 26 Prozent. Mit solchen Werten im Rücken startet es sich leicht und experimentierfreudig in ein neues Jahr, auch ohne solche Profanitäten wie ein Drehbuch.

Quelle: ntv.de

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