"Tatort: Das Böse in dir"Kleiner Ort, großer Horror

Abgelegen, zurückgelassen, wunderlich - das Filmmotiv des geheimnisvollen Dorfes kennt kein Verfallsdatum. Wer mit dem Saarbrücker "Tatort" auf den Geschmack gekommen ist, für den gibt es hier sechs Gänsehaut-Klassiker zum Weiterschauen.
1. The Wicker Man (GB, 1973)
Sergeant Howie (Edward Woodward) wird auf die abgelegene schottische Insel Summerisle geschickt, um ein vermisstes Mädchen zu suchen. Was dort zunächst nach einer freundlichen Dorfgemeinschaft aussieht, entpuppt sich bald als verschrobener Haufen, der sich allerlei heidnischen Ritualen hingibt.
Robin Hardys Filmdebüt gilt als Klassiker des Folkhorror-Genres, das 'Lexikon des Internationalen Films' ist voll des Lobes: "Ein ungewöhnlich intensiver Horrorfilm ohne grobe Schockeffekte, der eine Atmosphäre des permanenten Schreckens erzeugt."
2. The Village (USA, 2004)
M. Night Shyamalans Geschichte spielt im 19. Jahrhundert, Ort des Geschehens ist eine streng abgeschottete Dorfgemeinschaft mit ebenso strikten Regeln. Oberstes Gesetz: Betrete niemals den Wald, denn dort lauern mörderische Kreaturen. Das alles gerät aus den Fugen, als eine Bewohnerin wegen eines medizinischen Notfalls den Weg in die Außenwelt antritt.
Die Kritiken waren gemischt, der Entertainment-Faktor ausgesprochen hoch. Das 'Lexikon des Internationalen Films' sah "eine spannende Mischung aus Horror- und Liebesfilm", die "grundlegende Fragen über die menschliche Zivilisation" stelle.
3. Midsommar (SWE/USA, 2019)
Auch in der Kommune Hårga in der Provinz Hälsingland wird es mysteriös. Dass die Gruppe von Studenten, die zum Mittsommerfest anreist, zudem mit privaten Problemen zu kämpfen hat und auch noch Magic Mushrooms einwirft, macht die zunehmend verstörende Atmosphäre im Dorf gleich noch bedrohlicher.
Brilliant montiert, in üppige Bilder gegossen, ist Ari Asters Film die gelungene Fortführung seines Vorgängers "Hereditary". "Kein Genre-Fast-Food, sondern ein Film, auf dessen einzigartige Atmosphäre man sich einlassen müsse", schreibt Filmkritikerin Antje Wessels.
4. Das Dorf der Verdammten (GB, 1960)
Wolf Rillas Klassiker, von John Carpenter in den 90ern adaptiert, macht schon vom Titel her keine Gefangenen. Im Fokus der Story: Die obskuren Vorgänge im verträumten Nest Midwich. Nach einem mysteriösen Ereignis bekommen mehrere Frauen gleichzeitig Kinder, die einander nicht nur unglaublich ähnlich sehen, sondern sich auch als übernatürlich begabt und lebensgefährlich herausstellen.
"New York Herald Tribune" schwärmte: "Weit und breit das Gelungenste, Gescheiteste und Glaubhafteste in dem unglaublichen Genre, das manchmal Horror, manchmal 'Pseudo'-Wissenschaft genannt wird."
5. Wake Wood (IRL/GB 2009)
Hier ist Irland der Schauplatz des Geschehens, Pogues-Lieder und Pub-Romantik sollte man jedoch besser nicht erwarten. Ein Ehepaar zieht nach dem Tod seiner Tochter in ein kleines Dorf, dessen Bewohner sich heidnischen Ritualen hingeben.
Eines, so sagt man, bringt die Toten zurück ins Diesseits. Als Alice, so der Name des Mädchens, tatsächlich wieder zum Leben erwacht, hat das ungeahnte Folgen. "Cinema" bringt es auf den Punkt: "Der archaische Voodoo-Zauber im englischen Hinterland bietet drastische Schreckmomente und ein twistreiches Finale".
6. Apostle (GB, 2019)
Allein Michael Sheen als Prophet Malcolm Howe ist schon das Eintrittsgeld wert, aber auch Gareth Evans' Geschichte hat alles, was beklemmender Dorf-Folk-Horror braucht - eine mythologische Saga, willfährige Ritual-Teilnehmer und einen Helden, der sich dem Grauen entgegenstemmt. Evans' Film baut sich bedächtig auf, wirkt zunächst wie ein klassischer Thriller, um schließlich zu fulminantem Horror zu mutieren.
Das 'Variety'-Magazin urteilte, der Grusel sei "stilvoll verworren" und basiere größtenteils "auf dem naiven Gruppendenken ignoranter Charaktere" - womit man wieder bei einem der klassischen Dorfthriller-Motive überhaupt wäre und damit nicht weit weg von den Feidts und den Louis', die ihren Kampf im "Tatort: Das Böse in Dir" ausfochten.