"Polizeiruf 110" im SchnellcheckSein Wille geschehe …

Kein Zufall, dass der Magdeburger "Polizeiruf 110" den Slogan von der körperlichen Selbstbestimmung am Weltfrauentag umdreht: "Your Body, My Choice" handelt von patriarchaler Bevormundung - mit tödlichen Folgen.
Was passiert?
Die Ampel an der großen Kreuzung springt von Gelb auf Rot, eigentlich müsste Marwa (Melanie Jessel) anhalten, doch die Bremse ihres Fahrrads funktioniert nicht. Kurz darauf liegt das Mädchen tot auf dem Asphalt. Kommissarin Brasch (Claudia Michelsen) ist zunächst verwundert, dass die Mordkommission zum Unfallort gerufen wird, doch der Einsatzleiter hat eine Entdeckung gemacht: Die Bremszüge wurden durchtrennt, irgendjemand hat Marwas Fahrrad sabotiert - und damit ihr Leben auf dem Gewissen.
Erste Ermittlungen führen die Magdeburger Kommissarin zu Dr. Schöller-Hahnfeld (Jenny Schilly), die Ärztin führt Schwangerschaftsabbrüche durch. Marwa war nicht nur ihre Assistentin, sondern auch eine gute Freundin. Vor der Praxis demonstrieren Abtreibungsgegner, ihnen gegenüber stehen Menschen wie die Aktivistin Lara (Luna Jordan), die sich als sogenannter Abortion Buddy um die jungen Frauen kümmert, die unmittelbar vor dieser schweren Entscheidung stehen. Bei einer Veranstaltung der Pro-Leben-Initiative kocht die Stimmung über - ist einer der Anwesenden Marwas Mörder?
Worum geht es wirklich?
"My body, my choice" (Mein Körper, meine Entscheidung), das ist eine der zentralen feministischen Parolen für das unantastbare Recht auf körperliche Selbstbestimmung. Bereits Ende der 1960er zum ersten Mal auf Demos zu hören, ist er bis heute schmerzhaft aktuell und damit ein dringliches Thema zum Weltfrauentag am 8. März.
Autorin Annika Tepelmann und Regisseurin Franziska Schlotterer sagen über die im Film thematisierten Konflikte wie Schwangerschaftsabbruch und häusliche Gewalt: "Patriarchale Strukturen legitimieren die Kontrolle über weibliche Körper und erhalten sie aufrecht. Wir zeigen die realen Konsequenzen - für betroffene Frauen und für jene, die ihnen helfen wollen, sei es als Ärztinnen oder durch politisches Engagement. Gleichzeitig dokumentieren wir die Perspektiven derjenigen, die Abtreibung ablehnen: ihre moralischen Überzeugungen, ihre Sorgen, ihre Argumente. Wir nehmen beide Seiten ernst und lassen sie zu Wort kommen."
Wegzapp-Moment?
Kaum vorhanden. Wer möglicherweise meint, hier überlagere die Message mal wieder das Entertainment, wird sich davon überzeugen können, wie die konventionelle Krimi-Spannung vor allem in der zweiten Hälfte des "Polizeiruf 110" nicht zu kurz kommt. Zugegeben, am Anfang wird es mit Sätzen wie "Das gesellschaftliche Klima wird immer feindseliger" arg plakativ, aber das erledigt sich bald im Laufe des Films.
Wow-Faktor:
Angemessen hoch, bei Brasch und Lemp (Felix Vörtler) ist der Betriebslärm wohltuend gering. Die Gemengelage rund um Arztpraxis und Info-Abend, radikale Typen und vergeistigte Protestler, Frauen vor schweren Entscheidungen und eine Ärztin im Abnutzungskampf zwischen den Fronten ist angemessen dramatisch inszeniert, ohne die Klischee-Schraube zu überdrehen.
Wie war's?
8 von 10 Punkten - ein wichtiges Thema, empathisch und spannend inszeniert.