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"Polizeiruf 110" - schon vorbei? Hallo Halle, bitte melden!

15.02.2026, 21:47 Uhr
imageVon Ingo Scheel
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Vielleicht hört der MDR ja den Schuss noch: Henry Koitzsch (Peter Kurth, l.) und Michael Lehmann im "Polizeiruf 110". (Foto: MDR / Felix Abraham)

Nach drei Einsätzen geben die Kommissare Koitzsch und Lehmann bereits wieder ihre Dienstmarken ab. Ein Riesenverlust für die Reihe, eine schwer nachvollziehbare Entscheidung. Wirklich das letzte Wort?

So wie Koitzsch (Peter Kurth) und Lehmann (Peter Schneider) da am Schluss in der Pinte am Tisch sitzen, ein großes Pils vor sich, Koitzsch den Arm in der Schlange und nur knapp mit dem Leben davongekommen, Lehmann erleichtert und erschöpft - wie gern würde man erfahren, wie es mit den beiden in Halle weitergeht. Wie sieht der nächste Fall aus, welches Täterrätsel gilt es zu lösen? Packt Koitzsch endlich mal seine Kartons aus und schläft im Bett, wie es sich gehört? Und was ist mit Lehmanns Ehe, ist da wirklich nichts mehr zu machen?

Alles Makulatur, wenn es nach dem MDR geht, denn mit "Der Wanderer zieht von dannen" ziehen auch die beiden Kommissare von dannen. Der letzte Teil einer Trilogie soll es gewesen sein, das Finale zu den Vorgängern "An der Saale hellem Strande" und "Der Dicke liebt". Anlass des ersten Falles aus Halle war im Mai 2021 das 50-jährige Jubiläum des "Polizeiruf 110", jenem Krimi-Dauerbrenner, der sich nach der Wende als eines der wenigen Ost-Formate ins wiedervereinigte Deutschland retten konnte und bis heute erfolgreich ist.

"An der Rolle gereizt hat mich, dass sie mir die Möglichkeit gab, wieder mit Thomas Stuber und Clemens Meyer zusammenzuarbeiten und in der Stadt Halle gemeinsam in unser eigenes Universum einzutauchen. Da hat sich die Figur Henry Koitzsch fast organisch ergeben", so Peter Kurth damals im Interview. "Es ist der Ort, der mich interessiert hat: Halle. Ein großer Teil meiner Familie ist hier aufgewachsen, ich bin als Kind immer schon in Halle gewesen. Mit dieser Stadt und den Menschen hier kann ich etwas anfangen. Und auf ein Zusammentreffen mit Peter Schneider habe ich mich auch sehr gefreut."

Eigentlich ist alles angerichtet

Die Freude war ganz zuschauerseits, denn was sich da in wenigen Folgen entwickelte, hatte flugs Klassikerpotenzial, nicht nur aus Sicht des Krimi-Fans, sondern auch als lakonisch-liebevolle Erzählung vom Leben im Osten. Im Mittelpunkt natürlich die beiden Kommissare: Koitzsch, dieser raumgreifende, ruhige Typ, der seine Lederjacke wie einen Chitinpanzer trägt und innerlich doch ganz fragil ist. Der zu Hause alles ablegt, halbnackt vor dem Kamin sitzt, schwitzt und in seinen Whiskey weint. Und da ist Lehmann, gespielt von Peter Schneider, der zurückhaltende Melancholiker, der selbst dann noch traurig guckt, wenn er lächelt.

Diese Männerbünde im "Tatort" und im "Polizeiruf 110" haben viele Ausgestaltungen, mal kumpelig-ironisch, dann kollegial-korrekt. Bei Koitzsch und Lehmann trat das nie in den Vordergrund und war doch immer da, als dramaturgischer Grundton, der auch ohne viel Worte umso mehr zu sagen hatte.

Das wäre nur die halbe Miete, gäbe es da nicht auch noch jene Fälle, die immer so eine ganz eigene Spannung auszeichnete. Beste Beispiel, dieser dritte Teil der Trilogie, "Der Wanderer zieht von dannen": Ein unheimlicher Wiedergänger des stillen Gastes aus Kiel zog hier seine mörderischen Kreise, die Stimmung angespannt, die Kamera-Einstellungen großartig, voller mysteriös-alltäglicher Innenansichten. Das Autoren-Regie-Tandem Clemens Meyer und Thomas Stuber hatte ein weiteres Mal großartige Arbeit geleistet. Umso bedauerlicher, dass damit nun Schluss sein soll.

Im Interview mit der "Hörzu" erzählte Peter Schneider, dass er erst spät davon erfahren habe, dass die "Reihe", wie es ursprünglich hieß, lediglich auf drei Fälle limitiert sein sollte. Beim Publikum beliebt, von der Kritik geschätzt, eigentlich ist doch alles angerichtet für einen schmucken Krimi-Dauerbrenner, zudem noch vor dem Hintergrund der zuletzt akuten Fluktuation im Sonntagabend-Krimi. Ob dies nun wirklich das letzte Wort ist? Bitte noch mal in Klausur gehen, lieber MDR, und das Ganze revidieren - wir freuen uns auf die nächste Trilogie. Mindestens.

Quelle: ntv.de

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