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"Tatort" aus Wien Silberhochzeit bei Bibi und Moritz

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Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) verhören den Obdachlosen Indy Lechner.

(Foto: ARD Degeto/ORF/Superfilm/Philipp)

Mit "Vergeltung" fing es an, im März 2011. Knapp zehn Jahre später feiern Adele Neuhauser und Harald Krassnitzer, oder besser Bibi Fellner und Moritz Eisner, jetzt ihren 25. gemeinsamen Fall. Ein Blick ins Erinnerungsalbum der Wiener "Tatort"-Filiale.

"Adele Neuhauser ist großartig", so schrieb Freddy Langer im Frühjahr 2011 am Tag nach der Ausstrahlung von "Vergeltung", dem ersten "Tatort" aus Wien, bei dem Neuhauser alias Bibi Fellner dem Kollegen Krassnitzer alias Moritz Eisner an die Seite gestellt wurde, in der FAZ. "Krasse Auflösung, starke Charaktere", urteilte "TV Spielfilm". Kein schlechter Start für ein neues Kapitel Krimi-Historie. Und kein ganz leichter Anfang, war Kollege Krassnitzer doch schon einige Zeit länger im Einsatz, seit Ende des letzten Jahrtausends. Am 17. Jänner 1999 war sein Moritz Eisner auf Sendung gegangen, "Nie wieder Oper", so der Titel des Falles um den Brand in einer Seniorenpension.

Auch für einen wie Krassnitzer ein ordentliches Paar Schuhe, in das er da stieg. 1971 war der erste Wiener "Tatort" über die Bildschirme geflimmert, der damalige Kommissar einer für die Legenden-Galerie: Der große Fritz Eckhardt verkörperte den Oberinspektor Viktor Marek 14 Fälle lang, bis ins Jahr 1987. Einer seiner potenziellen Nachfolger ein uneingelöstes Versprechen und in den über tausend Fällen heute wohl fast in Vergessenheit geraten, oder klingelt da womöglich etwas beim Namen Herbert Passini? Seines Zeichens Revierinspektor unter Kommissar Pfeifer (Bruno Dallansky) und nur einen Fall im Einsatz, gespielt von keinem geringeren als dem späteren Tarantino-Darling und zweifachem Oscar-Gewinner, Christoph Waltz. "Wunschlos tot" hieß die Folge, es war die insgesamt 196., Presse-Zitat: "Es bleiben kleine Wünsche offen."

Mit Michael Janisch schließlich zog die Grandezza des Burgtheaters in die "Tatort"-Etage ein. Als Inspektor Fichtl hatte Janisch, in seinem Porfolio Vintage-Klassiker wie "Pünktchen und Anton" und "Der brave Soldat Schwejk", unter Pfeifer gedient. 1989 stieg er zum Chefinspektor auf und übernahm sieben Jahre lang das Kommando in der Wiener Zentrale. Im Juli 1996, zwei Wochen nach Oliver Bierhoffs Golden Goal im EM-Finale gegen Tschechien, schließlich noch ein kurzes Gastspiel, Klaus Wildbolz als Kommissar Max Becker tanzte nur einen Sommer. Auch bei den Kollegen Kant (Wolfgang Hübsch) und Varasini (Johannes Nikolussi) dauerte es nicht viel länger. Nach nur zwei Fällen hatte das Duo schon wieder ausgedient. Über den Fall "Hahnenkampf" befand die Kritik durchaus einfallsreich: "Mächtiges Flügelschlagen um kleine Eier". Auch der zweite Fall, "Morde ohne Leichen", verursachte kaum Kritiker-Kikeriki, die Fans jedoch haben da eine andere Meinung. Auf "tatort-fundus.de" rangiert die Episode anno 2020 auf einem beachtlichen siebten Platz der ewigen Rangliste.

Auf die nächsten 25 Fälle!

Im Januar 1999 schließlich nahm Harald Krassnitzer als Moritz Eisner seine Tätigkeit auf, der Wirkungskreis als Chef der Sonderkommission ein durchaus größerer als der seiner Vorgänger, weit über die Grenzen Wiens hinaus. Warmgespielt hatte der gebürtige Grödiger (liegt bei Salzburg) sich im Theater mit "Peer Gynt" und der "Hamletmaschine", im TV spielte er seinen Charme als "Bergdoktor" aus. Den Eisner gab er mal sarkastisch, mal empathisch, Tochter Claudia tauchte immer mal wieder auf. 2014 schließlich, im Fall "Abgründe", verunglückte sie in einem sabotierten Auto, das ihr Vater hätte fahren sollen, und sitzt seitdem im Rollstuhl.

Vorhang auf für Bibi Fellner anno 2011. Ein leichter Start ist das nicht. Bibi hat zu Beginn einen leichten Hang zur Flasche, Fellner kennt da keine Gnade. "Ich brauch' einen Assistenten, kein Wrack!", entfährt es ihm. Es dauert, bis die beiden sich gemeinsam zurechtruckeln. Erst Kollegen, später auch Freunde werden. Eine wortlose Zuneigung herrscht zwischen den beiden, mal ironisch durchfärbt, dann wieder emotional und direkt. "Unten", ihr Jubiläums-"Tatort" entpuppte sich da als Glücksfall, ein solide angelegtes Stück Krimi-Entertainment, das sich gen Schluss mit der großen Auflösung um die satanische Ärztin und den verschlagenen Heimleiter fast ein Stück Hollywood gönnt.

In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch, Bibi und Moritz, auf die nächsten 25 Fälle.

Quelle: ntv.de