TV

"Tatort: Unvergänglich"Batic und Leitmayr auf der dunklen Seite

05.04.2026, 20:47 Uhr
imageVon Ingo Scheel
ARD-BR-TATORT-UNVERGAeNGLICH-TEIL-1-am-Sonntag-05-04-26-um-20-15-Uhr-im-ERSTEN-Von-links-Kriminalhauptkommissar-Ivo-Batic-Miroslav-Nemec-und-Kriminalhauptkommissar-Franz-Leitmayr-Udo-Wachtveitl-verabschieden-sich-vor-dem-Praesidium-BR-NEUESUPER-GmbH-Hendrik-Heiden-honorarfrei-Verwendung-gemaess-der-AGB-im-engen-inhaltlichen-redaktionellen-Zusammenhang-mit-genannter-BR-Sendung-und-bei-Nennung-Bild-BR-NEUESUPER-GmbH-Hendrik-Heiden-S2-BR-Bildmanagement-Tel-089-5900-33133-Fax-10585-Bildmanagement-br-de-www-br-foto
Kriminalhauptkommissar Ivo Batic (Miroslav Nemec, l.) und Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) verabschieden sich vor dem Präsidium. (Foto: BR/NEUESUPER GmbH/Hendrik Heiden)

Verlängerung in München: Im letzten Fall wird es eng mit der Auflösung. Ein guter Grund, den Ruhestand Ruhestand sein zu lassen, aber gibt es auch ein Happy End? Des woaß ma ned so genau …

Batic und Leitmayr, die Langzeit-Kommissare aus Minga, schicken sich an, ein für allemal in den Sonnenuntergang zu reiten. Der eine träumt den Traum vom knallroten Porsche, den anderen zieht es nach Kroatien, ans Meer, einen guten Tropfen in der Abenddämmerung, vielleicht einen Flirt - und dann gibt es so ein schnödes Goodbye: Zwei Pappkartons, eine linkische Umarmung, vielleicht noch ein schnelles Bier - und dann war es das, nach 35 gemeinsamen Dienstjahren, nach Hochs und Tiefs, Flachs und Freundschaft, den vielen Verbrechen, den gelösten Fällen?

"Wir verneigen uns vor zwei Schauspielern, die ihren Figuren über drei Jahrzehnte hinweg treu geblieben sind und ihr Publikum über viele Jahre im wahrsten Sinne des Wortes in ihr Revier mitgenommen haben", kommentiert Produzent Korbinian Dufter den Ausstand der beiden. "Batic und Leitmayr stehen für einen Krimi, der fest in Bayern verwurzelt ist: geerdet, münchnerisch und mit der Bereitschaft, sich auch ungewöhnlichen oder fordernden Themen zu stellen. Und bei allem Ernst war das ständige Gekabbel um das letzte Wort mit ihrem ganz eigenen, wunderbaren Humor, immer ein Highlight."

Zweiteiler um eine verbrannte Leiche

"Unvergänglich" lautet der passende Titel des Zweiteilers, den der Bayrische Rundfunk seinen populären Protagonisten nun also gönnt. In einem Betriebsraum unter dem St.-Quirin-Platz fand man eine verkohlte Leiche, es stellte sich heraus, dass es sich um die Vertrieblerin Micaela Horvat (Cecilia Diesch) handelt. Von dort aus entblätterte sich der Fall um die drogensüchtige Kara Roth (Lara Feith), ihren Pflegefamilien-Bruder Mike Werner (Daniel Noël Fleischmann), ein Geflecht um Captagon-Handel, krumme Geschäfte mit Ferienwohnungen und einiges mehr. Der Clou: Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) sind nur noch vier Tage im Dienst und wollen es sich einfach nicht nehmen lassen, diesen einen Fall noch zu lösen, diese letzte Aufgabe zu meistern, um (selbst)zufrieden auf Privatier umzusatteln.

Doch ganz so einfach ist das nicht, es gibt verstockte Schlüsselmeister, gespielt von Niklas Mitteregger, der 2024 schon einmal in der Münchner Folge "Schau mich an" zu sehen war. Da ist der mysteriöse Stefan Mathes (Erik Markus Schuetz), dem im zweiten Teil eine besondere Rolle zukommt. Und die Kollegen natürlich, allen voran Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer), der das Revier übernehmen wird und sich mächtig ins Zeug legt, um den Übergang möglichst geschmeidig zu gestalten. Selbst Christine Lerch (Lisa Wagner), die einstige Fall-Analytikerin, schaut vorbei, um ihren Ex-Kollegen mit einigen warmen Worten ein letztes Präsent zu überreichen.

Nur 96 Stunden Zeit

Das Drehbuch stammt von Johanna Thalmann und Moritz Binder, Regie führte Sven Bohse, keine ganz leichte Aufgabe, den Abschluss einer so langlebigen wie beliebten "Tatort"-Filiale zu gestalten. "Unvergänglich" gelingt das durchaus unaufgeregt. Das Geplänkel zwischen den Langzeit-Kollegen ist sorgsam dosiert, gleichzeitig bleibt genügend Platz fürs Kerngeschäft, schließlich soll - binnen 96 Stunden - doch bittschön noch der Fall gelöst werden. Doch erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt.

Und so gewährt die Doppelfolge "Unvergänglich" jene Einblicke, die den "Tatort"- oder auch "Polizeiruf 110"-Zuschauern zumeist nicht vergönnt sind. Klar, wen es am Ende seiner Laufbahn erwischt, wie etwa die Dortmunder Kollegin Martina Bönisch (Anna Schudt), für den bleiben kaum Fragen offen, nur noch die Trauer der Hinterbliebenen, allen voran Kriminalhauptkommissar Peter Faber (Jörg Hartmann). Aber was ist mit einem wie dem Rostocker "Polizeiruf 110"-Raubein Sascha Bukow (Charly Hübner), würde man den nicht gern noch einmal wiedersehen, wie er irgendwo auf einem Campingplatz in der holsteinischen Schweiz, in Griechenland oder auf Koh Samui ein kaltes Bier zischt und an alte Zeiten denkt?

Genau hier setzt nun der zweite Teil an: Wir sehen Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl), der sich tatsächlich den Traum vom roten Porsche erfüllt hat, jedoch erkennen muss, dass es mit seinen Schrauber-Fähigkeiten nicht allzu weit her ist. Da läuft es für Ivo Batic (Miroslav Nemec) an der kroatischen Adria um einiges runder. Der Ex-Kommissar schmeißt einen Riemen auf der Orgel, George Michael whispert carelessly, die Damen werfen dem Batic eindeutig-zweideutige Blicke zu - und doch nagt in beiden dieser eine ungelöste Fall und das Versprechen, das sie Kara gegeben hatten, nämlich ihr aus dieser Sache herauszuhelfen.

So kommt es, wie es kommen muss: Eines Tages steht Batic beim Leitmayr vor der Tür, beide im Sonnenbrillen-Partnerlook, eine Münchner "Men in Black"-Variante und der Auftakt zum Finale dahoam, jetzt aber so richtig - mit mehr Action, mehr Tempo, mehr Mut zur Improvisation: Batic und Leitmayr, unterwegs auf der dunklen Seite, wie es ein ehemaliger Kollege anmerkt, der den beiden völlig überraschend zu Hilfe eilt, als es wieder einmal brenzlig wird. Wie brenzlig es ganz am Schluss wird, in den allerletzten fünf Minuten, das bleibt bis zur Ausstrahlung ein Geheimnis.

Quelle: ntv.de

TatortARDMünchenKrimiFilm