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Matthew Weiners "The Romanoffs" Was nach der Familientragödie kommt

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Matthew Weiner ist der Macher der Erfolgsserie "Mad Man". Nun erscheint mit "The Romanoffs" sein neues Format.

(Foto: Prime Video / Ellen Hughes)

Einst beherrschten sie Russland, jetzt haben sie nicht mal mehr ihr Leben im Griff. Die Serie "The Romanoffs" erzählt die Geschichten von Adelsnachfahren. Macher Matthew Weiner spricht mit n-tv.de über privilegierte Snobs und gute Böse.

Matthew Weiner tritt ein schweres Erbe an. Sein Erbe. Weiner hat "Mad Men" erfunden - zweifelsohne eine der besten Fernsehserien aller Zeiten. Nun hat er ein neues Format entwickelt. Natürlich ist es ungerecht, jemanden für alle Zeit an seinem größten Erfolg zu messen, zumal wenn der geradezu unerreichbar gut war. Aber aufmerksam hingucken darf man schon.

"The Romanoffs" ist die Geschichte einer weit verzweigten Familie - ehemals russischer Adel, in der Gegenwart von schwindender Bedeutung, dafür von durchaus nennenswertem Geltungsdrang. Inspiriert hat Weiner dazu die echte russische Zarenfamilie Romanow, die sich mit Erzählungen von Zaren-Tochter Anastasia oder dem Wanderprediger Rasputin auch einer gewissen popkulturellen Popularität erfreut. Die Romanows waren Herrscher und wurden schließlich blutig hingerichtet.

Überlebende oder einfach nur Snobs?

"Mich hat die Dynamik dieser Familientragödie interessiert. Vor dem Hintergrund dieses Mythos können die Hinterbliebenen Überlebende sein - oder auch einfach Snobs", erklärt Weiner. "Manche Charaktere werden die Tatsache, dass ihre Familie ermordet wurde, für ihr gesamtes Unglück verantwortlich machen", führt der 53-Jährige aus. "Andere werden vielleicht einfach nur an der Starbucks-Schlange vorbeigehen und sagen: 'Lasst mich durch, ich bin russischer Adel!'"

Weiners "The Romanoffs" spielt auf unterschiedlichen Kontinenten, in allen möglichen Ländern, auf verschiedenen Sprachen und mit einem abwechslungsreichen Cast. Es sind acht Folgen, jede steht für sich allein. Schon allein damit entzieht Weiner sich einem direkten "Mad Men"-Vergleich. Seine neue Serie, die über Amazon Prime Video ausgestrahlt wird, funktioniert wie eine Reihe Fernsehfilme.

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Die erste Folge von "The Romanoffs" spielt in Paris.

(Foto: Prime Video)

Dass die Serie "Black Mirror" so große Erfolge feiern konnte, hat Weiner in seiner Idee bestätigt. "Man muss sich darauf einlassen, dass die Leute nicht alle Episoden gleichermaßen mögen werden", erläutert er. Für ihn sei es gerade reizvoll gewesen, in sich abgeschlossene Geschichten zu erzählen. Heutzutage würden sich ja nicht einmal mehr Kinofilme auf ein Ende festlegen, sagt er. Man könne ja vielleicht ein Franchise daraus machen. "Nicht dass ich das kritisieren möchte", fügt er an. Man kann sich vorstellen, dass die unabhängigen Episoden eine Erleichterung für ihn darstellen. "Beim Fernsehen ist dein einziges Ziel, sicherzustellen, dass die Leute mehr wollen", so Weiner. Und auch wenn das bei "The Romanoffs" sicherlich auch schön für Weiner wäre, er bemüht sich, zu unterstreichen, dass es darauf nicht ankommt.

"Verdrehte Auffassung von Gut und Böse"

"The Romanoffs" beginnt mit einem Märchen, wie Weiner sagt. Die Geschichte spielt in Paris. Es geht um eine Wohnung, um Fürsorge und Erbe und um die Frage, was denn nun dicker ist: Blut oder Wasser? Es ist eine kitschige Geschichte. Vielleicht darf das so sein. Weiner verspricht für die weiteren Folgen Drama, Thriller und Film Noir. Wieso es ausgerechnet in der Stadt der Liebe losgehen musste, weiß Weiner nicht so genau zu sagen. Aber lachend gibt er zu: "Ich schreibe Geschichten für Orte, die ich besuchen möchte!" Offenbar ist das in seinem privaten Umfeld bereits ein Running Gag. Jenji Kohan, die Macherin der erfolgreichen Netflix-Serie "Orange is the New Black", zitiert Weiner wie folgt: "Matt Weiner schreibt sich ein Drehbuch für Paris, ich schreibe mir eins fürs Gefängnis."

Weiners "Mad Men"-Helden waren fragwürdige Typen. Fremdgeher, Trinker, irgendwie gebrochen, aber wahnsinnig cool. Auch seine Romanoffs sind oftmals keine Saubermänner. "Ich fürchte, ich habe eine verdrehte Auffassung davon, wer in einer Geschichte die Guten und wer die Bösen sind", spekuliert Weiner. "Außerdem wollen wir ehrlich sein: Für die Guten interessiert sich doch ohnehin niemand."

"The Romanoffs" ist ab dem 12. Oktober im englischsprachigen Original abrufbar über Amazon Prime Video. Die deutsche Synchronfassung erscheint 2019.

Quelle: ntv.de