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"Die Höhle der Löwen" Wenn der Stängel schlapp macht

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Georg Kofler (Mitte) spricht laut aus, was die Kollegen gerade denken.

Tolle Gründer, tolle Idee, toller Pitch: Alles am Start? Nein, das Wichtigste fehlt noch: das Produkt! Sollte das Aushängeschild des Gesamtpakets nicht ausgereift und topfit an den Start gehen, nützt auch die beste Idee nichts.

Um in der Höhle der Löwen ans große Geld zu kommen, muss alles passen. Die Gründer sollten gut vorbereitet sein und im Idealfall auf jede Frage der Investoren eine Antwort haben. Ein selbstbewusstes Auftreten sowie ein interessant und spannend choreografierter Pitch gehören ebenfalls zum erwarteten Standardprogramm.

Wäscheständer-Ersatz im Kreiselformat

Die meisten Start-Up-Gründer haben diesbezüglich ihre Hausaufgaben gemacht. Nur selten schlagen Frank Thelen, Carsten Maschmeyer und Co in puncto Auftreten und Präsentation die Hände vors Gesicht. Auch diesmal verdient sich der Großteil der angereisten Möchtegern-Durchstarter viel Applaus und die eine oder andere enthusiastische Umarmung. Mit dem Deal-Siegel versehen werden ein platzsparender Wäscheständer-Ersatz im Kreiselformat ("Trockenfix"), "mega, mega, mega, super mega"-leckere Kokosnuss-Chips ("Pook"), Luxus-Kerzen für Schampus-Liebhaber ("Design Bubbles") und lebensrettende Sicherheitstechnik für Sekundenschläfer ("CurveSYS").

Auch ein körpergroßes Balance Board aus Holz animiert die Löwen zu einer spaßigen Mach-mit-machs-nach-machs-besser-Runde. Zwar gehen die beiden "Yogaboard"-Verantwortlichen Patrick und Dominic am Ende ohne Deal nach Hause. Aber Beifall ernten sie dennoch.

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Trinkhalme aus Äpfeln sind ja eigentlich eine gute Idee, so richtig ausgereift ist die Idee von "eatapple" aber noch nicht.

Über begeistert klatschende Hände würden sich auch Konstantin Neumann und seine beiden Düsentrieb-Kollegen Philipp Silbernagel und Danilo Jovicic freuen. Zunächst läuft für das Umwelt-Trio auch noch alles nach Plan. Mit aus Äpfeln hergestellten Trinkhalmen zieht der Erfinder- und Weltverbesserer-Dreier einen Löwen nach dem anderen ins Boot: "Den Plastikhalmen dieser Welt den Kampf ansagen, find ich gut", sagt Frank Thelen.

Die anderen Investoren können sich ebenfalls mit dem Gedanken an eine Zukunft ohne Plastikmüll in Stängelform anfreunden. "Tolle Sache", raunt es aus der Ecke, in der die Herren Maschmeyer und Kofler die Köpfe zusammenstecken. Und auch Ralf Dümmel kann es gar nicht abwarten, an einem der mitgebrachten Probier-Halme zu knabbern. Als es dann endlich so weit ist, markiert jedoch genau dieser Moment den Anfang vom Ende.

"Ich hätt's einfach nicht probieren dürfen"

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Echte Begeisterung sieht wohl anders aus. Den Löwen wird beim Geschmack ganz anders.

Statt mit Stängel in der Schnute beide Daumen nach oben zu recken, verzieht nicht nur Dümmel eine Miene, bei der man denken könnte, man wolle ihn vergiften. Maschmeyer verpasst dem Trinkhalm im Trockenzustand gar das Geschmacksprädikat "katastrophal". Und während Wöhrl noch überlegt, von welcher Seite sie zuerst abbeißen soll, verabschiedet sich der Stängel von Thelen bereits ins Aufgeweicht-und-abgeknickt-Nirwana. Kofler spricht aus, was alle Löwen denken: "Nach fünf Minuten hab ich mir gedacht: Ach, wie toll, das mach ich! Ich hätte es einfach nicht probieren dürfen."

Spätestens jetzt verabschieden sich die drei Umweltfreunde vom letzten Funken Hoffnung. Das Thema Deal ist durch und der Traum von einer Zukunft ohne Plastikhalme vorerst ausgeträumt. Schuld daran sind nicht die emsigen Gründer, die zwei Jahre lang getüftelt und geforscht haben. Auch die Idee an sich lobenswert.

Was das detailverliebt aufgebaute Kartenhaus schlussendlich zum Einstürzen bringt, ist das Produkt. Was lernen wir daraus? Nun, die Speerspitze eines jeden Pitches sollte nicht einfach nur mitgebracht, sondern bereits im Vorfeld in puncto Qualität auf Herz und Nieren überprüft werden. Wird diese Entwicklungshürde einfach übergangen, steht man am Ende mit leeren Händen da. Da nützt dann auch die beste Idee nichts.

Für alle, die die Sendung bei Vox verpasst haben sollten: Am Freitag (12.10.) um 20.15 Uhr wird sie bei n-tv wiederholt.

Quelle: n-tv.de

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