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Der "Freund" der Christiane F. Wie "Detlef" den Bahnhof Zoo hinter sich ließ

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Sie gaben den "Kindern vom Bahnhof Zoo" ein Gesicht: Natja Brunckhorst als Christiane F. und Thomas Haustein als Detlef.

(Foto: imago/United Archives)

Der Kultfilm "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" wird als Serie neu aufgelegt. Im Original mimte Thomas Haustein als "Detlef" den Freund der Christiane F. Doch auch sein Werdegang danach ist faszinierend. Mit ntv.de spricht er über seine Rolle im Film - und im wahren Leben.

ntv.de: Genau 40 Jahre ist es her, dass Sie mit damals 15 Jahren im Film "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" mit Detlef den Freund von Christiane F. gespielt haben. Kommen Ihnen zuerst positive oder negative Gedanken in den Sinn, wenn Sie daran zurückdenken?

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Heute ist Thomas Haustein 55 Jahre alt.

(Foto: privat)

Thomas Haustein: Ich habe erstmal sehr positive Erinnerungen daran. In die Filmwelt einen Einblick zu bekommen, war ja total spannend. Zumal für einen etwa 15-Jährigen, dem das bis dahin völlig fremd gewesen war. Sonst wäre ich doch erst gar nicht hingegangen. Es hat mich ja keiner gezwungen.

Sie waren kein professioneller Schauspieler, sondern wurden auf der Straße für die Rolle angesprochen. Wie lief das ab?

Das lief so ab, dass ich mich schon mit etwa 14 in irgendwelche Berliner Diskos reingeschmuggelt habe. Am Adenauerplatz in Berlin gab es eine Disko namens "Superfly". Dort trat plötzlich eine für mich damals ältere Frau an mich heran und sprach mich an. Ich fragte mich: "Was will die denn jetzt?" (lacht) Sie drückte mir ihre Visitenkarte in die Hand und sagte: "Du kennst doch bestimmt 'Christiane F - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo'. Wir machen da was und suchen noch Leute. Komm doch dann und dann mal vorbei." So ging es los.

Und kannten Sie das Buch tatsächlich?

Ja, ich hatte sogar schon angefangen, es zu lesen. So wie viele damals, als das Buch zum Beispiel auf Klassenreisen rumgereicht wurde. Ich fand das sehr spannend. Auch deshalb bin ich dann wirklich zum Casting gegangen. Da wurde erstmal ein Polaroid-Foto von einem gemacht und an die Wand gepinnt. Beim nächsten Termin bekam man dann mal eine Seite Text. Beim nächsten Mal musste man sich vor einer Videokamera darstellen. So ging es immer weiter - bis ich die Rolle bekam.

Im Film geht es um Drogen, Prostitution und Verwahrlosung. Hatte das in Ihrem Leben als Jugendlicher Thomas zuvor je eine Rolle gespielt?

Na ja, mein Schulranzen sah auch immer ziemlich verwahrlost aus. (lacht) Aber nein, ansonsten hatte ich mit all dem bis dahin nicht viel zu tun. Aber ich erinnere mich zum Beispiel an einen Mehrteiler, der "Die große Flatter" hieß und damals im Fernsehen lief. Er spielte in Siedlungen, in denen sozial schwache Menschen lebten. Auch das hat mich damals schon erreicht.

Als Darsteller in das Milieu abzutauchen, fordert einen aber vielleicht doch mehr, als es sich anzugucken oder darüber zu lesen. Wie haben Sie das während der Dreharbeiten verdaut?

Wirklich gut. Merkwürdigerweise hat es mich nicht weiter bedrückt, das darzustellen oder mich an bestimmten Orten aufzuhalten. Es gab allerdings ein paar Begegnungen, die sich eingeprägt haben. Zum Beispiel mit Obdachlosen, die ja in den 80ern auch schon hinterm Bahnhof Zoo anzutreffen waren. An ihre vom harten Leben auf der Straße und vom Alkohol verformten Gesichter musste ich immer denken. Auch an die aufgedunsenen Gesichter, leeren Augen und geschwollenen Lippen der Drogenabhängigen, die im Film tatsächlich als Statisten gezeigt werden. Das hatte ich in dieser Massivität zuvor nicht wahrgenommen.

Wie erwähnt, war bereits das Buch sehr populär. Vielleicht war deshalb auch der Erfolg des Films absehbar. Aber hatten Sie mit dem Nachhall, den er im Prinzip noch bis heute erfährt, gerechnet?

Nein, überhaupt nicht. Ich war komplett unvorbereitet und habe keinen Gedanken daran verschwendet, wie erfolgreich das vielleicht mal werden würde. Erst bei den Dreharbeiten habe ich zum ersten Mal so eine Ahnung davon bekommen. Dann etwa, wenn sich am Set auf der Straße auf einmal Passanten ballten. Schon der Dreh sorgte ja für Aufmerksamkeit.

Haben Sie das genossen oder war es Ihnen eher unangenehm?

Es war eine zwiespältige Sache. Auf der einen Seite ist es ja schön, solche Beachtung zu erfahren. Auf der anderen Seite bin ich von Natur aus eher der Typ, der nicht unbedingt die Aufmerksamkeit sucht. Ich bin im Leben eher ein Einzelgänger und komme ganz gut damit klar.

Natja Brunckhorst, die seinerzeit die Christiane F. in dem Film verkörperte, hat später ebenfalls mit gemischten Gefühlen auf die Zeit zurückgeblickt. Der plötzliche Ruhm machte ihr dann doch ziemlich zu schaffen ...

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Als Darstellerin der Christiane F. geriet vor allem Natja Brunckhorst ins Rampenlicht.

(Foto: imago/United Archives)

Mir ging das zunächst auch so. Klar, war die Beachtung an sich toll, aber als der Film dann die ersten Wochen in den Kinos lief, war es schon auch sehr belastend. Viele Leute stellten sich plötzlich an meine Seite - heute würden sie wahrscheinlich alle ein Selfie machen. (lacht) Auch vor meiner Haustür waren auf einmal dauernd Leute, die tuschelten und kicherten, wenn ich rauskam. Aber sie hatten alle kein wirkliches Interesse an meiner Person, sondern nur an dem, der da mitgespielt hatte. "Das ist der Detlef", hieß es dann immer - ich war ja nie mehr Thomas. Alles irgendwie verständlich, aber auch nervig.

"Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" ist tatsächlich der einzige Film, in dem Sie je mitgewirkt haben. Haben Sie danach nie überlegt, eine Karriere als Schauspieler anzustreben?

Doch, ich habe schon auch mal zu träumen oder zu fantasieren begonnen. Denn irgendwann merkte ich natürlich, dass mir die ganze Sache auch fehlte. Die Dreharbeiten waren ja für Monate zu einem Stück Lebensalltag geworden. Das war wie eine Familie am Set. Und das war auch schön. Aber letztlich bin ich dann doch einen anderen Weg gegangen.

Sie sind stattdessen Sozialpädagoge geworden und arbeiten heute just als Suchtberater bei der Caritas. Der pure Zufall oder hat das dann doch mit Ihrer Rolle in dem Film zu tun?

Letztlich weiß ich es nicht. Aber ich denke, es ist ein Baustein, der in diesem ganzen Gebilde seinen Platz hat. Das Thema Drogen tauchte für mich ja nicht nur im Film auf, sondern auch in meinem Lebensalltag danach. Da war ich dann selbst Jugendlicher und habe mit allem Möglichen herumexperimentiert. Aber irgendwann im Verlauf habe ich gesehen, wie einige Kumpel schon morgens auf dem Weg zur Lehre mit einer Bierdose in der Hand an der Bushaltestelle standen oder anfingen, Heroin zu konsumieren. Und ich habe gemerkt: "Du musst dich jetzt entscheiden." Ich habe einen natürlichen Selbsterhaltungstrieb entwickelt, der gesagt hat: "Lass das jetzt und konzentriere dich mal auf das, was wichtig ist."

Sie haben also durchaus schon selbst Drogen ausprobiert?

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Die "echte" Christiane F. hat Haustein nie wirklich kennengelernt.

(Foto: imago images / Photo12)

Ja, klar. Das war bei uns auch nichts Ungewöhnliches. Eher im Gegenteil: Ich kann mich eigentlich an keine Leute erinnern, die gar nichts konsumiert hätten, auch wenn es die sicher gegeben hat. Rückblickend würde ich sagen, dass jeder mal gekifft, zu viel getrunken oder beides hat. Kiffen, Alkohol und ab und an ein paar Trips waren eigentlich immer das Wesentliche. Später kamen dann auf den Partys auch immer mehr Leute mit Amphetamin dazu. Koks dagegen war immer zu teuer. Aber alle Drogen, die zum Kontrollverlust führen, wie LSD zum Beispiel, haben mich eher geängstigt. Von Heroin mal ganz zu schweigen - davon hab ich die Finger gelassen.

Ihre heutige Profession an sich ist noch nicht die einzige Koinzidenz, die ins Auge sticht. Tatsächlich arbeiten Sie in Berlins allererster Beratungsstelle für Drogenkranke, die 1972 von der Caritas im Stadtteil Lichterfelde gegründet wurde. Hier soll auch schon die "echte" Christiane F. beraten worden sein …

Ja, dass das wohl so war, wurde an anderer Stelle recherchiert. Ich selbst habe Christiane F. allerdings dort nie gesehen. Und ich wusste davon auch nichts, als ich mich dort auf eine Stelle beworben habe. Ich glaube, sogar die damalige Leiterin der Stelle wusste davon nichts.

Haben Sie Christiane F. ansonsten jemals kennengelernt?

Sagen wir es so: Ich bin ihr einmal begegnet, aber sie nicht mir. Das war bei den Dreharbeiten zu einer Szene vor dem "Sound". In einer Drehpause bildete sich auf einmal eine Traube junger Erwachsener mit Christiane F. in der Mitte. Ich bin mal hingegangen, aber sie war da auch so in ihrem Film, dass wir eigentlich kein richtiges Wort miteinander gewechselt haben. Ich glaube, sie war daran auch gar nicht so interessiert. Und ehe ich mich versah, war sie auch schon wieder weg. Ich habe sie also nie wirklich kennengelernt, hätte das aber durchaus gern.

Auch Natja Brunckhorst haben sie erst vor fünf Jahren nach all der Zeit mal wieder getroffen. Warum ist der Kontakt so lange abgebrochen?

Als meine Szenen abgedreht waren, bin ich wieder zur Schule gegangen. Ich lebte wieder mein normales Leben in meinem Kiez. Bei ihr ging erstmal noch mehr die Post ab, weil sie ja im Rahmen der ganzen PR für den Film zur Verfügung stehen musste. Ich glaube, sie hatte irgendwann so sehr genug davon, dass sie den Kontakt zu den anderen Darstellern nicht unbedingt gesucht hat.

Wie war das Wiedersehen?

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Natja Brunckhorst blieb der Filmbranche treu - und arbeitet heute vor allem hinter der Kamera.

(Foto: imago images/Stephan Wallocha)

Für mich war das eine wunderbare Begegnung. Ich stand in unserer Beratung schon vorn am Eingangstor und habe Ausschau gehalten, weil ich es kaum ausgehalten habe und sie so gern mal wiedersehen wollte. Wir haben dann auch wirklich viele Stunden Zeit miteinander verbracht. Dabei erfuhren wir zum Beispiel, dass wir sogar ein paar Jahre lang fast in Nachbarschaft gelebt hatten, ohne davon zu wissen. Vielleicht sind wir da sogar mal aneinander vorbeigelaufen und haben uns nicht wahrgenommen.

Mit Ihrer heutigen professionellen Sicht auf das Thema Sucht - worin unterscheiden sich die Realität und die Fiktion, die man im Film zu Gesicht bekam?

Der Film ist natürlich nur ein Auszug. Er versucht, eine Geschichte so zu erzählen, dass die Leute dabei etwas empfinden. Aber man kann durchaus Verbindungen zur Realität knüpfen. Nehmen wir das Beispiel Elternhaus. Im Film hat die Mutter viel mit sich selbst zu tun und kriegt über Jahre gar nicht mit, dass ihre Tochter drauf ist und sogar schon intravenös konsumiert. Das ist auch in der Realität so. Wenn Menschen im Stress sind oder eher mit sich zu tun haben, bilden sich ebenfalls solche Blasen, in denen sich junge Erwachsene von zu Hause nicht mehr beachtet oder drangsaliert erleben und ihre eigenen Wege suchen.

Aber es geht ja nicht nur bei Kindern und jungen Erwachsenen um Sucht ...

Nein! Eltern machen es zum Teil natürlich auch vor: "Ich habe Liebeskummer, also trinke ich eine Flasche Whisky." Wie reagiere ich in bestimmten Lebensphasen? Wie gehe ich mit Wut, Trauer, Emotionen um? Das überträgt sich ja im Rahmen der Entwicklung von den Eltern auf die Kinder. Heutzutage ist das Augenmerk auf die Kinder aber größer als früher. Wenn wir früher einen drogenabhängigen Klienten mit zwei Kindern im Gespräch hatten, wäre das eher so durchgerutscht. Heute würde man der Sache nachgehen. Zugleich muss man den Menschen aber auch die Angst nehmen. Es geht darum, das Kind bewusst ins Licht zu setzen. Es geht nicht darum, dass ihnen das Kind weggenommen wird.

Ist Heroin, das im Falle von Christiane F. die bestimmende Droge war, heute noch das vorherrschende Thema?

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Bei Christiane F. drehte sich alles um Heroin - heute wie damals eher die Ausnahme.

(Foto: imago images/Mary Evans)

In dem Film ist es natürlich die bestimmende Droge. Aber eigentlich machten die Heroin-Abhängigen schon immer fast den kleinsten Prozentsatz der Suchtmittel-Abhängigen aus. Der Unterschied zu damals ist, dass es heute eine größere Bandbreite an Drogen auf dem Markt gibt - von allen möglichen Designerdrogen bis hin zu synthetischen Cannabinoiden.

Wie können Sie Abhängigen eigentlich mit Ihrer Arbeit helfen?

Das orientiert sich natürlich ein Stück weit daran, mit was für einem Auftrag der Klient zu uns kommt. Es gibt Leute, die kennen sich in der Suchthilfe schon aus und wissen ganz genau, was sie eigentlich wollen. Und es gibt Leute, die waren noch nie da. Je nachdem geht man natürlich ganz verschieden damit um. Bei einigen geht es vielleicht nur darum, sie erstmal nicht gleich wieder zu vergraulen, indem man ihnen einen Fünf-Punkte-Plan vorlegt: "Jetzt machen wir das, das und das und dann sind Sie geheilt. Alles gut. Die Welt ist schön." Manchmal geht es nur darum, überhaupt mal ins Gespräch zu kommen, damit so etwas wie Vertrauen entsteht.

Welche Rolle spielen neben den illegalen die legalen Drogen wie Alkohol in Ihrer Arbeit?

Eine große. Wir arbeiten nicht nur mit Suchtmittelabhängigen im illegalen Substanzbereich, in dem das Betäubungsmittelgesetz Bedeutung hat. Wir sind ansprechbar für alle, die sich in irgendeiner Weise mit ihrem Konsum auseinandersetzen wollen, was auch immer das ist.

Werden die legalen Drogen noch immer unterschätzt?

Ich würde gar nicht davon sprechen, dass sie unterschätzt werden. Sie sind eben nur legal. Bei den Alkoholkonsumenten reicht das Spektrum von Alkoholmissbrauch bis hin zu Alkoholsucht und -abhängigkeit. Ihr Anteil ist viel, viel größer als beispielsweise der der Heroinabhängigen. Verstärkt kommen die ganzen Mischkonsumenten hinzu. Da wird konsumiert, was eben gerade zur Verfügung steht. Wenn es kein Gras gibt, holt man sich halt eine Flasche Wein. Alkohol war schon immer ein Problem - und letztlich das Problem überhaupt. Für mich ist es die gefährlichste Droge.

Die Vermutung liegt nahe, dass die Themen Drogen und Sucht gerade in der Corona-Krise eine noch gewichtigere Rolle spielen als sonst. Können Sie das bestätigen?

Aber komplett. Wir haben das schon beim ersten Lockdown gemerkt. Ein Standard, den wir anbieten, sind zum Beispiel Kleingruppen, die den Menschen eine Selbsterfahrung bieten sollen, um sich überhaupt mal in so einem Gruppenprozess zu erleben. Die waren echt beliebt und gut besucht, brachen aber erst einmal weg. Ersatz-Angebote wie Online-Gruppen ließen sich aber auch nicht von heute auf morgen umsetzen. Die vollen Auswirkungen werden aber erst ersichtlich, je länger die Pandemie dauert.

Und zwar?

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Seine Rolle im Film betrachtet Haustein heute als Baustein in "diesem ganzen Gebilde" seines Lebens.

(Foto: imago images/Everett Collection)

Verelendung und psychische Belastungen, die eh schon da waren, aber jetzt für die Betroffenen noch schwerer zu bewältigen sind. Wir haben ja zum Teil mit schwerstkranken Menschen zu tun! Manche sind obdachlos und haben keine Papiere. Wie die unterwegs sind, kann man sich ja ausmalen. Ich befürchte, da wird noch einiges auf uns zukommen.

Inzwischen ist der Umgang mit sogenannten weichen Drogen wie Haschisch oder Marihuana in unserer Gesellschaft zwar etwas lockerer geworden als noch vor 40 Jahren. Insgesamt ist die Drogenpolitik aber noch immer eher repressiv. Finden Sie das grundsätzlich richtig?

Das zielt ja auf die Frage der Legalisierung. Wenn ich so meine Klienten sehe, die mit irgendwelchen abgedrehten Psychosen zig Jahre ihres Lebens in Beratungsstellen und Fantasiewelten verbringen, habe ich da auch meine Schwierigkeiten. Aber an sich bin ich der Meinung, dass Repression absolut unnütz ist. Okay, in der Therapie mag es vielleicht eine wichtige Sache sein, auch Grenzen zu setzen. Aber ansonsten werden dadurch nur alle möglichen Bereiche von der Polizei bis zur Justiz belastet. Es ist der immer gleiche Versuch, etwas ungeschehen zu machen, was ohnehin geschieht - seit Jahrzehnten. Zugleich habe ich nicht viel Hoffnung, dass sich daran in der nächsten Zeit etwas ändert, weil es politisch einfach nicht opportun ist.

Ein Film wie "Die Kinder vom Bahnhof Zoo" hat viele Zuschauer seinerzeit erschreckt. Kritiker wandten zugleich ein, dass er auch den gegenteiligen Effekt haben und eine Faszination für das Milieu ausstrahlen könnte ...

Das sehe ich in dieser Stärke nicht. Das ist ja kein poppiger Film auf Kuschelkurs mit Drogen. Wenn ich ihn sehe, zieht er mich runter, weil die Suchtentwicklung dann doch irgendwann bedrückend wirkt. Aber natürlich hat alles das Potenzial, als Identifikationsmuster zu dienen. Ich meine, mit wem habe ich mich als Jugendlicher nicht alles identifiziert? Au weia!

Sie haben einen mittlerweile erwachsenen Sohn. Was sagt er, wenn er den Film sieht?

Er hat ihn mal gesehen, als er noch relativ jung war. Er war schockiert und mochte ihn nicht, aber in erster Linie, weil er seinen Papa so nicht sehen wollte. Als Jugendlicher hat er dann auch irgendwann zu kiffen angefangen. Als ich das mitgekriegt habe, habe ich genau die Ängste durchlebt, die alle Angehörigen wahrscheinlich durchleben.

Für Amazon Prime wurde die Geschichte von Christiane F. nun als Serie neu verfilmt. Eine gute Idee?

Ich habe sie noch nicht gesehen und kann deshalb noch kein Urteil darüber fällen. Aber ich freue mich darauf und bin gespannt. Ich bin sehr neugierig, worauf das Autorenteam den Schwerpunkt legt und welche Botschaften es gibt. Als Serie bietet sich ja vielleicht die Chance, bestimmte Aspekte hervorzuheben, die in einem Kinofilm nicht alle berücksichtigt werden können.

Wurden Sie beratend in das Projekt einbezogen?

Beratend wäre zu viel gesagt. Aber ich wurde vor zwei Jahren tatsächlich mal in die Autorenrunde eingeladen. Als Link zwischen Film und Suchtberatung im realen Leben war meine Sicht auf bestimmte Dinge dann für sie schon interessant. Das war aber nur ein zweistündiges Gespräch. Doch immerhin haben sie sich darüber einen Kopf gemacht.

Gäbe es denn einen Rat, den Sie den Machern geben würden?

Mehr zum Thema

Die Geschichte von Christiane F. berührt ja auch die Geschichte ihrer Freunde. So könnte man die Hintergründe, die auf junge Leute einwirken können, mal ausführlicher darstellen. Es muss ja nicht immer ein zerrüttetes Elternhaus wie bei Christiane sein. Bei ihrer Freundin waren es vielleicht ganz andere Gründe. Es können vielschichtige Faktoren sein, die mit Suchtverhalten beantwortet werden. Und das Thema zieht sich durch alle gesellschaftlichen Schichten. Das könnte man in der Serie vielleicht berücksichtigen.

Mit Thomas Haustein sprach Volker Probst

Die Serie "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" ist ab Freitag bei Amazon Prime abrufbar.

Quelle: ntv.de