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Lindholm-"Tatort" in der Provinz Zickenkrieg der Alpha-Ermittlerinnen

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Kolleginnen wider Willen: Anaïs Schmitz (Florence Kasumba, l.) und Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler).

(Foto: NDR/Christine Schroeder)

Viel Blut in einer abbruchreifen Sporthalle, eine Plazenta im Klo und weit und breit keine Spur von Mutter und Kind. Die Göttinger Polizei hat eigentlich alle Hände voll zu tun - ein interner Zickenkrieg ist den Ermittlerinnen aber wichtiger.

Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) hats versaut: In ihrem letzten Fall trieb die LKA-Ermittlerin einen Unschuldigen in den Selbstmord, jetzt muss die toughe Kriminalistin in Göttingen versauern. Lindholm hält von ihrer Versetzung in die niedersächsische Universitätsstadt herzlich wenig und zeigt das ihren neuen Kollegen deutlich. Besonders feinfühlig war die Ermittlerin ja noch nie, in Göttingen nun bekommt Lindholm kräftigen Gegenwind in Gestalt ihrer neuen Partnerin.

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Unbemerkt schwanger: Julia Petkow (Lilly Barshy)

(Foto: NDR/Christine Schroeder)

Anaïs Schmitz (Florence Kasumba) ist die erste schwarze "Tatort"-Ermittlerin, was schön ist: Mehr Diversität kann dem Spiegel der bundesrepublikanischen Seele schließlich nicht schaden. Nicht so schön ist dafür die Charakterzeichnung der neuen Kommissarin: Schmitz hat einen anstrengenden Geltungsdrang und ein massives Aggressionsproblem - gleich zwei Mal rutscht der Kommissarin im Film die Hand aus, auch Kollegin Lindholm bekommt eine Backpfeife.

Klar, Regisseurin Franziska Buch möchte zeigen, was passiert, wenn zwei Alpha-Ermittlerinnen in einer kleinen Stadt aufeinandertreffen. Aber das Territorialverhalten von Schmitz und Lindholm ist schon nach kurzer Zeit einfach nur anstrengend - die ehemalige LKA-Ermittlerin hält nämlich kräftig dagegen. Vor lauter Zickenkrieg gerät fast in Vergessenheit, dass die beiden Kriminalpolizistinnen auch noch einen Fall zu lösen haben.

Lebt das Kind noch?

Dabei ist der eigentlich recht spannend angelegt: Die 15-jährige Julija (Lilly Barshy) ist schwanger, hat das aber bis kurz vor der Entbindung erfolgreich verdrängt. In ihrer Verzweiflung flüchtet sie in eine abbruchreife Sporthalle, wo sie später von ihrem Halbbruder Nino (Emilio Sakraya) gefunden wird - auf dem Boden jede Menge Blut, von einem Baby allerdings keine Spur. Lebt das Kind noch? Wo ist es? Und warum scheut Julija den Kontakt mit den Behörden?

Leider gehen all diese Fragen im Kleinkrieg der beiden Ermittlerinnen verschütt: Kasumba und Furtwängler spielen ihre Rollen so übertrieben, dass man als Zuschauer zwangsläufig selbst irgendwann aggressiv wird. Bleibt zu hoffen, dass die beiden Kommissarinnen ihre Anger-Management-Probleme bis zum nächsten Mal in den Griff bekommen - schließlich sieht alles danach aus, als ob Lindholm fürs Erste in der niedersächsischen Provinz kleben bleibt.

Quelle: n-tv.de

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