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Deutschland geht eigenen Weg "Bildung als Standortvorteil nutzen"

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Ein Teil online, ein Teil in Präsenzveranstaltungen. Neudeutsch nennt man das "Blended Learning".

(Foto: picture alliance/dpa)

Weltweit kämpfen renommierte Businesschools ums Überleben. Die Einreise in die USA ist zurzeit kaum möglich. Deutschland dagegen öffnet seine Türen für Studierende. "Wir können zeigen, dass unser Land Weltklasse-Institutionen hat", sagt der Präsident der ESMT Berlin, Jörg Rocholl.

Seit Mitte September lernen wieder Studenten aus rund 40 Nationen mitten im Herzen von Berlin, an der European School of Management and Technology (ESMT), die gegenüber dem neuen Schloss im ehemaligen Staatsratsgebäude der DDR sitzt. "Es ist wunderbar, dass Deutschland seine Türen geöffnet hat, für Studierende aus aller Welt", sagt Jörg Rocholl, seit 2011 Präsident der ESMT im Podcast "Die Stunde Null" (hier direkt reinhören).

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Jörg Rocholl ist seit 2011 Präsident der ESMT Berlin.

(Foto: ESMT Berlin)

Die renommierte Businessschool, die mit ihren Weiterbildungsprogrammen zu den Top 10 in Europa zählt, bezeichnet die neuen Kurse als "Blended Learning": 80 Prozent findet Online statt, 20 Prozent sind Präsenzveranstaltungen. "In den Klassenräumen kann derzeit nur die Hälfte der Studenten sitzen", berichtet Rocholl. Die andere Hälfte sei im Wechsel zu Hause. In den Klassenräumen habe man sogar für die Professoren Bereiche markiert, "wie eine Coachingzone beim Fußball".

Die Krise habe "die Kapazitäten in den Keller" gebracht, sagt Rocholl - wie an allen Businessschools weltweit. Diese kämpfen um ihre Studiengänge und Weiterbildungsprogramme, denn sie leben von der Internationalität - und von den Gebühren, die oft von Unternehmen finanziert werden. In vielen Ländern wie den USA mit bekannten Universitäten und Businessschools ist eine Einreise derzeit nicht oder nur schwer möglich. "Der Wille des Einzelnen sich weiterzubilden, der Wille der Unternehmen, ihre Führungskräfte weiterzubilden, ist aber ungebrochen da", sagte Rocholl.

In enger Absprache mit dem Auswärtigen Amt und der Europäischen Union geht Deutschland einen eigenen Weg. "Wir können das möglicherweise als Standortvorteil nutzen", sagte Rocholl. "Es gibt führende Universitäten wie Oxford oder Cambridge, die den Präsenzbetrieb für das ganze Jahr abgesagt haben. Studierende aber wollen zumindest in Teilen Präsenz haben. In dieser Krise können wir zeigen, dass auch unser Land Weltklasse-Institutionen hat."

Die ESMT Berlin wurde im Jahr 2002 gegründet, jährlich nehmen rund 3500 Führungskräfte und Manager an den Weiterbildungsprogrammen teil. Die Businessschool bietet verschiedene Programme für MBA (Master of Business Administration), aber auch maßgeschneiderte Weiterbildung an. Die Studierenden und Alumni kommen aus über 70 Ländern.

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  • Warum es im Unterricht an der ESMT jetzt auch „Gelbe Karten" gibt
  • Wie die Corona-Krise Teil des Lehrplans wurde
  • Welche Themen die Studierenden aus aller Welt beschäftigen

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Quelle: ntv.de, ddi