Technik

Express zur Venus Direkt in die Hölle

Die erste europäische Mission zur Erforschung der Venus ist erfolgreich gestartet. Die Raumsonde "Venus Express" der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA) trat am Mittwoch vom russischen Raumfahrtbahnhof Baikonur in Kasachstan ihre Reise zum Nachbarplaneten der Erde an. Zwei Stunden später meldete das ESA-Satellitenkontrollzentrum in Darmstadt, die Sonde habe sich planmäßig von ihrer Trägerrakete getrennt, und alle Bordsysteme funktionierten einwandfrei. An der Venus-Sonde sind 25 Unternehmen aus 14 europäischen Ländern beteiligt, darunter auch mehrere deutsche.

"Venus Express" soll den heißesten Planeten des Sonnensystems im April 2006 erreichen und mindestens 500 Tage lang Atmosphäre und Oberfläche des heißesten Planeten im Sonnensystem erforschen. Mit Hilfe von sieben wissenschaftlichen Instrumenten soll die 1,2 Tonnen schwere Sonde dazu aus ihrer Umlaufbahn zwischen 250 und 66.000 Kilometern Höhe umfangreiche Daten unter anderem über Temperatur, Zusammensetzung und Dichte der Atmosphäre sammeln. Außerdem erhoffen sich Wissenschaftler von ihren Daten Erkenntnisse etwa über die Zusammensetzung der Planetenoberfläche.

Auf ihrer Erkundungstour soll die Venussonde unter anderem der Frage nachgehen, wie es dort zu dem extremen Treibhausklima mit Temperaturen bis weit über 400 Grad Celsius kam und ob sich daraus Rückschlüsse auf das irdische Klima ziehen lassen. Grundsätzlich fragen sich die Wissenschaftler, warum die im Vergleich zur Erde fast gleich große und schwere Venus sich so unterschiedlich entwickelt hat. "Wir haben große Erwartungen", sagte ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain. Um die Entwicklung des Klimas auf der Erde zu verstehen, gelte es, die allgemeinen Mechanismen von Planetenatmosphären zu entschlüsseln. Die Venus sei in dieser Hinsicht von besonderem Interesse, weil sie einmal große Ähnlichkeit mit der Erde aufgewiesen habe. "Wir müssen verstehen, warum und wie sie sich ab einem bestimmten Punkt so unterschiedlich entwickeln konnten, dass der eine Planet die Wiege des Lebens wurde, während sich der andere in eine wahre Hölle verwandelte."

Für die 220 Millionen Euro teure Mission griff die ESA auf zahlreiche Technologien und Instrumente zurück, die sie bereits für den Kometenjäger "Rosetta" sowie für "Mars Express", ihre erste Mission zu einem anderen Planeten, entwickelt hatte. Der "Mars Express" liefert seit Weihnachten 2003 immer wieder spektakuläre Bilder vom roten Planeten. Ursprünglich hatte "Venus Express" schon vor zwei Wochen starten sollen. Wegen einer Verunreinigung der Trägerrakete war der Termin jedoch verschoben worden.

Quelle: ntv.de

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