Technik

iPhone hat mehr drauf Google-Handy kein Knüller

Nächste Woche startet T-Mobile in den USA den Verkauf des ersten Google-Handys. Amerikanische Journalisten haben sich das "Android" bereits genauer angesehen. Ihr Urteil: Gute Software, mäßige Hardware, meldet presse.com.

"Ich glaube nicht, dass sich die Leute in langen Schlangen für dieses Gerät anstellen werden", sagte Rajeev Chand, Analyst von Rutberg & Company bei der offiziellen Vorstellung des Handys Ende September. Und auch sein Kollege Shiv Bakhshi vom Marktforschungsunternehmen IDC zweifelte daran, dass Google einen ähnlich "großen Tamtam" veranstalten könne, wie es Apple um das iPhone gelungen sei. Dennoch waren sich nach der Präsentation des neuen T-Mobile-Smartphones die meisten Beobachter darin einig, dass mit dem ersten Handy mit dem Google-Betriebssystem Android ein grundlegender Veränderungsprozess im Mobilfunkmarkt gestartet wurde.

David Pogue von der "New York Times" und Joshua Topolsky von Engadget haben das HTC-Smartphone bereits auf Herz und Nieren getestet. Und ihre Kommentare klingen nicht ganz nach "grundlegender Veränderung". Das G1 sei nicht eigentlich ein "Google-Handy". Es ist ein HTC-Handy und würde Windows Mobile darauf laufen, wäre es kein besonderes Gerät, urteilt David Pogue über die Hardware. "Außerdem ist es dicker und schwerer als das iPhone und hinkt auch beim Design hinterher", sagt er. Der Engadget-Experte drückt sich etwas höflicher aus: "Das Gerät hat einen gewissen Retro-Zukunfts-Look; wie ein Gadget aus dem Jahr 2038 in einem 1970er Science-Fiction-Film", schreibt Topolsky.

Hardware von gestern

Tatsächlich hat die Welt schon bessere Hardware gesehen. Der 3,2 Zoll Touch-Screen reagiert laut Topolsky zwar bereits auf feinste Berührungen. Die Tastatur findet er aber - wie sein Kollege von der Times - eher bescheiden: Die Tasten seien zu flach und trotz Touchscreen gebe es keine virtuelle Tastatur, um etwa schnell ein kurzes SMS zu schreiben.

Die Kamera ist mit 3,2 Megapixel eher durchschnittlich und für ein aktuelles Telefon eigentlich inakzeptabel. Pogue kritisiert, dass dem Google-Handy eine Video-Funktion fehlt. Angesichts der zu erwartend guten Integration von Googles Videoplattform YouTube tatsächlich ein mehr als berechtigter Kritikpunkt.

Software hat Zukunft

Wesentlich zeitgemäßer ist die Software, die aber weniger nach Eigenentwicklung aussieht als nach gut gemachter Kopie. Sie lässt sich ähnlich einfach bedienen wie am iPhone. Der Startscreen ähnelt einem Desktop und kann individuell mit Widgets bestückt werden. Durch einen Fingerwink, kann die Startseite "weitergeblättert" werden um Platz für weitere Widgets zu haben - ganz wie beim Apple-Pendant.

Laut presse.com fand Topolsky vor allem die automatische Synchronisation gut - vorausgesetzt man habe einen Google-Account. Zu Beginn gebe man einfach Nutzernamen und Kennwort ein und das Gerät lade im Hintergrund in wenigen Minuten Mails, Kalender und Kontakte. Für Nutzer anderer E-Mail-Accounts hat Android nur eine mäßig gute Lösung parat - ein eigner Client, der nicht einmal Anlagen betrachten lässt. Außerdem kritisiert Topolsky die Kontakte-Synchronisation: Gmail habe die Angewohnheit auch automatisch häufig gebrauchte Kontakte zu speichern. Dadurch werde das Adressbuch mit zahlreiche E-Mail-Adressen von Mailinglisten oder gar Spammern gefüllt und schnell unübersichtlich.

Das junge Publikum wird wohl kaum vom T-Mobile-Handy eingefangen werden. Denn etwas Gleichwertiges wie Apples Musik-Allrounder iTunes am iPhone könne Android nicht bieten, schreibt Pogue von der New York Times. Denn im Gegensatz zu iTunes habe die G1-Software keinen direkten Zugang zu einem Online-Musikshop. Zwar sei T-Mobile eine Kooperation mit Amazon für Musikdownloads am G1 eingegangen - der Amazon-Shop funktioniere laut Pogue jedoch nur in WLAN-Hotspots. Auch für Videos sei Android erstaunlich schlecht gerüstet. Ein Player müsse erst umständlich aus dem Android Market geladen werden.

Quelle: n-tv.de