Panorama

Analyse der Pandemie-Strategie Britische Forscher loben deutsche Reaktion

136102935.jpg

Die Bundesregierung hat sich frühzeitig mit Virus-Experten abgestimmt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Taiwan und überraschend auch Bulgarien haben die Frühphase der Corona-Pandemie besser als andere Demokratien gemeistert - zu diesem Ergebnis kommen britische Forscher in einer Untersuchung der politischen Reaktion auf den Virus-Ausbruch. Auch Deutschland habe seine Stärken ausgespielt.

Ein wichtiges Element für einen erfolgreichen Kampf gegen die Corona-Pandemie ist ein koordiniertes Vorgehen von Regierungen und Gesundheitsbehörden. In den Ländern, in denen Regierungen und Behörden auf regionaler und nationaler Ebene gut zusammengearbeitet hätten, um Ausbrüche einzudämmen, sei die Bekämpfung am effektivsten gewesen, schreiben Forscher der Kingston University in London in einer Studie. Sie haben für ihre Analyse den politischen Einfluss auf die Corona-Krise in acht demokratischen Ländern miteinander verglichen.

Deutschland schnitt in der Untersuchung positiv ab. Die Politik habe früh reagiert und auf verschiedenen Ebenen mit unterschiedlichen Experten zusammengearbeitet, schreiben die britischen Forscher. In der Folge sei die Zahl der Todesfälle - wenngleich sie in den Tausenden liege - deutlich kleiner als etwa in Großbritannien.

Für ihre Studie haben die Wissenschaftler analysiert, wie die Regierungen in Deutschland, Großbritannien, den USA, Japan, Taiwan, Israel, Bulgarien und Rumänien in der Frühphase auf den Ausbruch der Corona-Pandemie reagiert haben. Zu den Untersuchungsschwerpunkten gehörten Fragen wie: Welche politischen Entscheidungen wurden getroffen oder nicht getroffen? Wie haben diese Entscheidungen den weiteren Verlauf der Pandemie beeinflusst?

Taiwan und Bulgarien als Vorbild

Länder wie Taiwan, das durch das Sars-Virus 2002 bereits Erfahrungen mit Epidemien hatte, hätten durch gezielte Maßnahmen recht erfolgreich reagiert, lautet ein weiteres Ergebnis der Analyse. Auch Bulgarien sei besser auf das Virus vorbereitet gewesen als andere Länder, weil dort in den vergangenen Jahren bereits bei Grippeausbrüchen zeitweise Schulen geschlossen wurden.

Die Bundesrepublik habe von ihrem robusten Gesundheitssystem und einem frühen Einschreiten profitiert. So seien etwa rechtzeitig Tests entwickelt und gelagert worden. "Als die ersten Ausbrüche auftraten, waren die Regierung und die Gesundheitsbehörden direkt in der Lage, Tests durchzuführen", sagte der Politologe und Projektleiter Peter Finn über Deutschland. "Regierungschefs wie Angela Merkel scheinen die Situation viel früher verstanden zu haben."

Für die beginnende zweite Welle riet Finn Entscheidungsträgern daher, sich gut abzustimmen und klar zu kommunizieren: "Ohne koordinierte Reaktionen von Entscheidern auf verschiedenen Ebenen und einer Öffentlichkeit, die zuhört, wachsen die Fallzahlen exponentiell."

Quelle: ntv.de, chr/dpa