Panorama

Sie beginnt zu wirken Corona-Warn-App kurz vor Meilenstein

Corona Warn App.jpg

Die Corona-Warn-App respektiert den Datenschutz, ist sicher und kann eine wertvolle Hilfe in der Bekämpfung der Corona-Pandemie sein.

(Foto: kwe)

Die Corona-Warn-App wird viel besser angenommen als Skeptiker befürchtet hatten. Seit ihrem Start am Dienstag haben die Anwendung bereits fast zehn Millionen Nutzer heruntergeladen. Wenn die Downloads weiter wie bisher steigen, erreicht sie vielleicht schon am Wochenende einen wichtigen Meilenstein.

Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) haben seit ihrer Veröffentlichung am 16. Juni inzwischen schon 9,6 Millionen Nutzer die Corona-Warn-App auf ihr iPhone oder Android-Smartphone heruntergeladen (Stand: 19. Juni). Einen Tag vorher waren es noch 7,9 Millionen. Die Entwicklung ist rasant und zeigt, dass die Anwendung in der Bevölkerung auf eine größere Akzeptanz stößt, als nach einer holprigen Anfangsphase mit vielen Querelen und Diskussionen vielleicht zu befürchten war. Schließlich erfüllt sie jetzt quasi alle Anforderungen an Sicherheit und Datenschutz. Verbesserungen sollen kontinuierlich folgen, beispielsweise zusätzliche Sprachen oder eine einfachere Hotline.

Spürbare Wirkung ab 15 Prozent

Die steigenden Zahlen deuten darauf hin, dass die App bereits am Wochenende um die zwölf Millionen Downloads erreichen könnte. Das würde bedeuten, dass sie einen wichtigen Meilenstein erreicht. Denn Wissenschaftler der Universität Oxford haben ermittelt, dass ungefähr 15 Prozent der Bevölkerung eine Warn-App installiert haben müssen, um eine spürbare Wirkung in der Eindämmung der Pandemie zu erzielen.

Der angeblich erforderliche Anteil von 60 Prozent, der vorher oft von Skeptikern angeführt wurde, stammt aus der im April veröffentlichten Studie der Oxford-Forscher. Doch wie Mitverfasserin Lucie Abeler-Dörner der "Süddeutschen Zeitung" erklärte, bezog sich dieser Wert damals auf eine Situation, in der eine Tracing-App die einzige Maßnahme war, um das Virus zu bekämpfen. "Jetzt ist die Situation in Europa eine andere", sagt sie. "Der Lockdown hat die Fallzahlen stark reduziert, wir halten Abstand soweit irgend möglich, es gibt traditionelles Contact-Tracing."

Die App funktioniere zwar am besten, wenn sie viele Menschen nutzten. "Unsere Simulationen zeigen jedoch, dass die App anfängt zu wirken, sobald 15 Prozent der Bevölkerung mitmachen. Dann können Infektionsketten unterbrochen und Ansteckungen verhindert werden." Ein bis zwei Personen, die die App nutzten, verhinderten im Modell bereits eine Neuansteckung. Die Anwendung sei zwar zu spät für die erste Welle gekommen, aber sie könne helfen, eine zweite zu verhindern.

Zweite Welle verhindern

Das sehen auch Experten wie Virologe Christian Drosten so. Er sagte zur Corona-Warn-App, sie komme jetzt genau zur rechten Zeit. Jetzt, "während wir so allerhand allgemeine Maßnahmen lockern und viele Dinge erlauben können", sei es besonders wichtig, Infektionsketten gut nachverfolgen zu können, erklärt er. Je besser das Tracing funktioniere, desto länger könne man die Lockerungen durchhalten, "auch zum Herbst und Winter hin." Und da sei so eine Tracing-App "natürlich ein entscheidend wichtiges Werkzeug." Bei der Identifizierung von möglichen Kontakten einer infizierten Person komme es auf die Geschwindigkeit an. "Und wenn da erst die Telefon-Ketten losgehen müssen, dann verliert man die wichtigste Zeit."

Die Zahlen der Neuinfektionen mögen in Deutschland zwar aktuell insgesamt sehr niedrig sein. Es geht aber nach wie vor eine große Gefahr von sogenannten Clustern aus, also Ausbrüchen, wie man sie gerade in Berlin-Neukölln und Göttingen in Gebäudekomplexen oder in Schlachthöfen wie dem von Tönnies in Rheda-Wiedenbrück sieht. Dort suchen Mitarbeiter des Gesundheitsamtes derzeit fieberhaft nach dem Ursprung. Möglicherweise handelt es sich dabei jeweils um eine einzelne Person, einem sogenannten Superspreader. In solchen Situationen wäre eine breite Verteilung der Corona-Warn-App Gold wert. Hier kann man die iPhone-App, hier die Android-App herunterladen.

Quelle: ntv.de