Panorama

Großbritannien steht auch drauf Die Risikogebietsliste wird immer länger

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Reisen in Risikogebiete sind nicht verboten. Bei Rückkehr muss man aber entweder für 14 Tage in Quarantäne oder einen negativen Corona-Test vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden ist.

(Foto: dpa)

Reiseplanungen sind derzeit eher mit Nervenkitzel als mit Vorfreude verbunden: Niemand kann sagen, ob eine Region nicht ein paar Tage später schon zum Risikogebiet erklärt wird. Inzwischen gilt die deutsche Corona-Reisewarnung für den größten Teil Europas.

Die Bundesregierung hat die Nachbarländer Polen und Schweiz, fast ganz Österreich und große Teile Italiens ab kommenden Samstag als Corona-Risikogebiete eingestuft. Das gilt auch für Großbritannien bis auf die Kanalinseln und Überseegebiete, ganz Irland und Liechtenstein sowie einzelne Regionen in sechs weiteren EU-Ländern. Mit den Kanarischen Inseln wurde dagegen am Donnerstag eins der beliebtesten Winterreiseziele der Deutschen von der Risikoliste des Robert Koch-Instituts gestrichen. Dänemark verfügte unterdessen einen Einreisestopp für deutsche Urlauber.

Die Einstufung als Risikogebiet und die damit automatisch verbundenen Reisewarnungen des Auswärtigen Amts bedeuten zwar kein Reiseverbot, sollen aber eine möglichst große abschreckende Wirkung auf Touristen haben. Das Gute für Urlauber: Sie können bereits gebuchte Reisen stornieren, wenn ihr Ziel zum Risikogebiet erklärt wird. Das Schlechte: Rückkehrer aus den Risikogebieten müssen derzeit noch für 14 Tage in Quarantäne, können sich aber durch einen negativen Test davon vorzeitig befreien lassen.

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Dänemark schließt deutsche Urlauber aus

Mit den neuen Entscheidungen der Bundesregierung kommen alle Grenzgebiete zu Deutschland außer die in Dänemark auf die Risikoliste. In dem nördlichen Nachbarland gilt nur für die Region um die Hauptstadt Kopenhagen eine deutsche Reisewarnung. Urlaub im Norden fällt dennoch flach: Wegen der in Deutschland gestiegenen Infektionszahlen lassen die dänischen Behörden keine deutschen Touristen mehr ins Land. Ohne triftigen Grund darf man dort nicht mehr einreisen. Für Einwohner Schleswig-Holsteins sollen Ausnahmen gelten.

Die Neuinfektionen in Dänemark liegen nach der Statistik der Europäischen Gesundheitsagentur ECDC gemessen an der Bevölkerungszahl knapp über denen in Deutschland, wo die Corona-Lage noch weniger schlimm ist als in den meisten der anderen 26 EU-Ländern: 21 davon verzeichnen höhere Infektionszahlen als Deutschland.

Lage verändert sich rasant

In Österreich ist nur noch das südliche Bundesland Kärnten von der deutschen Reisewarnung ausgenommen. Außerdem gilt für zwei kleine Exklaven an der Grenze zu Deutschland eine Ausnahmeregelung. In Polen hatte es lange Zeit gar keine Risikogebiete gegeben, dann sind die Zahlen dort explodiert. Am Donnerstag wurde eine Rekordzahl von 12.017 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden gemeldet - mehr als in Deutschland bei weniger als halb so vielen Einwohnern.

Auch Italien landete wie Polen erst in der vergangenen Woche mit den ersten Gebieten auf der Risikoliste. Ab Samstag gilt für die meisten Touristenziele dort eine Reisewarnung. Hinzugekommen sind jetzt unter anderem Rom, Mailand, Venedig, Südtirol, die Toskana und Sardinien. Deutsche Urlauber, die dort in den Herbstferien sind, müssen nun bei Rückkehr in Quarantäne oder sich "freitesten" lassen - es sei denn, sie fahren oder fliegen noch vor Samstag nach Hause.

In sechs Ländern wurden nun einzelne Regionen zu Risikogebieten erklärt. Das gilt für Bulgarien, Estland, Kroatien, Schweden, Slowenien und Ungarn. Die Einstufung als Risikogebiet erfolgt, wenn ein Land oder eine Region den Grenzwert von 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen überschreiten. Inzwischen betrifft das mehr als 130 Länder ganz, und mehr als ein Dutzend weitere teilweise. Für etwa 50 Länder wird unabhängig von der Infektionslage von Reisen abgeraten. Der Grund: Dort gelten noch Einreisebeschränkungen, Quarantäneregeln oder eine Ausreisesperre in die EU.

Kanaren sind wieder eine Option

Spanien zählte zu den Ländern, die von der zweiten Corona-Welle zuerst und besonders hart getroffen wurden. Jetzt gibt es dort, fernab vom Festland vor der afrikanischen Küste aber einen Hoffnungsschimmer: Die Kanarischen Inseln wurden wegen sinkender Infektionszahlen wieder von der Risikoliste gestrichen. Die Tourismusbranche wartet darauf schon seit Wochen. Entsprechend erleichtert fielen dort die Reaktionen aus. "Für einige Reisende werden damit Herbstferien noch gerettet", sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung des Reisekonzerns TUI, Marek Andryszak. Er kündigte für die nächsten zehn Tage knapp 50 Hin- und Rückflüge aus Deutschland nach Gran Canaria, Fuerteventura, Lanzarote und Teneriffa an.

Die Entscheidung der Bundesregierung heißt allerdings nicht, dass man den Weihnachtsurlaub unter Palmen ganz unbeschwert buchen kann. Die Aufhebung der Reisewarnung für Korsika etwa hat gerade mal eine Woche gehalten.

Es bleiben übrigens nur noch vier Länder, die noch ganz frei von Risikogebieten sind und für die auch nicht von Reisen abgeraten wird: Griechenland, Zypern, Monaco und San Marino.

Der Lockdown ist zurück

Unterdessen werden in ganz Europa wieder drastische Maßnahmen gegen die Pandemie ergriffen. In Tschechien, dem Land mit den höchsten Infektionszahlen in der EU im Vergleich zur Einwohnerzahl, müssen seit Donnerstag fast alle Geschäfte schließen. Ausgenommen sind etwa Lebensmittelgeschäfte und Apotheken. In Irland muss jeder zu Hause arbeiten, dem das irgendwie möglich ist. Geschäfte, die keine lebensnotwendigen Waren verkaufen, werden geschlossen. Treffen mit anderen Haushalten sind bis auf wenige Ausnahmen untersagt.

In Frankreich wurde die nächtliche Ausgangssperre ausgeweitet, sie gilt nun für etwa zwei Drittel der Franzosen. Auch in der norditalienischen Lombardei mit Mailand als Hauptstadt gelten seit Donnerstag nächtliche Ausgangsverbote für die rund zehn Millionen Bürger.

EU verhängt neue Einreisebeschränkungen

Die EU als Ganzes weitet ihre Einreisebeschränkungen wieder auf Kanada, Georgien und Tunesien aus. Für die drei Länder soll keine Ausnahme der zu Beginn der Pandemie eingeführten Einreisesperre mehr gelten. Singapur hingegen wurde zur Liste der Länder hinzugefügt, aus denen nicht zwingend notwendige Reisen in die EU wieder möglich sind. Somit dürfen künftig nur noch Menschen aus acht Ländern normal in die EU einreisen: Australien, Japan, Neuseeland, Ruanda, Singapur, Südkorea, Thailand und Uruguay. Es sind die ersten Änderungen der Liste seit rund zweieinhalb Monaten.

Quelle: ntv.de, Michael Fischer, dpa