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Vorbote für neue Welle im Winter Drosten sieht Schlachthöfe als Warnung

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Dem "Leitfaden Schlachtung/Zerlegung" nach darf es in den Hallen nicht wärmer als 12 Grad sein.

(Foto: imago/Westend61)

Christian Drosten fragt sich, warum es in Schlachthöfen so häufig zu Corona-Ausbrüchen kommt. Liegt es tatsächlich nur an schlechten Wohn- und Arbeitsbedingungen der Arbeiter oder spielt vielleicht auch noch ein ganz anderer Faktor eine wichtige Rolle?

In Deutschland gehen zwar die Neuinfektionen weiter zurück, manche Regionen sind sogar nahezu "Corona-frei". Doch in einigen Hotspots mehren sich noch immer die Covid-19-Fälle. Dazu zählen Pflegeheime wie in Coburg, aber vor allem häufen sich die Erkrankungen in Fleischfabriken. Zuletzt erwischte es einen Betrieb im niedersächsischen Dissen, in dem von 278 getesteten Arbeitern 92 positiv getestet wurden.

In den USA sind Fleischfabriken ebenfalls Corona-Hotspots, möglicherweise auch in weiteren Ländern. Dass das Virus ausgerechnet in solchen Betrieben so massiv auftritt, hat sehr wahrscheinlich etwas mit schlechten Arbeits- und Wohnbedingungen der Arbeiter zu tun. Doch Virologe Christian Drosten hat den Verdacht, dass ein weiterer Faktor eine wichtige Rolle spielen könnte.

Kälte könnte Ausbreitung begünstigen

In seinem NDR-Podcast stellt der Virologe die These auf, dass die Umgebungstemperatur in den Schlachtfabriken die Ausbreitung des Virus begünstigen könnte. Dies sei ein Faktor, der in der Öffentlichkeit bisher noch nicht genug besprochen worden sei, sagt er. In den Betrieben herrschten "fast Kühlschrank-Temperaturen" und er stelle sich immer mehr die Frage, ob die hohen Ansteckungsraten in Schlachthöfen möglicherweise zeigen, "was wir im Winter weitflächig erleben werden". Wenn es kälter wird, könnte das Virus besser übertragen werden, vermutet Drosten.

Für die Hygiene seien gekühlte Lebensmittel normalerweise gut, in diesem Fall könne die Kälte aber kontraproduktiv sein, überlegt Drosten. Er habe dafür natürlich noch keine Beweise oder entsprechende Daten gefunden. "Ich denke aber, dass man sich das jetzt schon auch mal ansehen muss." Es werde schwierig werden, die Daten zu erheben und Studien durchzuführen. Aber er wolle es mal so ausdrücken: "Mich macht es zumindest mal aufmerksam."

Kontaminiertes Fleisch keine Gefahr

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Befürchtungen, das Virus könne über Fleisch aus betroffenen Schlachtbetrieben übertragen werden, hält er dagegen für unbegründet. Das Fleisch lagere eine ganze Zeit, und das Virus sei eben doch nicht sehr stabil. Unter anderem seien "so allerhand" biologische Substanzen wie Proteasen auf der Oberfläche des Fleisches, die das Virus angriffen, sagt er.

Außerdem halte es keine hohen Temperaturen aus. Wenn das Fleisch zubereitet werde, sei das Virus sofort weg.

Quelle: ntv.de, kwe