Panorama

Dramatische BKA-Fahndung Familie überführt Kinderschänder

Monatelang tauchen im Darknet unerträgliche Missbrauchsbilder eines kleinen Mädchens auf. Vom Täter fehlt jede Spur. Die Ermittler sehen nur noch einen Ausweg: die öffentliche Opfer-Fahndung. Nur Stunden später klicken die Handschellen.

Der Fall erschüttert Deutschland. Um einen Kinderschänder zu stoppen, veröffentlicht die Polizei Fotos eines missbrauchten vierjährigen Mädchens. Die ungewöhnliche Opfer-Fahndung ist ein schneller Erfolg. Nur wenige Stunden, nachdem das Bundeskriminalamt mit dem Fall an die Öffentlichkeit gegangen war, konnte der mutmaßliche Täter geschnappt werden. 

Die Ermittler nahmen einen 24-Jährigen aus dem niedersächsischen Landkreis Wesermarsch fest. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung wurden Beweismittel beschlagnahmt. Der Mann stamme aus dem persönlichen Umfeld des kleinen Kindes, sagte der Oberstaatsanwalt Georg Ungefuk von der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt. Der Verdächtige sei "kein Unbekannter der Familie" gewesen.

Dem Mädchen gehe es "den Umständen entsprechend gut", sagte Ungefuk. Das Kind sei äußerlich unverletzt. Zum aktuellen Aufenthaltsort des Mädchens wollte sich Ungefuk nicht äußern, ebenfalls nicht zu der Frage, in welchem Verhältnis der mutmaßliche Kinderschänder zu seinem Opfer stand.

Der "Bild"-Zeitung zufolge zeigten die Mutter des Mädchens und deren Großeltern den Lebensgefährten der Mutter an. Ungefuk sagte der Zeitung: "Er ist deutscher Staatsbürger. Der Mann wird zurzeit befragt. Das Mädchen ist ebenfalls Deutsche und vier Jahre alt."

Kindeswohl vor Persönlichkeitsrecht

Dem am Montagabend gefassten Mann wird vorgeworfen, das kleine Mädchen zwischen Oktober 2016 und Juli 2017 mehrfach schwer sexuell missbraucht zu haben. Er soll Aufnahmen des sexuellen Missbrauchs gemacht und diese anschließend auf einer kinderpornografischen Plattform im sogenannten Darknet verbreitet haben.

Für gewöhnlich wird bei Fahndungen fast ausschließlich mit Fotos der Kinderschänder oder der Tatorte gesucht. Das Bundeskriminalamt (BKA) hatte in Abstimmung mit der Generalstaatsanwaltschaft den ungewöhnlichen Schritt, Fotos vom Opfer zu veröffentlichen, als letzte Maßnahme zur Identifizierung des Täters begründet. Die Gefahr für das Wohl des Kindes wurde deutlich wichtiger eingestuft als die Verletzung der Persönlichkeitsrechte.

Surfen im Verborgenen

Die Kinderporno-Szene spielt sich nach Einschätzung von Ermittlern mittlerweile überwiegend im Darknet, dem verborgenen Teil des Internets, ab. Dort können sich Internetnutzer fast komplett anonym bewegen. Dieser Bereich des Internets wird von Menschen genutzt, die viel Wert auf Privatsphäre legen oder in einem repressiven politischen System leben - aber auch von Kriminellen.

Websites im Darknet können nur verschlüsselt aufgerufen und von Suchmaschinen wie Google oder Bing nicht gefunden werden. So richtig geheim ist das Darknet aber nicht: Im Internet sind Anleitungen zum Surfen im geheimen Netz leicht zu finden.

Weil die Suchmaschinen im Darknet nicht funktionieren, müssen die Nutzer aber genau wissen, wohin sie wollen. Orientierungspunkte gibt es allerdings - zum Beispiel ein sogenanntes Hidden Wiki, das Linksammlungen enthält.

Quelle: n-tv.de, dsi/dpa

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