Panorama

Zu früh und auf hoher See geboren Haiden erweist sich als Überlebenswunder

35a844cb76f274184b73e0c51798c479.jpg

Im Krankenhaus von Miami halten Haiden und sein Vater Händchen.

(Foto: AP)

Ärzte geben dem kleinen Haiden nur eine winzige Überlebenschance. Nicht nur, dass er viel zu früh geboren wird. Seine Mutter befindet sich auch noch auf einer Karibik-Kreuzfahrt, und es gibt nicht besonders viel medizinische Ausrüstung an Bord.

Es sind noch vier Monate, bis das zweite Baby von Emily Morgan auf die Welt kommen soll. Deshalb stimmen die Ärzte auch ohne weiteres einer einwöchigen Kreuzfahrt zu, die die Schwangere gemeinsam mit ihrem Mann und der dreijährigen Tochter in die Karibik unternehmen will. Bisher verlief die Schwangerschaft völlig unkompliziert, Mitte Dezember ist der errechnete Geburtstermin.

Doch am 31. August setzen mitten auf hoher See bei Emily Morgan die Wehen ein. "Ich wusste, jetzt kommt das Baby", erzählte die Frau aus Utah. An Bord des Kreuzfahrtschiffes war ein Arzt, der die Geburt begleitete. Allerdings ging er wohl zunächst davon aus, dass es sich dabei um eine Fehlgeburt handelte. Er habe ihr gesagt, sie solle etwas zur Ruhe kommen, doch sie habe darauf bestanden, das Kind zu sehen.

Etwa 45 Minuten später stand fest, der kleine Haiden lebte. Die Ärzte aber fürchteten, dass er mit seinen gerade mal 680 Gramm Geburtsgewicht nicht lange überleben würde. Sie hatten allerdings nicht mit dem Kampfgeist von Mutter und Sohn gerechnet. Als Emily Morgan ihren winzigen Jungen das erste Mal sah, war er noch in die von der Geburt nassen Tücher gewickelt und hatte eine winzige Sauerstoffmaske.

Zwei Stunden Bangen und Hoffen

b4abbee5ebd0f50965f983afef93c8a7.jpg

Die Verlegung nach Miami.

(Foto: AP)

Morgan sorgte dafür, dass Haiden in trockene, warme Tücher kam. Das Personal des Kreuzfahrtschiffs baute aus warmen Kochsalzpaketen einen behelfsmäßigen Inkubator, der das Baby warm halten und seine empfindliche Haut schützen sollte. Eine Damenbinde diente dazu, seinen Kopf vor dem Auskühlen zu bewahren.

Derweil fuhr der Kapitän alle Maschinen mit voller Kraft, um so schnell wie möglich den nächsten Hafen in Puerto Rico zu erreichen. Dort erwarteten zwei Krankenwagen die Familie. Nach Auskunft der Ärzte drohte zu diesem Zeitpunkt, der Kreislauf des Neugeborenen zu versagen. Doch im Krankenhaus stabilisierte sich sein Zustand.

Wenige Tage später konnten Mutter und Kind bereits nach Miami verlegt werden. Ihr Sohn mache gute Fortschritte, sagt Morgan. Er bekomme über einen Schlauch Muttermilch in den Magen gepumpt, alle 90 Minuten zwei Esslöffel. Ende Oktober kann Haiden möglicherweise bereits in ein Krankenhaus im US-Bundesstaat Utah umziehen, wo die Familie zu Hause ist.

Bradley Yoder, Direktor der Neugeborenen-Intensivstation an der Universität von Utah, zeigt sich sehr überrascht, dass der frühgeborene Junge überlebt hat. Wenn ein Baby so viel zu früh und so weit entfernt von einem Krankenhaus zur Welt komme, betrage die Überlebenschance weniger als zehn Prozent.

Quelle: ntv.de, sba