Panorama

Unwetter in Deutschland Katastrophenfall in der Vulkaneifel ausgerufen

In mehreren Städten Deutschlands gibt es überschwemmte Straßen, vollgelaufene Keller und umgestürzte Bäume. In Altena, südlich von Iserlohn ertrinkt ein Feuerwehrmann bei Rettungsarbeiten. Der Kreis Vulkaneifel in Rheinland-Pfalz ruft jetzt sogar den Katastrophenfall aus.

Starkregen und Gewitter haben in Teilen Deutschlands zu Unfällen und zahlreichen Feuerwehreinsätzen geführt. Der Kreis Vulkaneifel ruft nun sogar den Katastrophenfall aus. "Die Lage ist sehr ernst, wir haben viele überschwemmte Straßen und Ortschaften, die nicht mehr erreichbar sind", sagt Landrätin Julia Gieseking . Die Schulen im Kreis sollen am morgigen Donnerstag geschlossen bleiben.

"Ich appelliere an die Bevölkerung, dass alle zuhause bleiben und sich schützen vor den Wassermassen", sagt Gieseking. Der Katastrophenfall ermögliche die Unterstützung der Bundeswehr. Es würden auch Fahrzeuge benötigt, um nicht mehr passierbare Straßen zu überwinden. Der Schwerpunkt der Einsätze liege in der Rettung von Menschen. Die Einsatzkräfte könnten sich zunächst kaum um überschwemmte Keller kümmern. "Es gibt so viele Einsatzorte, dass wir Prioritäten setzen müssen."

In Altena, südlich von Iserlohn, ist ein Feuerwehrmann bei Rettungsarbeiten ertrunken. Zuvor berichtete die Feuerwehr von "mehreren kleineren Erdrutschen". Man habe alle Hände voll zu tun, einen genauen Überblick gebe es noch nicht. Auf der Autobahn 46 in Richtung Wuppertal wurde Kies von einer Baustelle gespült. Das sorgte zeitweise für eine Vollsperrung.

8bcbd672448049753ecc37e1ce816584.jpg

Helfer evakuieren ein Altenheim im Hagener Ortsteil Hohenlimburg.

(Foto: dpa)

In Hagen kam wegen der heftigen Unwetterfolgen der Krisenrat zusammen. Es gebe mindestens 200 Einsatzorte, sagte ein Stadtsprecher. Besonders stark getroffen sei der Süden mit vier Stadtteilen, die zum Teil nicht mehr zu erreichen seien. Zudem wurde ein Altenheim wegen einströmender Wassermassen evakuiert. Eltern im gesamten Stadtgebiet seien gebeten worden, ihre Kinder nicht in die Kita zu schicken. "Wir wollen so wenige Fahrten durch das Stadtgebiet haben wie möglich", betonte der Sprecher. Es gebe auch Schäden in einigen Kitas nach den starken Regenfällen in der Nacht.

Heftige Regenfälle hatten in Hagen zu überfluteten Straßen und vollgelaufenen Kellern geführt. Über Nacht gingen Hunderte Notrufe bei der Feuerwehr ein. Von Hängen wurden zudem Schlammmassen auf Straßen gespült, viele Ortsteile waren daher nicht befahrbar. In einer Unterführung in der Nähe des Hauptbahnhofs sammelte sich so viel Regenwasser, dass mehrere Autos nicht mehr weiterkamen. Die Feuerwehr holte die Menschen aus ihren Fahrzeugen.

In Hagen waren laut wetter.de in der Stunde vor Mitternacht 38 Liter pro Quadratmeter gefallen, in der Stunde danach 66 Liter pro Quadratmeter und zwischen 1 und 2 Uhr noch mal 38,6 Liter pro Quadratmeter, insgesamt also knapp 150 Liter pro Quadratmeter. Das sind knapp zwei Monatsmengen innerhalb von wenigen Stunden.

Mann in Sachsen wird vermisst

Im sächsischen Jöhstadt (Erzgebirgskreis) wird nach wie vor ein Mann vermisst, der am Dienstag von einer Sturzflut mitgerissen worden war. Die Suchaktion war in der Nacht vorerst abgebrochen worden. Angaben der Polizei zufolge hatten Anwohner im Ortsteil Steinbach am Dienstagabend versucht, ihre Grundstücke gegen einen über die Ufer getretenen Fluss zu sichern. Einer der Anwohner wurde dabei von den Fluten mitgerissen. Alle Rettungsversuche durch die Nachbarn schlugen fehl. Die Suche gestalte sich wegen des hohen Wasserstandes des Steinbaches und der topographischen Gegebenheiten als schwierig, teilt die Polizei mit. Für die Suche kamen neben Polizeihubschraubern auch mehrere Suchhunde sowie viele Einsatzkräfte zum Einsatz.

In Baden-Württemberg soll bereits in der Nacht zu Montag ein 81 Jahre alter Mann bei Arbeiten an seinem Haus in den Fluss Jagst gestürzt sein, der nach starken Regenfällen Hochwasser führt. Auch er wird weiter vermisst. "Wir rechnen nicht damit, dass die Person noch lebend gerettet werden kann", hieß es weiter. Gleichwohl gehe die Suche dort weiter, wo Einsatzkräfte gefahrlos agieren könnten.

Anwohner in Erkrath sollen nicht duschen oder waschen

Schwere Überschwemmungen gab es auch in Erkrath. Die Stadt rief die Anwohner am Morgen über die sozialen Medien dazu auf, möglichst "kein weiteres Abwasser zu produzieren und möglichst nur noch die Toilette zu nutzen." Demnach sollen "Duschen, Waschen und die Nutzung der Spülmaschine" unterlassen werden, "um die Situation nicht zu verschärfen." Aufgrund des anhaltenden starken Regenfalls seien die Abwasserkanäle stark überfüllt. Auch die Düssel trete an einigen Stellen schon über die Ufer. Autofahrer wurden gebeten, sich von den Wassermassen an bestimmten Stellen fernzuhalten. Man solle mit dem Auto auch nicht durch überflutete Stellen fahren. Zudem mussten etwa 100 Bewohner eines Wohnheims ihre Unterkunft wegen Überschwemmungen verlassen.

899e662d6c628c4f5645780fbaf524d7.jpg

In Erkrath hat eine Feuerwehrfrau einen Fisch auf der Straße aufgelesen.

(Foto: dpa)

Auch in anderen Städten in Nordrhein-Westfalen war die Feuerwehr im Dauereinsatz. In Düsseldorf rückte die Feuerwehr zu rund 180 wetterbedingten Einsätzen aus. In der Nacht seien Keller vollgelaufen und Straßen überschwemmt worden, teilte die Feuerwehr mit. Im Märkischen Kreis berichtete die Polizei von unpassierbaren Straßen sowie Wassereinbrüchen in Gebäude nach einem Dammbruch in Iserlohn.

In Mettmann wurde eine Mitarbeiterin eines Seniorenheims von einem umstürzenden Baum schwer verletzt und wäre beinahe ertrunken. Ein Helfer habe den Kopf der Frau über Wasser halten können, bis Feuerwehrleute die eingeklemmte Frau befreit hatten, teilte die Feuerwehr mit. Die Frau habe in der Nacht mit ihren Kollegen versucht, das Gebäude vor den Wassermassen zu schützen und dafür Sandsäcke ausgelegt. Dabei sei ein Baum auf sie gefallen und habe sie unter sich begraben. Das Wasser auf dem Gelände sei immer weiter angestiegen, so dass für die eingeklemmte Frau akute Lebensgefahr bestanden habe.

Feuerwehr und THW im Dauereinsatz in Hof

Im bayerischen Landkreis Hof hatte das Landratsamt wegen des Starkregens am Dienstagabend den Katastrophenfall ausgerufen. Dieser wurde am Morgen wieder aufgehoben. Die Wetterlage habe sich in den vergangenen Stunden entspannt, teilte das Landratsamt in Hof mit. Zu tun gibt es aber noch jede Menge. Die Einsatzkräfte seien im gesamten Landkreis unterwegs, um aufzuräumen.

In der Region Hof hatten heftige Regenfälle Straßen und Häuser überflutet. Besonders betroffen waren Naila, Selbitz, Köditz, Feilitzsch und Trogen. Mehr als 50 Feuerwehren mit knapp 1000 Leuten sowie 140 Angehörige des Technischen Hilfswerks (THW) waren im Dauereinsatz, um Wasser aus Kellern zu pumpen, Sandsäcke zu beschaffen und Straßen wieder befahrbar zu machen.

780328695dadd2ba49431b3f1ba866b4.jpg

Land unter in Selbitz im Landkreis Hof.

(Foto: imago images/Bernd März)

Wegen der vielen Anrufer sei sogar der Notruf 112 in der Region in Einzelfällen nicht sofort erreichbar gewesen, teilte das Bayerische Rote Kreuz (BRK) mit. Zwei Menschen wurden bei einem Verkehrsunfall leicht verletzt, als ihr Auto auf regennasser Fahrbahn gegen eine Leitplanke rutschte. Zudem kam es zu umgestürzten Bäumen und vereinzelt auch zu Stromausfällen. Von der Heftigkeit des Unwetters zeigte sich ein Feuerwehrsprecher überrascht. So extrem habe er das seit Jahren nicht erlebt. Binnen zwölf Stunden fielen nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes dort bis zu 80 Liter vom Himmel.

Die Unwetter trafen auch Baden-Württemberg. In Mannheim und Umgebung sorgten heftige Regenfälle teilweise für umgestürzte Bäume und überflutete Straßen. Geparkte Fahrzeuge wurden durch umgestürzte Bäume beschädigt. Verletzt wurde niemand. Auch in Hockenheim mussten zwei Autos geborgen werden, deren Fahrer erfolglos versucht hatten, eine Straße mit starker Wasseransammlung zu durchfahren. In Heidelberg sorgte Wasser auf den Straßen für kurzzeitige Verkehrsbehinderungen.

Die Meteorologen von wetter.de rechnen bis mindestens Freitag mit teils kräftigem Dauerregen. So werden in der kommenden Nacht und am Donnerstag weitere Unwetter mit heftigem Regen erwartet - unter anderem im südlichen Nordrhein-Westfalen, in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg sowie im Saarland. Dabei verlagert sich der Schwerpunkt südwärts.

Quelle: ntv.de, hul/dpa

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.