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Ein Erfahrungsbericht "Keiner darf Covid auf die leichte Schulter nehmen"

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Malte (nicht im Bild) hat sich von Covid-19 noch nicht wieder vollständig erholt.

(Foto: imago images / photothek)

Malte (Name v. d. Red. geändert) ist 28 Jahre alt, Student und arbeitet nebenbei bei einer Agentur. Er hat eine Freundin und lebt mit ihr in einer gemeinsamen Wohnung in Berlin. Obwohl der junge Mann zweifach geimpft ist, erkrankte er vor ein paar Wochen an Covid-19. Im Gespräch mit ntv.de erzählt er über seine Erfahrungen damit, wie es ihm heute geht und warum man auch als junger Mensch die Erkrankung nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte.

ntv.de: Hallo Malte, wie gehts dir?

Malte: Ach danke. Mir gehts eigentlich wieder ganz gut. Ich habe Phasen am Tag, wo ich mich schon wieder ziemlich gut fühle, aber vor allem zum Ende des Tages wird es dann meistens schwierig für mich, in Form zu bleiben. Dann fühle ich mich abgeschlagen und entkräftet. Das kannte ich vor der Erkrankung nicht. Ich konnte vor Covid-19 ziemlich lange konzentriert und gut arbeiten. Das fällt mir aber jetzt wirklich recht schwer und deshalb habe ich heute auch noch einen Termin bei einem Facharzt.

Wann hattest du denn Covid-19?

Ich habe am 23. Oktober, einem Samstag, einen PCR-Test gemacht, weil ich mich ziemlich miserabel gefühlt hatte und zwei Schnelltests bereits positiv waren. Seit diesem Tag war ich offiziell Covid-19-Erkrankter. Zwischendurch, am 4. November, wurde nochmals ein PCR-Test gemacht, der wiederum positiv war. Das ist ja eher ungewöhnlich und nach 13 Tagen ein relativ langer Zeitraum für jemanden wie mich, der vollständig geimpft ist und keine Vorerkrankungen hat. Erst seit dem 10. November, also eine Woche später, bin ich mit einem negativen PCR-Test offiziell zum Covid-19-Genesenen erklärt worden. Unklar bleibt, wo ich mich angesteckt haben könnte.

Wie ging es dir während dieser Zeit?

Wirklich nicht gut. Ich hatte Fieber und Husten und wollte wirklich nur im Bett bleiben. Die schwerwiegendste Erfahrung aber war eine Panikattacke, die ich zwei Wochen nach dem Beginn von Covid-19 hatte. Ich hatte am Abend das Gefühl, nicht mehr richtig Luft bekommen zu können und das verfestigte sich. So etwas hatte ich vorher noch nie in meinem Leben erlebt. Mein ganzer Körper hat gezittert, ich bekam Durchfall und hatte zu diesem Zeitpunkt nichts mehr im Griff. Zum Glück konnte mich meine Freundin beruhigen und nach circa zehn Minuten war die Attacke auch wieder vorbei. Allerdings haben mich dieser Zwischenfall und der zweite positive PCR-Test nach 14 Tagen mental ganz schön beschädigt und bis heute nachhaltig verunsichert.

Kannst du rückblickend erklären, wie es zu dieser Ausnahmesituation kam?

Darüber habe ich auch viel nachgedacht. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich anfangs gedacht habe, dass ich ja die ganze Zeit nur warme Luft einatme und deshalb der Gedanke aufkam: 'Was, wenn ich jetzt auch noch eine Lungenentzündung bekomme?' Natürlich stand das auch damit im Zusammenhang, dass ich mich regelmäßig seit März 2020 mit dem Thema beschäftigt und auseinandergesetzt habe. Ich habe den Podcast mit Herrn Drosten gehört und noch vor Beginn der Maskenpflicht bin ich auf Nummer sicher gegangen und trug in Bus und Bahn Maske, obwohl ich damals noch schief angesehen wurde. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass mich die Dinge, die ich gehört und gelesen hatte, zusätzlich während meiner Erkrankung verunsichert haben.

... und die auch Angst gemacht haben?

Na klar. Wer in den Medien tagtäglich Menschen sieht, die auf Intensivstationen wegen Covid-19 behandelt werden müssen, der fragt sich als Covid-19-Kranker natürlich, ob er auch dort landet. Die Tatsache, dass ich einen Impfdurchbruch hatte, war ja schon Anlass genug, mich zu sorgen. Hinzu kam die Tatsache, dass ich auch noch Wochen nach der offiziellen Covid-19-Diagnose zahlreiche gesundheitliche Probleme hatte, die reichten von Schlaf- und Gedächtnisstörungen über Probleme mit dem Magen-Darm-Trakt bis hin zu Appetitlosigkeit und Kopfschmerzen. Einzeln gesehen waren das alles nicht so schwerwiegende Symptome, in der Gesamtheit jedoch und gepaart mit der mentalen Verfassung haben sie mich schon ziemlich eingeschränkt. Ein paar davon machen das immer noch.

Gibt es etwas, was du dir für die Zukunft wünschst?

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Zuerst wünsche ich mir, zu alter Stärke zurückzukehren. Ungern würde ich mir selbst noch mehr Regeln und Maßnahmen verordnen, da ich mein Verhalten nicht als leichtfertig einschätze. Vielleicht ist es wichtig, nicht zu glauben, dass man durch die Impfung vollständig geschützt sein kann. Und natürlich könnte ich viele Kleinigkeiten, wie beispielsweise regelmäßiges Händewaschen, immer noch mal optimieren. Ich will derzeit auf größere Veranstaltungen verzichten und warte bis zum Sommer damit. Keiner darf Covid-19 auf die leichte Schulter nehmen. Gleichzeitig versuche ich bewusst umzudenken. Ich will wegkommen von dem Gedanken, dass das Virus für mich persönlich gefährlich war oder ist. Zudem wünsche ich mir, dass es mir wieder so gut geht wie vor Covid-19.

Mit Malte sprach Jana Zeh

Quelle: ntv.de

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