Panorama

NRW-Regierung wertete Chats aus Polizist verbrachte Freizeit wohl als Hooligan

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Ein NRW-Polizist soll mit Hooligans und Rockern verbunden gewesen sein.

(Foto: imago images/Rupert Oberhäuser)

Mitte September fliegen bei der Polizei in Nordrhein-Westfalen eine Reihe rechtsextremer Chatgruppen auf. Fortan ermittelt die Landesregierung zu den Hintergründen. Nun gibt sie erste Erkenntnisse preis. Demnach soll ein Beamter im Hooligan- und Rockermilieu verwurzelt sein.

Im Fall mutmaßlich rechtsextremer Chats bei der Polizei in Nordrhein-Westfalen soll einer der beschuldigten Beamten Mitglied der Essener Hooligan-Gruppierung "Alte Garde" sein und private Kontakte zu den "Bandidos" gepflegt haben. Das habe sich aus der Auswertung seines Handys ergeben, heißt es in einem auf den 26. Oktober datierten Bericht der nordrhein-westfälischen Landesregierung an den Innenausschuss des Landtags in Düsseldorf.

Dem Bericht zufolge haben die Ermittler in dem Mobiltelefon Fotos gefunden, die den Polizeibeamten "im privaten Umfeld gemeinsam mit Mitgliedern der Rockergruppierung "Bandidos" zeigen". Im Adressbuch seines Telefons hätten sich auch Kontaktdaten der Rocker gefunden.

Bei Razzien Mitte September seien bei den betroffenen Polizisten insgesamt 205 IT-Asservate sichergestellt worden, die sich auf ein Gesamtdatenvolumen von riesigen 18,5 Terabyte belaufen. In der zuständigen Sondereinheit "Janus" seien derzeit rund 100 Polizeibeamte mit der Auswertung des Datenmaterials betraut, so das Innenministerium.

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Inzwischen stehe auch fest, dass in den Chatgruppen mit den Namen "Alphateam", "Anton", "A-Team" und "Best of A-Team" ausschließlich Polizeibeamte beteiligt gewesen seien. Nach Bekanntwerden des Polizeiskandals hatte sich Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul in einer E-Mail an alle 50.000 Beschäftigten der NRW-Polizei gewandt und eindringlich dazu aufgerufen, strafrechtlich relevante Inhalte aus dem Kollegenkreis zu melden.

Anfang Oktober kündigte Reul an, die Gründe für extremistische Einstellungen bei Polizisten untersuchen lassen zu wollen. Die Studie solle zügig in Angriff genommen werden. Demnach müsse geklärt werden, ob Abläufe, Arbeitsbedingungen oder die Konfrontation mit vielen Problemen eine Rolle spielten. Zudem betonte Reul, dass es ein Frühwarnsystem und das Angebot von Hilfe geben müsse.

Quelle: ntv.de, cri/dpa