Panorama

Indigene besonders betroffen Regenwald in Brasilien brennt wieder stärker

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Schon 2019 war ein Horror-Jahr für den Amazonas-Regenwald. Dieses dürfte kaum besser werden.

(Foto: REUTERS)

Im brasilianischen Amazonasgebiet nimmt die Zahl der Waldbrände deutlich zu. Sie steigt besonders stark in Naturschutzgebieten und dort, wo indigene Gruppen leben. Umweltschützer befürchten, dieses Jahr könnte noch zerstörerischer werden als 2019. Sie machen Brasiliens Präsidenten verantwortlich.

Die Zahl der Waldbrände im brasilianischen Amazonasgebiet im Juli ist im Vergleich zum Vorjahr drastisch gestiegen. Wie die brasilianische Weltraumagentur Inpe unter Berufung auf Satellitenbilder mitteilte, gab es im Juli dieses Jahres 6803 Waldbrände in der Region, im Vorjahresmonat waren es 5318. Auslöser der Waldbrände sind häufig illegale Rodungen.

Allein am 30. Juli habe es mehr als 1000 Waldbrände gegeben, erklärte Inpe. Es handele sich um die höchste Zahl an Waldbränden an nur einem Tag im Juli seit 15 Jahren. Nach Angaben der Umweltorganisation Greenpeace stieg die Zahl der Waldbrände auf dem Gebiet indigener Volksgruppen um drei Viertel (77 Prozent) im Vergleich zum Vorjahresmonat. In Naturschutzgebieten gab es demnach einen Anstieg um die Hälfte.

Bereits für den Juni hatte Inpe eine Rekord-Entwaldung gemeldet. Im Juni beginnt in der Amazonas-Region die Trockenzeit, in der viele Brände ausbrechen. Umweltschützer warnen schon länger, dass 2020 das zerstörerischste Jahr für den größten Regenwald der Erde werden könnte. Sie machen dafür direkt die Politik des rechtsextremen Staatschefs Jair Bolsonaro verantwortlich, dem sie die Begünstigung illegaler Rodungen vorwerfen.

Im Mai hatte ein Richter die Aufzeichnung einer Sitzung des brasilianischen Regierungskabinetts freigegeben, die im Nachgang für große Aufregung sorgte. Umweltminister Ricardo Salles schlug darin vor, den Moment, in dem "die Medien nur noch über Covid-19 sprechen", zu nutzen, um "alle Vorschriften zu ändern", die den Bergbau und die Landwirtschaft auf geschütztem Land im Amazonasgebiet verhinderten.

Bolsonaro zweifelt die Verantwortung des Menschen für den Klimawandel an. Der Staatschef hat die finanziellen und personellen Ressourcen für den Umweltschutz drastisch gekürzt und Auflagen gelockert. Der Deutschlandfunk berichtet von Außenposten der Umweltbehörde in Indigenen-Gebieten, die geschlossen worden seien. Bolsonaro hat enge Verbindungen zur Agrarlobby, die von der Abholzung des Regenwalds massiv profitiert.

Schon 2019 nahm die Vernichtung des Amazonas-Regenwaldes in Brasilien drastisch zu. Laut Inpe stieg die Entwaldung in dem Gebiet um 85 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt wurden demnach 9166 Quadratkilometer Amazonaswald vernichtet. Das war die größte vernichtete Waldfläche in dem Gebiet seit fünf Jahren.

Quelle: ntv.de, lwe/AFP