Panorama
Großeinsatz bei Engelmannsreuth: Einsatzkräfte der Feuerwehr ziehen sich unweit der Unfallstelle Ganzkörper-Schutzanzüge an.
Großeinsatz bei Engelmannsreuth: Einsatzkräfte der Feuerwehr ziehen sich unweit der Unfallstelle Ganzkörper-Schutzanzüge an.(Foto: dpa)
Dienstag, 11. August 2015

Großeinsatz in Oberfranken: US-Kampfjet stürzt in Waldstück

Regelmäßig steigen die in Deutschland stationierten US-Kampfjets zu Übungsflügen auf. Diesmal jedoch meldet der Pilot einer F-16 Probleme: Wenige Kilometer vor Bayreuth wirft er seine Übungsbomben ab und zündet den Schleudersitz.

Ein US-amerikanisches Militärflugzeug ist in Oberfranken abgestürzt. Das Unglück ereignete sich gegen 9.30 Uhr im Gemeindebereich von Creußen im Grenzgebiet der Landkreise Bayreuth (Oberfranken) und Neustadt an der Waldnaab (Oberpfalz). Nach Angaben der Polizei konnte sich der Pilot per Schleudersitz aus seiner Maschine befreien. Er erlitt nur leichte Verletzungen, wie ein Militärsprecher später versichert. Ein Anwohner findet den Flieger nach der Landung am Fallschirm und alarmiert den Rettungsdienst.

Schrecksekunde am Morgen: Nach dem Absturz der F-16 steigt eine Rauchwolke über dem Wald bei Engelmannsreuth auf; im Vordergrund ein Haus, das zur Ortschaft Creußen gehört.
Schrecksekunde am Morgen: Nach dem Absturz der F-16 steigt eine Rauchwolke über dem Wald bei Engelmannsreuth auf; im Vordergrund ein Haus, das zur Ortschaft Creußen gehört.(Foto: dpa)

Das Flugzeug war am Morgen vom Stützpunkt Spangdahlem in Rheinland-Pfalz zu einem Übungsflug nach Grafenwöhr (Landkreis Neustadt an der Waldnaab) gestartet, wie das US-Militär mitteilte. Die Maschine gehört dem 480. Kampfgeschwader an. Bei dem einmotorigen Düsenjet sei vermutlich ein Triebwerkschaden aufgetreten, wie Oberstleutnant Brian Carlin, Pressesprecher des US-amerikanischen Militärs in Grafenwöhr, erklärte. Als schnelles Jagdflugzeug hat die F-16 nur ein einziges Triebwerk. Ein Ausfall des Antriebsaggregats bedeutet daher fast immer einen Absturz.

Gefährliche Routine

"Wie das gescheppert hat - um Gottes Willen. Ich war fertig", beschrieb eine 79-jährige Anwohnerin den Augenblick des Einschlags. "Zum Glück ist das Flugzeug nicht auf ein Haus gestürzt", fügte eine junge Nachbarin hinzu. Das Unglück ereilte die Region kurz nach Ferienbeginn. Kurz nach dem großen Knall kreisten bereits Hubschrauber über Wald und Dorf, Blaulichter blinkten, Martinshörner ertönten: Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr, der Polizei, des Technischen Hilfswerks, des Roten Kreuzes und der Feldjäger der Bundeswehr eilen heran.

Zunächst war unklar, was genau sich an Bord des Kampfjets vom Typ F-16 befunden hat. Auch die Waldbrandgefahr ist riesig angesichts der wochenlangen Trockenheit und der Temperaturen von weit mehr als 30 Grad. "Wir haben Glück gehabt, dass kein Waldbrand entstanden ist", sagte Bürgermeister Hans Freiberger (Freie Wähler), der wie die mehr als 300 Einsatzkräfte in seiner Feuerwehrausrüstung schwitzt.

"Ich bin beeindruckt"

Der Truppenübungsplatz Grafenwöhr in der Oberpfalz ist nicht weit. Der Kampfjet, so erläutert US-Militärsprecher Carlin, war in der Eifel gestartet, um über dem Grafenwöhrer Gelände eine Übung zu absolvieren, dann sei er wieder umgekehrt und zurückgeflogen. Carlin lobt die Zusammenarbeit mit den deutschen Hilfskräften: "Ich bin beeindruckt."

Die F-16 ist das aktuell meist verbreitete Kampfflugzeug der Welt. Knapp 2300 Maschinen sind weltweit im Einsatz.
Die F-16 ist das aktuell meist verbreitete Kampfflugzeug der Welt. Knapp 2300 Maschinen sind weltweit im Einsatz.(Foto: picture alliance / dpa)

Gerüchte, wonach das Flugzeug Munition oder andere Chemikalien geladen hatte, dementieren er und seine Sprecher-Kollegin Susanne Bartsch aus Grafenwöhr. Es sei lediglich Übungsmunition sowie Kerosin und Raketentreibstoff an Bord gewesen. Der Flug sei im Rahmen des regulären Übungsbetriebs absolviert worden, es sei keine Sonderübung oder ein spezielles Manöver gewesen.

Das Wrack liegt in einen schwer zugänglichen Wald in der Nähe der Ortschaften Creußen und Engelmannsreuth. Nach Angaben von Polizei und US-Militär löste der Pilot vor dem Absturz im Rahmen eines Notabwurfs sechs Übungsbomben, die zum Großteil aus Zement sowie einem Zünder bestehen. Zusätzlich warf er die beiden unter dem Flügel angebrachten Treibstoff-Zusatztanks ab. Die acht Objekte wurden über den Wald verteilt und werden mit Hilfe von Luftbeobachtern gesucht. Aussagen des Piloten hätten die Suche eingegrenzt.

Explosionsgefahr im Wald

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"Es besteht Explosionsgefahr. Wir wissen noch nicht, was mit dem Treibstoff in den Tanks ist", hatte ein Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr Bayreuth kurz nach dem Beginn des Großeinsatzes erklärt. Deshalb lasse man das Wrack zunächst kontrolliert abbrennen. Die Einsatzkräfte warteten zu diesem Zeitpunkt noch auf Spezialisten des US-Militärs.

Zur Bergung des Wracks wurden Spezialisten des US-Militärs sowie ein Bergungspanzer der Feuerwehr angefordert. Einsatzkräfte riegelten den Bereich im Umkreis von 600 Metern um die Absturzstelle ab. "Damit sind wir auf der sicheren Seite. In dem Sperrgebiet befinden sich auch keinerlei Gebäude", sagte ein Sprecher des Landratsamtes Bayreuth.

"Wir haben keinen Katastrophenfall ausgerufen", erklärte eine Sprecherin des Landratsamtes Neustadt an der Waldnaab. Die Unfallstelle wurde weiträumig abgeriegelt und zu militärischem Sperrbereich erklärt. Dem Wrack nähern durften sich zunächst nur Einsatzkräfte in Schutzanzügen. Feldjäger der Bundeswehr schirmten die Unfallstelle ab, auch US-Soldaten sowie die Feuerwehr des Truppenübungsplatzes sind vor Ort.

Die Polizei sprach eine Warnung aus - niemand solle auch nur versuchen, sich über das waldige Gelände dem Wrack zu nähern. Das Kampfflugzeug ist direkt an der Grenze zwischen dem oberfränkischen Landkreis Bayreuth und dem Oberpfälzer Landkreis Neustadt an der Waldnaab abgestürzt. Erst nach Stunden ist nach einer Entscheidung des Innenministeriums in München klar: Der Absturzort liegt in Oberfranken.

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Quelle: n-tv.de