Politik

"Irgendjemand weiß, wer dies getan hat" 1000 Fahnder suchen den Boston-Attentäter

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(Foto: Reuters)

Die drei Todesopfer des Terroranschlags von Boston sind identifiziert. Es handelt sich um eine chinesische Studentin der Boston University sowie um eine 29-jährige Frau und einen achtjährigen Jungen. Der Vater des Kindes wendet sich mit herzzerreißenden Worten an die Öffentlichkeit. Derweil geht eine Flut von Hinweisen bei den Ermittlungsbehörden ein, die mit einem riesigen Aufgebot nach den Tätern fahnden.

Der Bombenanschlag auf den Boston-Marathon wurde Sicherheitskreisen zufolge mit Hilfe eines Schnellkochtopfes und Schießpulver begangen. Mindestens einer der Sprengsätze sei so aufgebaut gewesen, hieß es. Der mit Schießpulver gefüllte Schnellkochtopf enthielt den Beamten zufolge auch Kugellager, um bei der Explosion mehr Splitter zu erzeugen. Anleitungen für den Bau einer derartigen Bombe seien im Internet zu finden.

Chirurgen mehrerer Krankenhäuser berichteten, sie hätten Verletzten Metallkugeln und Nägel herausoperieren müssen. Klinikmitarbeitern zufolge wurden mindestens zehn Opfern Gliedmaßen amputiert. Bei dem Anschlag kamen am Montag drei Menschen ums Leben. 176 weitere wurden verletzt. Die Täter oder ein Motiv sind weiter nicht bekannt.

Drittes Todesopfer identifiziert

Unter den drei Todesopfern ist auch eine Studentin der Boston University. Das teilte das Generalkonsulat der Volksrepublik in New York mit. Es handele sich demnach um eine Chinesin. Nähere Angaben zur Person könnten vorerst nicht gemacht werden, da dafür noch keine Genehmigung der Familie vorliege, teilte die Hochschule auf ihrer Internetseite mit. Eine Freundin des Opfers - ebenfalls eine junge Frau aus China - sei verletzt worden und liege im Krankenhaus. Sie sei in stabiler gesundheitlicher Verfassung, hieß es weiter.

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Krystle Campbell

(Foto: AP)

Zuvor waren die beiden anderen Toten als eine 29 Jahre alte Frau und ein achtjähriger Junge identifiziert worden. US-Medien identifizierten die 29-Jährige als Krystle Campbell. "Sie war eine fröhliche, offene Person. Alle ihre Freunde liebten sie", sagte ihre Großmutter Lillian Campbell in einem Telefoninterview des Fernsehsenders CNN.

Als erstes Opfer der Explosionen war der achtjährige Junge identifiziert worden. Dessen trauernder Vater meldete sich jetzt öffentlich zu Wort. "Mein geliebter Martin starb an seinen schweren Verletzungen infolge der Anschläge von Boston", sagte Bill Richard. Er bestätigte, dass auch seine Frau bei den Explosionen schwer verletzt worden sei und seiner Tochter ein Bein amputiert werden musste.

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Martin Richard

(Foto: AP)

"Wir danken allen für ihr Mitgefühl und ihre Gebete", sagte Richard. Zugleich bat er, die Privatsphäre seiner Familie zu achten: "Wir kämpfen weiterhin mit unserer Trauer." Richard hatte selbst am Boston-Marathon teilgenommen. Seine Frau und drei Kinder hatten an der Zielgeraden auf ihn gewartet, als die Bomben explodierten. Das dritte Kind blieb unverletzt.

Die Tat hatte weltweit Bestürzung ausgelöst. US-Präsident Barack Obama sprach von einem Terroranschlag. Der Präsident reist am Donnerstag nach Boston. Er werde dort an einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des Bombenanschlags teilnehmen, teilte das Weiße Haus mit. Obama werde am Vormittag den Gottesdienst in der "Cathedral of the Holy Cross" besuchen.

Noch niemand festgenommen

Nach Angaben der Ermittler waren die beiden explodierten Bomben die einzigen, die es am Montag in Boston gab. In Berichten hatte es geheißen, es seien weitere Sprengsätze gefunden worden, die nicht explodiert seien. Ermittler hätten in diesem Fall möglicherweise wichtige Spuren sichern können.

Nach Angaben der Bostoner Polizei gibt es nach wie vor keine Festnahmen. Aus dem FBI verlautete zudem, niemand habe sich zu der Tat bekannt. Es gebe ein breites Spektrum von möglichen Motiven. Auch sei unklar, ob es sich um einen oder mehrere Täter gehandelt habe.

Bevölkerung wird um Mithilfe gebeten

Bei der Suche nach den Bombenlegern hoffen die Behörden auf breite Hilfe aus der Bevölkerung. "Irgendjemand weiß, wer dies getan hat", sagte Rick DesLauriers von der Bundespolizei FBI bei einer Pressekonferenz. Die Bandbreite möglicher Täter und Motive sei groß. Bislang seien rund 2000 Hinweise eingegangen, viele davon seien analysiert und überprüft worden. Mehr als 1000 Fahnder seien mit dem Fall befasst. Es sei anzunehmen, dass die Sprengvorrichtung in einer schwarzen Nylontasche gewesen sei. Genaue Erkenntnisse über verwendete Materialien würden laufende Laboruntersuchung ergeben.

Für Hinweise, die helfen, den oder die Attentäter von Boston zu finden, hat die Feuerwehr 50.000 Dollar Belohnung ausgesetzt. Sie richtete außerdem einen Fonds für die Opfer der Bombenexplosionen ein.

Die Ermittler gehen anhand erster Indizien davon aus, dass der oder die Attentäter einheimische Extremisten seien, die einen mächtigen Staat ablehnen. Für diese Annahme spreche der Zeitpunkt des Angriffs. Am Montag wurde in Massachusetts der Patriots' Day begangen, der an den Unabhängigkeitskrieg erinnert. Am 15. April läuft in den USA zudem die Frist für die Abgabe der Steuererklärung ab. Steuern sind für einige amerikanische Extremistengruppen ein Reizthema.

Quelle: ntv.de, ppo/dpa/AFP/rts