Politik

Beispiellose Aktion der Kosovo-Serben 21.000 wollen russischen Pass

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Ein österreichischer KFOR-Soldat in der geteilten Stadt Mitrovica.

(Foto: REUTERS)

Dieser Schritt ist in der Geschichte wohl einmalig: Zehntausende Kosovo-Serben beantragen die russische Staatsbürgerschaft. Nach Angaben der Organisatoren sollen noch weitere Menschen folgen. Sie stellen sich damit unter den Schutz von Moskau. Russische Zeitungen sprechen von einem "delikaten Problem".

Mehr als 21.000 Kosovo-Serben haben die russische Staatsangehörigkeit beantragt. Das teilte der Organisator dieser beispiellosen Aktion, Zlatibor Djordjevic, in der Gemeinde Gracanica vor den Toren der Kosovo-Hauptstadt Pristina mit. Die russische Botschaft in Belgrad bestätigte, den Antrag mit den Unterschriften der Bewerber an das Außenministerium weitergeleitet zu haben. Nach Darstellung von Djordjevic soll die Zahl der Antragsteller auf mehr als 100.000 steigen.

Die russische stellvertretende Parlamentspräsidentin Ljubow Sliska von der Regierungspartei Geeintes Russland forderte die Moskauer Staatsführung auf, diese Bitte ernst zu nehmen. "Das ist ein einmaliger Vorgang in der Geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts, dass so viele Menschen auf einmal die Staatsbürgerschaft eines anderen Landes beantragen", sagte sie. Das müsse geprüft werden und zeige, wie ernst die Lage sei.

Der Schritt der Serben bereite der russischen Regierung ein "delikates Problem", kommentierten russische Zeitungen in Moskau. Sollte dem Wunsch stattgegeben werden, müsse sich Russland auch um den Schutz seiner neuen Staatsbürger im Kosovo kümmern. Das könne Moskau schnell in den Konflikt mit der von der NATO geführten Schutztruppe KFOR und der EU-Rechtsstaatsmission (EULEX) führen.

EU drängt auf neue Verhandlungen

Die EU will derweil die seit Monaten unterbrochenen Verhandlungen zwischen Serben und Kosovo-Albanern an diesem Freitag weiterführen. Das berichtete die albanische Zeitung "Express" in Pristina. Die Kosovo-Verhandlungsführerin Edita Tahiri habe ihre Teilnahme zugesagt, eine Reaktion Belgrads stehe noch aus. Die Wiederaufnahme des Dialogs in Brüssel und konkrete Ergebnisse sind die Voraussetzung dafür, dass Serbien am 9. Dezember EU-Beitrittskandidat werden kann.

Serbien hat die bisher unter EU-Vermittlung erzielten Kompromisse mit dem Kosovo wieder infrage gestellt. Einige Minister wie zum Beispiel Außenminister Vuk Jeremic hätten die erzielten Abmachungen als verfassungswidrig und damit undurchführbar bezeichnet, berichtete die Belgrader Zeitung "Danas" aus der letzten Kabinettssitzung unter Berufung auf Teilnehmer. Der serbische Chefunterhändler Borislav Stefanovic habe wutentbrannt die Sitzung verlassen.

Die seit Langem geplante neue Kosovo-Resolution kann wegen des Streits in der Regierung nicht vom Parlament verabschiedet werden, meldeten die Medien übereinstimmend. Auch sei keine Mehrheit dafür im Parlament gesichert.

Quelle: n-tv.de, dpa

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