Politik

Beten und Feiern 29. Evangelischer Kirchentag eröffnet

Mit einem Gottesdienst in der Innenstadt von Frankfurt am Main ist am Abend der 29. Deutsche Evangelische Kirchentag eröffnet worden. Unter dem Motto "Du stellst meine Füße auf weiten Raum" wollen bis Sonntag mehr als 100.000 Dauergäste bei rund 2.500 Einzelveranstaltungen beten, diskutieren, und ihren Glauben feiern.

Zum Auftakt des Kirchentages sagte Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD), „Der Mensch ist mehr als Konsument und Produzent. Es ist ein Gebot der Menschenwürde, den Wert eines Menschen nicht allein nach seinen marktgemäßen Rollen zu bemessen“. Thierse sprach auch aktuelle Fragen der Zuwanderungspolitik und der Gentechnik an.

Der Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche, Manfred Kock, warnte vor den Gefahren der Gentechnik. Er meinte zur Eröffnung im Frankfureter Dom, "Unser Selbstverständnis als Menschen steht auf dem Spiel. Dabei werden uns die Hoffnungen rosig gemalt und die Risiken verschwiegen." Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) erntete Pfiffe und Buh-Rufe, als er zum Rednerpult schritt. Viel Applaus dagegen bekam Kirchenpräsident Peter Steinacker, als er in seiner Predigt mit Blick auf die Gentechnik-Debatte fragte: "Heiligt denn der Zweck die Mittel?" Am und vorm Dom feierten rund 15.000 Gläubige. Insgesamt kamen zur Eröffnung nach Angaben der Polizei rund 150.000 Besucher.

Während des Kirchentags werden unter anderem Bundespräsident Johannes Rau, Bundeskanzler Gerhard Schröder, Bundesfinanzminister Hans Eichel (alle SPD), CDU-Parteichefin Angela Merkel, Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) und Bundesbankpräsident Ernst Welteke erwartet. Als ökumenischer Höhepunkt gilt die gemeinsame Feier des katholischen Fronleichnamfests am Donnerstag. Es wird von Katholiken und Protestanten gemeinsam gestaltet.

Hauptthemen des Kirchentages sind Gentechnik, Glauben und Geld. Außerdem gibt es ein breit gefächertes Kulturprogramm. Als Zeichen gegen Rechtsextremismus sollen während des Kirchentages 80.000 weiße Schals mit der Aufschrift "Die Würde des Menschen ist unantastbar - Kirchentag gegen Gewalt" zum Kauf angeboten.

Gendebatte aus kirchlicher Sicht

Vor Beginn des Kirchentags haben führende Kirchenvertreter den Vorstoß des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Wolfgang Clement (SPD) zum Import embryonaler Stammzellen scharf kritisiert. Clements Äußerungen seien "außerordentlich problematisch ", sagte der Präsident der gastgebenden Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau, Peter Steinacker. Clement traf sich am Nachmittag in Köln mit Kock und bekräftigte, die Heilung von Menschen dürfe nicht durch den Verzicht auf Forschung ausgeschlossen werden. Beide kamen überein, das Gespräch unter Beteiligung von Experten bald fortzusetzen.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.