Politik

Mehr Dauerkrisen, weniger Kriege 328 Konflikte weltweit

Die Welt ist nach Ansicht von Konfliktforschern in diesem Jahr friedlicher geworden. Es gebe mehr Konflikte, die sich abschwächten, als Auseinandersetzungen, die eskalierten, sagte Lotta Mayer vom Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung.

Das sogenannte Konfliktbarometer des Instituts listet für 2007 weltweit 6 Kriege und 25 ernste Krisen auf. Damit sank die Zahl sogenannter hochgewaltsamer Konflikte von 36 im vergangenen Jahr auf 31. Trotzdem verloren tausende Kinder, Frauen und Männer auch in diesem Jahr bei blutigen Auseinandersetzungen ihr Leben. Insgesamt zählten die Forscher 328 Konflikte rund um den Globus, 130 davon waren gewaltsam.

Als Kriege haben die Forscher - wie schon 2006 - bewaffnete Auseinandersetzungen im sudanesischen Darfur, in Somalia, auf Sri Lanka, in Afghanistan und im Irak bewertet. Neu hinzugekommen sind in diesem Jahr die Kämpfe zwischen Rebellen und der Armee im Grenzgebiet Pakistans zu Afghanistan. "Bei den Auseinandersetzungen starben mehr als 1200 Menschen", sagt Mayer.

Die Wissenschaftler bewerteten den Kampf zwischen der radikal-islamischen Hamas und der eher gemäßigten Fatah im Gazastreifen, den Kurdenkonflikt im Dreiländereck Türkei, Iran und Irak sowie die innenpolitische Krise im Libanon als ernste Krisen.

Viele Konflikte werden in Europa kaum wahrgenommen

Viele Konflikte, die bereits seit Jahren oder Jahrzehnten schwelen, würden in Europa kaum wahrgenommen, sagt Mayer. Ein Grund dafür sei, dass sich die Kriegsführung wesentlich verändert habe. "Es gibt kaum noch Kriege mit Entscheidungsschlachten. Es gibt einen Wandel hin zu permanenten Scharmützeln und zu Dauerkrisen ohne Entscheidungen", so Mayer.

Die Ursachen für Konflikte sind vielfältig. Ideologische, religiöse und ethnische Spannungen oder der Versuch, das politische oder wirtschaftliche System zu ändern, führen den Experten zufolge besonders häufig zu Konflikten. Oft werde auch um die Unabhängigkeit oder Vorherrschaft in einer Region gekämpft. In Afrika gebe es zahlreiche Konflikte um Ressourcen wie Diamanten, Öl und Edelhölzer.

Der Klimawandel birgt neuen Konfliktstoff

Für neuen Konfliktstoff könnte künftig der Klimawandel sorgen. Der Weltklimarat befürchtet, dass wegen der Erderwärmung tausende Menschen aus ihrer Heimat vertreiben werden könnten. Dies könnte nach Ansicht von Experten Kriege und Konflikte auslösen.

Gekämpft wird vor allem mit Waffen wie Pistolen oder Kalaschnikows oder auch Sprengstoff. "Die Mehrzahl der Konflikte wird mit einfachen Waffen ausgetragen", sagt Mayer. Viele davon seien Überbleibsel aus dem Kalten Krieg. Außerdem brächten Schmuggler zahlreiche Waffen in die Krisenregionen. Andere Waffen werden von Nachbarland zu Nachbarland weitergereicht - von einem blutigen Kampf zum nächsten.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.