Politik

Nachrüstung für 25 Milliarden Euro nötig AKW-Stresstest fällt schlimm aus

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Atomkraftwerk Fessenheim in Frankreich soll nach dem Willen der Regierung schließen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Europas Atomkraftwerke fallen beim Stresstest durch. Die Experten der EU-Kommission weisen erhebliche Mängel nach, deren Beseitigung viele Milliarden kosten wird. Betroffen sind praktisch alle 68 Nuklearanlagen mit ihren 134 Reaktoren. Der Vergleich der EU-weiten Mängelliste fällt vor allem für die französischen Anlagen schlecht aus.

Die Überprüfung europäischer Atomkraftwerke durch die EU-Kommission hat schwere Mängel und einen Nachrüstungsbedarf in einer Größenordnung von bis zu 25 Milliarden Euro aufgezeigt. Bei dem AKW-Stresstest seien "hunderte technische Verbesserungsmaßnahmen" identifiziert worden, berichtet die Zeitung "Die Welt" unter Berufung auf den Abschlussbericht, den EU-Energiekommissar Günther Oettinger am Mittwoch vorstellen will.

"Praktisch alle Anlagen" bedürften verbesserter Sicherheitsmaßnahmen, heißt es demnach in dem Bericht, der nach dem Atom-Unglück im japanischen Fukushima im März 2011 in Auftrag gegeben worden war. Umweltschützer kritisierten, dass die Prüfkriterien verwässert wurden. So zählten beispielsweise Terrorangriffe nicht zu den Testszenarien.

Die meisten Kritikpunkte betreffen Frankreich

Bei deutschen Atomkraftwerken kritisiert Brüssel demnach die auf den Anlagen selbst installierten Erdbeben-Warnsysteme als unzureichend. Auch seien die von der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA vorgeschriebenen Leitlinien bei schweren Unfällen nicht voll umgesetzt. Der Vergleich der EU-weiten Mängelliste fällt vor allem für die französischen Anlagen schlecht aus. Bei ihnen stellten die Experten die meisten Kritikpunkte fest.

In der EU stehen in 14 Ländern Atomkraftwerke. Insgesamt zählt die Europäische Union 68 Nuklearanlagen mit 134 Reaktoren.

"Die Identifizierung von hunderten notwendigen Sicherheitsverbesserungen für die existierenden Nuklearanlagen erfordern eine Gesamtinvestition zwischen zehn und 25 Milliarden Euro in den kommenden Jahren", heißt es in dem Abschlussbericht. Oettinger wollte den endgültigen Bericht eigentlich schon im Sommer der Öffentlichkeit vorlegen, gab aber Ende April eine Verschiebung auf den Herbst bekannt. Er will die geltende EU-Gesetzgebung für Nuklearsicherheit in den kommenden Monaten verschärfen, um einen besseren Zugriff auf die EU-weiten Standards zu haben.

Quelle: ntv.de, ppo/AFP

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