Politik

Helfer trotzen der Gefahr AU kämpft um Mogadischu

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Soldaten der Afrikanischen Union in der somalischen Hauptstadt.

(Foto: AP)

Millionen Menschen hungern in Ostafrika und brauchen Hilfe. In Mogadischu kämpfen Truppen der Afrikanischen Union gegen militante Islamisten um die Kontrolle der somalischen Hauptstadt. Trotz der lebensgefährlichen Bedingungen erhalten die Vereinten Nationen die Luftbrücke und die Verteilung der Lebensmittel aufrecht. Die Bundesregierung betont: "Nothilfe ist das Gebot der Stunde".

Die Rettungsaktionen für die hungernden Menschen in Somalia gehen trotz der immer prekärer werdenden Sicherheitslage weiter: Die Vereinten Nationen setzen ihre Luftbrücke nach Somalia fort und flogen mit zwei Maschinen in die Hauptstadt Mogadischu und nach Gedo im Westen des Landes. Die Aktion soll in den nächsten Tagen weitergehen. Insgesamt will das Welternährungsprogramm (WFP) über 100 Tonnen Hilfsgüter in die Region fliegen.

Mit den angereicherten Nahrungsmitteln sollen Zehntausende Menschen versorgt werden. Vor allem Kinder leiden unter der schlimmsten Dürre seit 60 Jahren.

Angst um Sicherheit

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Die Flüchtlingslager sind völlig überfüllt.

(Foto: dpa)

Gleichzeitig wird die Angst um die Sicherheit von Zivilisten und Flüchtlingen größer. In Mogadischu waren am Donnerstag Kämpfe zwischen Friedenstruppen der Afrikanischen Union (AU) und der radikalen Al-Shabaab-Miliz entbrannt. Dies habe das Risiko für Zivilisten in der Hauptstadt sowie auch für die schätzungsweise 100.000 Binnenflüchtlinge, die in den vergangenen Monaten in Mogadischu Zuflucht gesucht haben, erheblich erhöht, teilte das UN-Flüchtlingskommissariat UNHCR mit.

Ziel der AU-Aktion sei es gewesen, die Flüchtlingscamps in Mogadischu vor Angriffen der Rebellen zu schützen, berichtete der britische Sender BBC. "Die Al-Shabaab hat angekündigt, die Lager angreifen zu wollen, wenn die Menschen nicht in ihre Heimatregionen zurückkehren. Unsere Aktion war dazu bestimmt, dies zu verhindern", sagte ein AU-Sprecher.

Die Miliz verbietet westlichen Hilfsorganisationen seit Jahren, in den von ihr kontrollierten Gebieten vor allem im Süden des Landes zu arbeiten. Südsomalia ist aber besonders stark von der Hungersnot betroffen, weshalb Hunderttausende Menschen in andere Landesteile oder in die Nachbarländer flüchten.

Ernährungsprogramm trotzt Gefahr

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Die Kinder der Hungerregion leiden besonders.

(Foto: dpa)

Das WFP will trotz der prekären Lage weiter Mahlzeiten austeilen. In 20 über die Stadt verteilten Ernährungszentren bekämen 85.000 Menschen pro Tag ein warmes Essen, hieß es. Gleichzeitig strömten weiter bis zu 1500 Somalier täglich in das größte Flüchtlingslager im kenianischen Dadaab, sagte Christopher Tidey vom Kinderhilfswerk Unicef. Das ursprünglich für 90.000 Menschen gebaute Lager beherberge mittlerweile über 400.000 Menschen, hieß es.

Die Vereinten Nationen riefen wegen der katastrophalen Lage zu weiteren Spenden auf. "Die Menschen in Somalia - die Verletzten, Binnenvertriebenen und die vielen Flüchtlinge - brauchten noch nie so dringend Schutz und humanitäre Hilfe wie jetzt", sagte George Oktoh-Obbo, Direktor des UN-Flüchtlingskommissariats UNHCR in Afrika. "Das Ziel ist es, etwa 400.000 hilfsbedürftige Menschen in Somalia noch bis Ende August zu erreichen", fügte Bruno Geddo, UNHCR-Vertreter für Somalia, hinzu. "Dies würde das Leid der Schwächsten ein wenig lindern, die nicht die Kraft haben zu reisen, um sich Hilfe zu suchen."

Aigner: Landwirtschaft entwickeln

Nach Einschätzung der Bundesregierung wird sich die Lage in Somalia weiter verschärfen. "Was sich abzeichnet, ist in der Tat noch eine starke Zunahme der Toten und der Opferzahlen", sagte Walter Lindner, Afrika-Beauftragter des Außenministeriums. Die UN-Luftbrücke sei vernünftig und müsse weiter verstärkt werden, erklärte er. Dennoch sei das Vorgehen in Somalia bisher nicht zufriedenstellend: "Natürlich ist es unbefriedigend. Wir alle müssen uns Gedanken machen, wie wir die Situation verbessern können. Da hat bislang keiner den Stein der Weisen gefunden."

Zwar will die Bundesregierung die Stärkung der Landwirtschaft zu einem Schwerpunkt der deutschen Entwicklungshilfe machen. Doch angesichts der Hungerkatastrophe in Ostafrika sei jetzt die Nothilfe für die Menschen "das Gebot der Stunde", sagte eine Sprecherin von Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU). "Mittel- und langfristig müssen wir aber die Ursachen dieser Katastrophe bekämpfen." Dazu gehöre die teils miserabel entwickelte Landwirtschaft in Krisenregionen.

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Spenden sind dringend nötig.

(Foto: dpa)

Das Ministerium sei sich mit dem Entwicklungshilferessort einig über diesen Schwerpunkt. Nötig seien vor allem Investitionen in Beratung, Ausbildung und Agrarforschung. Die Produktivität der Landwirtschaft müsse auch in Regionen verbessert werden, wo sie bislang nur eine marginale Rolle spiele. "Nicht zu vergessen ist das Recht auf eigenes Land", sagte die Sprecherin. Landwirtschaft und die ländliche Entwicklung seien in den beiden vergangenen Jahrzehnten bei der Entwicklungspolitik vernachlässigt worden.

Am Horn von Afrika brauchen UN-Schätzungen zufolge 11,5 Millionen Menschen Nahrungshilfe.

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Quelle: n-tv.de, dpa

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