Politik

Ein Stück vom Kuchen Afghanistan versteigert Schätze

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Afghanistans Bergbauminister Shahrani spricht sogar von Bodenschätzen im Wert von 3 Billionen US-Dollar - dreimal so viel, wie von den USA angegeben.

(Foto: AP)

Der "von den USA entdeckte Reichtum Afghanistans" beruht auf Erkenntnissen aus den 60er und 70er Jahren - unter geologischer Vorarbeit der Deutschen. Das heißt, jeder, der in Afghanistan Krieg führte, hätte davon wissen müssen. Jetzt schreibt das Land seine Bodenschätze zur Erschließung aus.

Für Afghanistan bricht eine neue Zeit an, denn das Land ist reich an Bodenschätzen. US-Regierungsvertreter hatten vor wenigen Tagen der "New York Times" einen Bericht zugespielt, wonach das von Kriegen und Bürgenkriegen verarmte und zerstörte Land zu einem der weltgrößten Bergbauzentren avancieren könnte. Von bisher unentdeckten Bodenschätzen im Wert von einer Billion Dollar ist die Rede.

Bereits in der kommenden Woche will Afghanistan mit einer großen Informationsveranstaltung in London für seine Bodenschätze werben. Damit solle vor allem das Interesse internationaler Unternehmen für Vorkommen an Eisenerz und anderen Mineralien gewonnen werden, sagte der afghanische Botschafter in den USA, Said Dschawad. Vertreter von rund 200 Unternehmen würden zu der Veranstaltung erwartet.

Dabei soll es um Einzelheiten einer Ausschreibung zur Erschließung von geschätzten 1,8 Milliarden Tonnen hochwertigen Eisenerzes in Hadschigak westlich von Kabul gehen. Außerdem will Afghanistan die Aufmerksamkeit auf das Potenzial der heimischen Bodenschätze richten.

Wettstreit wird angeheizt

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Zunächst hatten sich die USA als Entdecker des ungeheuren Mineralienschatzes bezeichnet.

(Foto: dpa)

Das krisengeschüttelte Land hat große Vorkommen an Lithium, Eisenerz, Kupfer, Kobalt und Gold. Dies dürfte den Wettstreit der Regionalmächte China, Indien und sogar Russland um einen größeren Einfluss bei der Ausbeutung der Ressourcen anheizen. Zwei chinesische Firmen sind bereits im Geschäft: Sie wollen vier Milliarden Dollar in die riesige Kupfermine von Aynak investieren, die südlich der Hauptstadt Kabul liegt. Es ist die größte nicht-militärische Investition bisher in Afghanistan.

Die Rolle der USA in der aktuellen Entwicklung Afghanistan ist noch völlig unklar. Allein die Lithium-Reserven sind so groß, dass das Land zum "Saudi Arabien für Lithium" werden könnte, zitierte die "New York Times" aus einem internen Bericht des US-Verteidigungsministeriums. Lithium wird für wieder aufladbare Batterien gebraucht - für Handys, Laptops oder Elektroautos. Der Chef des US-Zentralkommandos in Afghanistan, General David Petraeus, sprach von Funden, die "atemberaubende Möglichkeiten" eröffneten. Für wen, ließ er dabei offen. Laut US-Regierungsvertretern war der afghanische Präsident Hamid Karsai erst kürzlich über die Funde informiert worden.

Bodenschätze schon vor dem Krieg bekannt

Erforscht wurden die Bodenschätze Afghanistans aber schon lange vor den Amerikanern, und zwar aufbauend auf deutschen Arbeiten. Darauf weist der Geowissenschaftler der TU Bergakademie Freiberg, Professor Lothar Ratschbacher, hin. Die Sowjetunion habe Afghanistan vor allem in den 70er Jahren systematisch geologisch erforscht, sagte der Wissenschaftler der Chemnitzer "Freien Presse". Die Vorarbeiten hätten Deutsche in den 60er Jahren – in einer friedlicheren Epoche – geleistet.

Es habe gar keine neuen Untersuchungen durch amerikanische Geologen gegeben, sagte Ratschbacher. "Und schon gar nicht wurden systematische Untersuchungen vor Ort durchgeführt. Es ist vielmehr eine wissenschaftliche Neubewertung geologischen Materials, vor allem von Karten, aus der Zeit der Sowjetunion erfolgt", ergänzte der österreichische Forscher, der seit 1999 in Freiberg lehrt. Die jetzt verbreiteten Untersuchungen habe der geologische Dienst der USA durchgeführt. "Dazu kamen noch neuere Untersuchungen aus der Luft mittels Satellit und Flugzeug, die aber für eine Bewertung von Mineralvorkommen nicht aussagekräftig sind", sagte Ratschbacher.

Quelle: ntv.de, ppo/dpa/rts/AFP

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