Politik

Wegen Totschlags an Revolutionsikone Chaled Said Ägyptisches Gericht verurteilt Polizisten

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"Dein Blut ist nicht billig, Chaled", steht auf dem Poster einer Demonstrantin in Kairo kurz nach dessen Ermordung im Juni 2010. Der junge Alexandriner wurde zu einer der Ikonen der jungen Revolutionäre beim Sturz von Husni Mubarak.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der junge Mann wird zur Ikone des Arabischen Frühlings, obwohl er ihn nicht mehr erlebt. Für den Totschlag an Chaled Said verurteilt ein Gericht in Alexandria in zweiter Instanz zwei Polizisten. Doch auch nach diesem Urteil ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Ein Gericht in Alexandria hat zwei Polizisten wegen der Tötung der posthumen Revolutionsikone Chaled Said zu jeweils zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Die Richter sahen den Tatbestand der schweren Körperverletzung mit Todesfolge als erwiesen an. Die beiden Drogenfahnder hatten den Blogger Said, der sie wegen korrupter Machenschaften bloßstellen wollte, im Juni 2010 beim Verlassen eines Internet-Cafés in Alexandria dermaßen schwer misshandelt, dass er an den Verletzungen starb.

Said war ohne nachvollziehbaren Grund festgenommen worden. Im Internet waren damals Fotos aufgetaucht, die das völlig entstellte Gesicht der Leiche Saids zeigten. Dessen ungeachtet hatte die Polizei zunächst behauptet, er sei gestorben, weil er bei seiner Festnahme einen Beutel Drogen verschluckt habe. Der Tod des damals 28-Jährigen hatte die Wut der prodemokratischen Protestbewegung auf die Polizei und den autoritären Machtapparat Ägyptens enorm angeheizt. Diese führte ein halbes Jahr später zur Revolution gegen das Regime des Langzeitherrschers Husni Mubarak, der im Februar 2011 zurücktreten musste.

Auf der Said-Gedenkseite auf Facebook mit dem Namen "Wir sind alle Chalid Said" war einer der ersten Aufrufe zur Revolte gegen Mubarak erschienen. Die Aktivisten, die die Seite betreiben, verlinken auch heute noch kritische Artikel, die über Polizeiwillkür, Machtmissbrauch und Gewalt in Ägypten berichten.

Das Urteil gegen die beiden Polizisten ist noch nicht rechtskräftig. Sie waren schon in einem ersten Prozess im Oktober 2011 zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Der Kassationsgerichtshof hatte allerdings einen neuen Prozess angeordnet. Bei dem Richterspruch saßen die beiden Beamten in weißer Sträflingskleidung hinter einem Metallgitter auf der Anklagebank. Die Eltern Saids hatten 15 Jahre Haft gefordert. Die Anwälte der Polizisten kündigten an, erneut vor den Kassationsgerichtshof zu ziehen.

Quelle: ntv.de, nsc/dpa/AFP

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