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Mittwoch, 21. Mai 2014

Ex-Diktator erneut verurteilt: Das Leben des Husni Mubarak

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Drei Jahre Haft lautet das Urteil, das ein Gericht in Kairo gegen Ägyptens früheren Langzeitherrscher Husni Mubarak spricht. (Foto: dpa)

Drei Jahre Haft lautet das Urteil, das ein Gericht in Kairo gegen Ägyptens früheren Langzeitherrscher Husni Mubarak spricht.

Drei Jahre Haft lautet das Urteil, das ein Gericht in Kairo gegen Ägyptens früheren Langzeitherrscher Husni Mubarak spricht.

In dem Korruptionsprozess, der jetzt zu seinem Ende kam, sind auch Mubaraks Söhne, Gamal und Alaa, angeklagt. Sie werden zu jeweils vier Jahren Haft verurteilt.

Aber wird der 86-Jährige diese Haft überhaupt antreten? Im August 2013 ordnete ein Gericht bereits einmal an, dass Husni Mubarak nicht länger im Gefängnis bleiben müsse.

Der 2011 gestürzte Diktator (hier ein Foto von 1980) wird in ein Militärkrankenhaus verlegt und unter Hausarrest gestellt. Angeblich auch, damit der Mob keine Lynchjustiz an ihm üben könne

Mubarak regierte das bevölkerungsreichste arabische Land länger als seine beiden Vorgänger zusammen. Gamal Abd al-Nasser (1918-1970, hier im Bild) war Präsident von 1954 bis 1970. Er galt als charismatisch. Heute würde man ihn als Workaholic bezeichnen. Im Alter von 52 Jahren fiel er buchstäblich tot um.

Nassers Nachfolger Anwar al-Sadat regierte von 1970 bis zu seiner Ermordung 1981. Beide Präsidenten zusammen kamen auf eine Amtszeit von 27 Jahren.

Nach Sadats Ermordung rückte Mubarak als dessen Vize automatisch in das Amt des Präsidenten auf.

Über die Jahre seiner Amtszeit stand ihm Ehefrau Suzanne Mubarak (geboren 1941) treu zur Seite.

Mit ihr hat Mubarak zwei Söhne, die nach dem Umsturz von 2011 ebenfalls mehrfach angeklagt wurden. Der Ältere ist Alaa. Er hielt sich stets aus der Öffentlichkeit und der Politik zurück. Er ist Anfang 50.

Bekannter ist Gamal Mubarak, der einst als Kronprinz seines Vaters galt. Er wurde 1963 geboren.

Schon als Vizepräsident war Mubarak viel unterwegs. 1977, mit 49 Jahren, besuchte er in Paris eine Flugshow.

Wenn man sich nur einmal anschaut, welche anderen Staats- und Regierungschefs Mubarak kommen und gehen sah, ...

... wird klar, wie lange der Autokrat am Ruder war. Hier besucht er Jimmy Carter im Weißen Haus. Wir schreiben das Jahr 1979, Mubarak war zu dieser Zeit noch Vize-Präsident.

1983 besuchte er die indische Premierministerin Indira Gandhi, die ein Jahr darauf starb.

Die große Zeit Mubaraks waren die 80er Jahre. Als Präsident des bevölkerungsreichsten arabischen Landes wurde er als Garant für Stabilität im Nahen Osten gesehen. 1985 besuchte er die britische Premierministerin Margaret Thatcher in London.

Kein westlicher Staatschef kam an dem Ägypter mit den markanten Zügen vorbei, sei es US-Präsident Ronald Reagan ...

... oder Bundeskanzler Helmut Kohl, hier 1988 in Bonn.

Auffällig: Der damals auch schon nicht mehr ganz junge Mubarak sah neben Amtskollegen wie François Mitterrand stets aus wie das blühende Leben. Hier trifft der Ägypter den französischen Präsidenten im Jahr 1992.

In der arabischen Welt war Mubarak ein mächtiger Mann, wenn auch nicht immer beliebt. Den Friedensschluss mit Israel, den bereits Sadat eingeleitet hatte, kündigte Mubarak nicht auf. Zum Palästinenserführer Jassir Arafat pflegte er dennoch engen Kontakt (hier ein Treffen 1985).

Kairo richtete 2004 die Trauerfeier für Arafat aus, bevor der Sarg nach Palästina überstellt wurde.

Gemeinsam verhandelten Mubarak und Arafat 1988 mit dem irakischen Langzeitmachthaber Saddam Hussein über den Nahostkonflikt. Beide hat Mubarak um einige Jahre überlebt.

Seine pro-amerikanische Position im Zweiten Golfkrieg, als die USA unter George Bush in den Irak einmarschierten, brachte Mubarak unter seinen "arabischen Brüdern" allerdings Kritik und Verachtung ein.

Überhaupt: Ohne Mubarak fand im Nahen Osten kein größeres politisches Ereignis statt. 1995 ist er im Weißen Haus dabei, als Arafat und der israelische Premier Jitzhak Rabin das Abkommen über die Aufteilung der Westbank und des Gazastreifens unterzeichnen.

Auch zum saudischen Königshaus pflegte Mubarak einen guten Kontakt. 1989 war der 2005 verstorbene König Fahd in Kairo zu Besuch. Politisch war man sich zwar nicht immer einig, doch boten die Saudis an, Mubarak Asyl zu gewähren.

Zwar nicht in Lebenszeit, aber in Amtszeit muss Mubarak aber seinem Nachbarn Muammar al-Gaddafi eines lassen: Der libysche Revolutionsführer regierte das Nachbarland mehr als 40 Jahre. Im Jahr 1992 (im Bild: beide treffen sich in Tripoli) ist beider Macht noch unangefochten.

Für welche Politik aber stand Mubarak im Inland?

Insgesamt hat Mubarak die längste Zeit tatsächlich für eine gewisse Stabilität in Ägypten gesorgt. Seine Amtszeit war von wenigen Höhepunkten geprägt - im positiven wie im negativen Sinne.

Mit dem Militär hinter sich wusste Mubarak hart durchzugreifen, wann immer sich im Land Widerstand regte. 1986 verwüsteten aufgebrachte Bürger in Giseh - bei Touristen bekannt wegen der Pyramiden - einen ganzen Stadtteil. Der Präsident ließ den Aufstand niederschlagen.

Die 90er Jahre waren in Ägypten vom Konflikt zwischen der pro-westlich und säkular ausgerichteten Mubarak-Regierung und Islamisten geprägt. Reihenweise wurden Mitglieder der verbotenen Muslimbruderschaft verhaftet und in die berüchtigten Gefängnisse des Landes gesteckt.

Im November 1997 erschossen islamistische Attentäter am Hatschepsut-Tempel in Luxor 68 Touristen. Damit hatte der Kampf zwischen Regime und Islamisten seinen Höhepunkt erreicht. Inzwischen lässt sich sagen: Damals gewann Mubarak den Kampf fürs erste, doch der forderte viele Opfer. Der Präsident selbst entging nur knapp einigen Attentaten.

Mubaraks Macht innerhalb der arabischen Welt blieb unangefochten. Ein Grünschnabel wie der junge Baschar al-Assad (hier im Jahr 2000) konnte ihm nicht das Wasser reichen.

Gutgelaunte ältere Herren: Jassir Arafat, Husni Mubara, der spanische Premier José Mario Aznar und der israelische Außenminister Schimon Peres. Dieses Foto entstand 2001 beim Euromediterranen Gipfel auf Mallorca.

2002 besuchte Mubarak den tunesischen Präsidenten Zine Al-Abidine Ben Ali in Tunis. Der Tunesier stürzte als Erster im Arabischen Frühling - einen Monat vor Mubarak im Januar 2011.

Sie wurden gemeinsam alt: mit Gaddafi 2005 beim Arabischen Gipfel im Sudan.

Selbst 2010 war für die Despoten Arabiens die Welt noch in Ordnung: Jemens Präsident Ali Abdullah Salih, Libyens Muammar al-Gaddafi und Husni Mubarak beim Afro-Arabischen Gipfel in Sirte.

Irgendwie verwundert dieses Motiv überhaupt nicht. Mubarak war nicht der einzige arabische Autokrat, mit dem der Italiener Silvio Berlusconi sich gut verstand. Hier herzen sich die beiden 2006 in Rom.

Auch die jüngere Politikergeneration musste sich mit Mubarak arrangieren - hier flüstert Nicolas Sarkozy ihm etwas ins Ohr.

Wie sämtliche ihrer Vorgänger empfing auch Kanzlerin Merkel Mubarak im Bundeskanzleramt. 2008 besuchte er sie in Berlin.

Auch für die neue US-Regierung von Präsident Obama war Mubarak einer der wichtigsten Verbündeten in der arabischen Welt. 2010 erklärt der bereits stark gealterte Mubarak dem jungen Obama im Oval Office die Welt.

Dabei wackelte Mubaraks Thron innerhalb Ägyptens schon seit Jahren. Die "Kifaya"-Bewegung (ägyptisch-arabisch für "genug") legte 2005 die Grundlagen für die Revolution 2011. Schon damals schrien Demonstranten: "Nein zu Mubarak!"

Allerdings waren sich damals die Ägypter noch nicht ganz einig. Befürworter des Präsidenten gingen damals ebenfalls auf die Straße.

Anfang 2011 wurde der Druck der Straße immer größer: Am 11. Februar 2011 trat Mubarak schließlich zurück.

Auch wenn Mubaraks Verbündeten in der Welt nicht uneingeschränkt wohl dabei war, dass das ägyptische Volk ihn 2011 dann wirklich stürzte - sie konnten nichts dagegen tun und wendeten sich von Mubarak ab.

Das Urteil des Volkes lautete: Strang. Anfang Juni 2012 verurteilte ihn ein Gericht in Kairo zu lebenslanger Haft.

Ein gutes Jahr später wurde er wieder ins Krankenhaus verlegt. Ob der gebrechliche Mubarak die neue Haftstrafe antreten muss, ist fraglich.

Sie dürfte die ohnehin angespannte Lage in Ägypten noch deutlich verschärfen.

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