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Nutznießer des Chaos Al-Kaida erobert Flughafen im Jemen

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Im ostjemenitischen Hadramaut kämpfen auch noch Stämme gegen Al-Kaida. Ob sie stark genug sind, ist fraglich.

REUTERS

Ein weiteres Mal machen sich Dschihadisten das Durcheinander im Jemen zunutze und überrennen Posten der Regierungstruppen. Die Exilregierung in Saudi-Arabien ruft ihre Armee auf, ihr treu zu bleiben. Für die Zivilbevölkerung verschlechtert sich die Lage weiter.

Die Dschihadistengruppe Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (Aqap) hat im Südosten des Jemens einen Militärflughafen erobert. Die auf dem Flughafen der Küstenstadt Mukalla stationierten Regierungstruppen hätten sich kampflos vor den Al-Kaida-Kämpfern zurückgezogen, sagte ein Flughafenvertreter.

Der jemenitische Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida hatte kürzlich Mukalla, die Hauptstadt der Provinz Hadramaut, sowie weitere Orte eingenommen. Neben dem Flughafen nahmen die "Söhne des Hadramaut", wie sich die lokalen Al-Kaida-Milizen nennen, auch einen Ölhafen ein. Laut örtlichen Journalisten kontrollieren die Extremisten auch Luftabwehr- und Infanteriebrigaden in der Hafenstadt.

Nachdem die Streitkräfte in Mukalla eine solch schlechte Figur gemacht hatten, rief der jemenitische Vizepräsident Chaled Bahah sie von Riad aus auf, die Exilregierung weiter zu unterstützen. Die Führung des Landes hält sich in Saudi-Arabien auf, von wo die seit drei Wochen andauernden Luftangriffe auf den Jemen ausgehen. Sie sollen die Huthi-Miliz zum Rückzug zwingen, die über Monate hinweg die Macht in dem armen südarabischen Land übernommen haben.

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Viele Jemeniten fliehen per Schiff nach Puntland, das ein Teil von Somalia ist.

(Foto: REUTERS)

Die Exilregierung in Riad sprach sich gleichzeitig gegen den Einsatz saudischer Bodentruppen gegen die Huthis aus. "Wir hoffen immer noch, dass es neben den Luftangriffen nicht auch zu einem Einsatz am Boden kommt", erklärte der Vizepräsident. Der Präsident des Jemen, Abed Rabbo Mansur Hadi, hatte Saudi-Arabien um Hilfe angerufen. Die Streitmacht schuf daraufhin ein Militärbündnis aus zehn Staaten, um die Huthis anzugreifen. Offenbar wurde nun auch Indonesien gebeten, sich zu beteiligen. Bisher sind Kuwait, Katar, Bahrain, die Emirate, Ägypten, Marokko, die Türkei, Pakistan, Sudan und Jordanien an dem Einsatz beteiligt.

12 Millionen Menschen ungenügend versorgt

Bei den Bombardements sind bereits mehrere Hundert Zivilisten ums Leben gekommen. Die Angriffe müssten "sofort und bedingungslos beendet werden", sagte Mohammed al-Buchaiti, ein Mitglied des Huthi-Politbüros der Agentur Reuters. An der Seite der Miliz kämpfen Teile des Militärs, die dem ehemaligen Präsidenten Ali Abdullah Saleh gegenüber loyal sind.

Anwohner berichteten von einer neuen Front nahe Taizz in der Mitte des Landes. Dort kämpften Stammesmitglieder gegen Huthi-Milizen. Auf beiden Seiten seien Soldaten beteiligt, hieß es. Bislang sind alle Friedensbemühungen gescheitert. Am Mittwoch trat der UN-Gesandte für den Jemen, Dschamal Benomar, zurück.

Die anhaltenden Kämpfe bedrohen nach Angaben der Vereinten Nationen die Versorgung der Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln. Das Welternährungsprogramm (WFP) erklärte, zwölf Millionen Menschen - fast die Hälfte - in dem verarmten Land seien als "versorgungsgefährdet" eingestuft. Der Jemen importiert etwa 90 Prozent der Lebensmittel.

Quelle: n-tv.de, nsc/rts/AFP/dpa

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