Politik

Vom Feldmarschall zum Präsident? Al-Sisi lässt sich befördern

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Al-Sisi müsste vor seiner Bewerbung für das höchste Amt im Staat aus der Armee ausscheiden.

(Foto: picture alliance / dpa)

Noch heißt der Staatschef Adli Mansur, als starker Mann in Ägypten gilt jedoch General Abdel Fattah al-Sisi. Der Armeechef scheint nun auch offiziell die Macht übernehmen zu wollen. Er trifft letzte Vorbereitungen vor einer möglichen Präsidentschaftskandidatur.

Eine Kandidatur des ägyptischen Armeechefs Abdel Fattah Al-Sisi bei der Präsidentenwahl wird immer wahrscheinlicher. Al-Sisi wurde zum Feldmarschall befördert und hat nun den höchsten militärischen Rang des Landes inne. Aus Sicherheitskreisen verlautete, er wolle dem Volk seine "definitive Entscheidung" in den "kommenden Stunden" mitteilen.

Die Führung des ägyptischen Militärs billigte eine mögliche Präsidentschaftskandidatur von Al-Sisi, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Mena. Die Armeeführung stimmte damit auch einem Ausscheiden Al-Sisis aus dem Militärdienst zu, was eine Voraussetzung für die Kandidatur ist.

Al-Sisi hatte im Juli nach Massenprotesten Präsident Mohammed Mursi entmachtet. Bevor al-Sissi am 3. Juli 2013 im Fernsehen den Sturz des gewählten islamistischen Präsidenten Mursi verkündete, war er außerhalb Ägyptens weitgehend unbekannt. Mursi selbst hatte den frommen Muslim im August 2012 zum Armeechef und Verteidigungsminister ernannt. Er wollte einen jungen General an der Spitze der Streitkräfte haben, um den Einfluss der von Mubarak ernannten alten Garde zurückzudrängen.

Anders als Mursi, der für Kritik taub schien, vernahm al-Sissi den wachsenden Unmut der Bevölkerung darüber, wie die Muslimbruderschaft Mursis das Land zugrunde richtete. Schließlich stellte er dem Mann, der ihn auf den Schild hob, ein Ultimatum: Mursi solle den Forderungen der Demonstranten binnen 48 Stunden nachgeben oder das Militär werde eingreifen.

Wahlsieg wäre Al-Sisi sicher

Seitdem gilt Al-Sisi als der wahre Machthaber in Ägypten. Zwar wurde offiziell Verfassungsgerichtspräsident Mansur als Übergangspräsident eingesetzt, doch hält Al-Sisi als Armeechef und Verteidigungsminister die Zügel in der Hand. Al-Sisi gilt seit Monaten als Anwärter für eine Kandidatur um das Präsidentenamt. Bislang hat er sich dazu noch nicht verbindlich geäußert. Sobald er jedoch seine Kandidatur offiziell anmeldet, muss er laut Verfassung den Dienst in den Streitkräften quittieren. Beobachter werteten seine Beförderung zum Feldmarschall als mögliche letzte militärische Ehrung vor einer zivilen politischen Laufbahn.

Vor einigen Tagen hatte der 1954 geborene al-Sisi seine Bereitschaft zur Kandidatur für das Präsidentenamt bekundet, "wenn das Volk es wünscht". In der Bevölkerung genießt der Armeechef hohes Ansehen, ein Sieg bei der Präsidentenwahl wäre wahrscheinlich. Noch am Wochenende, dem Jahrestag der Revolution gegen Mubarak, feierten ihn Zehntausende auf dem Tahrir-Platz in Kairo.

Stiller Hardliner

Unterstützung erhält der populäre General von verschiedenen Seiten. Da sind einmal die gesellschaftlichen Kräfte, die eine islamistische Regierung ablehnen, aber auch Ägypter, die den Muslimbruder Mohammed Mursi 2012 nur aus dem Grunde gewählt haben, weil der den Wandel weg von der Ära Mubarak symbolisierte. Auch viele liberale Politiker und Kaufleute, die seit Mursis Sturz wieder im Geschäft sind, unterstützen ihn.

Vor allem aber die Streitkräfte, das Machtzentrum Ägyptens, setzen auf den als fromm und koranfest beschriebenen al-Sisi. Sie wollen einen Mann an der Spitze des Staates haben, der der wachsenden politischen Gewalt die Stirn bieten kann. Dass er das gewillt ist zu tun, zeigte das harte Vorgehen von Armee und Polizei am Jahrestag der Revolution.

Ein Ruf als Demokrat eilt dem Mann, der von Freunden und Familie als jemand beschrieben wird, der wenig redet, aber handelt, nicht voraus. "Er liebte es zuzuhören und sorgsam zu prüfen, was gesagt wurde. Nachdem er viele Meinungen gehört hatte, schlug er plötzlich zu", berichtet sein Cousin Fathi al-Sisi. "Abdel Fattah hatte nur eines im Kopf: Arbeit, das Militär, Aufstieg an die Spitze."

Quelle: ntv.de, ave/rts/AFP

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