Politik

Libysche Jugend will Freiheit "Alles wartet auf Gaddafis Fall"

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Antonia Rados in Bengasi.

Das nordafrikanische Land Libyen wird erschüttert, ist erfasst von einer Revolution der Bevölkerung gegen Machthaber Gaddafi, der seit über 40 Jahren an der Macht ist. Antonio Rados befindet sich in Bengasi, einer Stadt im Osten des Landes. Die n-tv-Reporterin berichtet über die Angst der Bevölkerung vor der Rache Gaddafis, der Entschlossenheit des Diktators - und dessen Misstrauen gegenüber der eigenen Armee.

n-tv.de: Frau Rados, wo sind sie momentan? Wie ist die Situation?

Antonia Rados: Ich bin in Bengasi, im Osten Libyens. Anders als in Ägypten oder Tunesien gibt es hier eine blutige Niederschlagung - mit allen Folgen: Laut Gaddafi-Gegnern mit bislang über 1000 Toten, Tausenden Verletzten und nun auch einem Strom von Menschen, die weg wollen. Machthaber Muammar al-Gaddafi sagt, es wird hier nach seinem Fall einen Bürgerkrieg geben. Er tut alles, damit dies auch passiert.

Wo konzentrieren sich derzeit die Kämpfe?

Die Bevölkerung in Ostlibyen starrt regelrecht auf die Hauptstadt Tripolis und hofft, dass dort Massenproteste ausbrechen. Im Moment wird alles vom Regime niedergeschlagen. Ich habe Gaddafi in der Vergangenheit bereits interviewt. Niemand soll sich Illusionen machen über seine Entschlossenheit, an der Macht zu bleiben. Er wird, falls er politisch überlebt, Rache an seinen Gegnern nehmen. Verliert er die Macht, wird er das nicht, ohne bis zum Letzten zu kämpfen.

Wie ist die Stimmung in der Bevölkerung?

Wankelmütig. Viele, die unter Gaddafi gelitten haben, sind gegen ihn. Wendehälse gibt es genug. Freiheit will vor allem die Jugend, Libyen ist ein junges Land. Es ist aber nicht wie in Ägypten, sondern eine Stammesgesellschaft. Libyen ist riesig, mit Ölplattformen und Städten nur entlang der Küste. Und diese Städte braucht man, um Revolutionen zu machen.

Wie werden die Ansprachen Gaddafis aufgefasst?

Sie werden mit Interesse verfolgt. Doch auch hier im Osten des Landes haben die Leute noch Angst vor ihm. Niemand schließt aus, dass er seine Truppen gegen das von den Revolutionären kontrollierte Bengasi schicken wird.

Ist das realistisch?

Meiner Auffassung nach wird die Rolle der Armee überschätzt. Sie besteht aus 50.000 Mann, ist also klein. Gaddafi, selbst Oberst der Militärs, hat den Truppen zudem immer misstraut. Wie Saddam Hussein im Irak hat er eine parallele Armee aufgebaut, Milizionäre, die ihm und seinen Söhnen treu ergeben sind.

Gibt es eine organisierte Opposition?

Es gibt mehrere Exil-Gruppen, wie etwa "Free Libya". Dazu kommen neu formierte Gruppen in Bengasi - der ehemalige Justizminister Jalil hat eine Übergangsregierung gegründet. Es gibt auch islamische Vereinigungen wie die "Libysche Islamische Kampfgruppe". Alles wartet jedoch auf das Eine: den Fall von Gaddafi. Ohne diesen wird es kein neues Libyen geben.

Mit Antonia Rados sprach Roland Peters

Quelle: n-tv.de

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