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Terrorserie im Süden Israels Angreifer beschießen Reisende

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Dieser Bus wurde beschossen. Ein Mensch kam dabei ums Leben.

(Foto: AP)

Sieben Israelis kommen bei mehreren koordinierten Anschlägen nördlich des Badeortes Eilat am Roten Meer ums Leben. Dutzende werden verletzt. Spezialkräfte der Polizei verfolgen die Terroristen und erschießen sie. Bei einem Gegenschlag der israelischen Armee werden sechs Palästinenser getötet. Der Schock in der Urlauberhochburg Eilat sitzt tief. Ulrich W. Sahm berichtet aus Israel.

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Eilig werden Straßensperren errichtet.

(Foto: AP)

In der Urlauberhochburg Eilat am Roten Meer verbringen im August zehntausende Menschen aus aller Welt ihre Ferien. Die südisraelische Stadt galt bislang als sicher. Jetzt haben Terroristen in koordinierten Attacken Busse und Autos angegriffen. Die offizielle Schreckensbilanz: Sieben Tote - sechs Zivilisten und ein Mitglied der Sicherheitskräfte - und nahezu 30 Verletzte.

"Für mich war es eine Routinefahrt. Ich fuhr auf der Straße nahe der Grenze in Richtung eines ägyptischen Postens. Da stehen immer Soldaten, aber dieses Mal eröffneten sie das Feuer auf meinen Bus", erzählte Busfahrer Benni Bilawski. In den Mittagsstunden war sein Bus der Linie 392 auf der Strecke von Beer Schewa nach Eilat beschossen worden. Dieser erste Zwischenfall dieser Serie von Terroranschlägen rund 28 Kilometer nördlich von Eilat hatte einen Toten, sieben Verletzte und zwanzig Schockverletzte zur Folge.

Eine ähnliche Aussage machte Sarah aus Lod. Sie war im Auto mit ihren Kindern auf dem Weg nach Eilat. "Ich sah ägyptische Soldaten, oder jedenfalls Männer in solchen Uniformen, die das Feuer auf uns eröffneten." Zwei ihrer Kinder wurden verletzt. "Obwohl sie angeschnallt waren, schrie ich sie an, dass sie sich auf den Boden werfen sollten. Eine Kugel schlug wenige Zentimeter vom Kopf meiner Tochter ein." Israelische wie ägyptische Sprecher dementierten jedoch, dass die ägyptische Armee in "irgend einer Weise" in die Feuergefechte verwickelt war.

Berichte über weitere Anschläge

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Die Verletzten wurden mit Hubschraubern in die Krankenhäuser gebracht.

(Foto: REUTERS)

In schneller Abfolge berichteten die Rundfunksender über weitere Anschläge. Ein zweiter Bus wurde 26 Kilometer vor Eilat von einem Selbstmordattentäter zerstört. Das kam der Fahrer ums Leben, weitere Passagiere saßen nicht in den Bus. Sondereinheiten der Polizei lieferten sich mit einer Terrorzelle ein Feuergefecht. Kampfhubschrauber wurden eingesetzt. Nach etwa einer Stunde hieß es, dass "sechs oder sieben" Terroristen getötet worden seien.

Wenig später berichten die Sender von der Explosion einer Sprengfalle. Ein Militärfahrzeug sei getroffen worden. Berichte von Toten wurden zunächst nicht bestätigt, da erst die Familienangehörigen informiert werden müssen. Erste Untersuchungen der israelischen Armee hätten ergeben, dass die Angreifer angeblich einen Israeli entführen wollten. Das sei erfolgreich verhindert worden.

Bei einer Straßensperre auf der Hauptstraße vom Norden nach Eilat sahen Reporter mehrere Privatwagen mit Einschusslöchern. In einem Auto seien vier Menschen getötet worden, in einem anderen eine weitere Person.

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Am Abend geben die israelischen Behörden die genaue Zahl der Opfer bekannt: Sechs Tote und 30 Verletzte.

(Foto: AP)

Nach Armeeangaben kamen die Terroristen möglicherweise über die offene und nicht richtig befestigte Grenze von Ägypten nach Israel. "Da mehrere Sprengsätze explodierten, Mörsergranaten abgefeuert, ein Bus von einer Panzerfaust getroffen sowie weitere Fahrzeuge beschossen wurden, müssen die Angreifer bestens ausgerüstet gewesen sein", heißt es.

Bislang übernahm keine der infrage kommenden militanten Gruppen die Verantwortung für die Anschlagsserie. Verteidigungsminister Ehud Barak kündigte dennoch eine harsche Reaktion an. Im Gazastreifen räumten Kämpfer der Hamas in Erwartung eines israelischen Angriffs ihre Stellungen.

Wenig später griffen israelische Kampfjets Ziele im Gazastreifen an und töteten nach übereinstimmenden Berichten sechs Menschen - darunter laut israelischer Armee der Planer der Anschlagsserie und der Kommandeur des "Volkswiderstandes". UN-Generalsekretär Ban Ki Moon warnte Israel und Palästinenser vor einer Eskalation. Er forderte alle Seiten zur "Zurückhaltung" auf. Die USA stärkten wie immer in solchen Fällen den Israelis den Rücken. Man stehe im Kampf gegen den Terrorismus eng beieinander, heißt es aus dem Weißen Haus.

Israel lässt ägyptische Soldaten zu

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(Foto: stepmap.de)

In einer schriftlichen Stellungnahme übte Barak scharfe Kritik an Ägypten. Die Überfälle zeugten davon, dass die ägyptischen Streitkräfte zunehmend die Kontrolle über die entmilitarisierte Sinaihalbinsel verloren hätten. Um Ägypten zu helfen, die Ordnung wieder herzustellen, hatte Israel kürzlich die Verlegung von rund tausend ägyptischen Soldaten mitsamt Panzerwagen in den Sinai genehmigt. Grundsätzlich darf Ägypten gemäß dem Friedensvertrag mit Israel im Sinai nur Polizei einsetzen und keine Militärs. Die ägyptischen Soldaten bewachen vor allem im Norden der Sinaihalbinsel die mehrfach angegriffenen Erdgasleitungen und Pumpstationen. Ägypten liefert Erdgas an Syrien, Jordanien und Israel.

Quelle: n-tv.de

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