Politik

Attentäter mit Down-Syndrom Anschlag auf Sahwa-Kämpfer

Terroristen im Irak schicken jetzt auch Menschen mit Down-Syndrom als Selbstmordattentäter in den Tod. In der Ortschaft Al-Radwanija südwestlich von Bagdad sterben zahlreiche Soldaten und Bürgerwehr-Kämpfer.

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Die Männer wollten ihren Lohn abholen.

(Foto: REUTERS)

Bei einem Selbstmordanschlag auf irakische Sicherheitskräfte nahe der Hauptstadt Bagdad sind mindestens 43 Menschen getötet worden. Weitere 40 Menschen seien bei dem Attentat vor einem Militärstützpunkt in Radwanija 25 Kilometer von Bagdad entfernt verletzt worden, verlautete aus dem Innen- und dem Verteidigungsministerium.

Nach Angaben der Polizei hatten sich zwei Männer mit Down-Syndrom unter die Bürgerwehr-Angehörigen gemischt. Zunächst war unklar, ob die zwei Männer ihre Sprengstoffgürtel selbst zur Explosion gebracht hatten, oder ob die Sprengsätze mit einem Fernzünder ausgelöst wurden.

Zu dem Zeitpunkt seien dort Mitglieder der sunnitischen Sahwa-Miliz, die gegen das Terrornetzwerk Al Kaida vorgeht, versammelt gewesen, um sich ihren Lohn auszahlen zu lassen. Bei den meisten Opfern handelte es sich den Angaben zufolge um Sahwa-Kämpfer.

Weitere Attacke

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Al-Kaida betrachtet die Sahwa-Milizionäre als verrräter. (Archivbild)

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Etwa zur gleichen Zeit sprengte sich auch in der Stadt Al-Kaim an der Grenze zu Syrien ein Selbstmordattentäter in die Luft. Er zündete seinen Sprengstoffgürtel vor dem Haus eines Bürgerwehr-Kommandeurs, der ebenfalls gerade dabei war, an seine Kämpfer Geld zu verteilen. Der Attentäter riss vier Angehörige der Einheit des Kommandeurs mit in den Tod. Ahmed Challaf, ein Angehöriger der Bürgerwehr von Al-Kaim, der den Anschlag unverletzt überlebte, sagte: "Der Selbstmordattentäter hat sich vor dem Haus in die Luft gesprengt, so dass nur vier Menschen starben und sechs verletzt worden. Wenn er bis in das Haus vorgedrungen wäre, hätten noch viel mehr Menschen ihr Leben verloren."

Die Miliz, die auch als Söhne des Irak bekannt ist, hatte Ende 2006 mit US-Unterstützung den bewaffneten Kampf gegen Al Kaida aufgenommen. Seit Oktober 2008 stehen die Milizionäre unter irakischem Kommando. Im vergangenen halben Jahr waren immer wieder Sahwa-Kämpfer und ihre Angehörigen bei Racheakten getötet worden.

Westerwelle verurteilt Tat

Bundesaußenminister Guido Westerwelle verurteilte die Anschläge scharf. "Die Kette von Terrorakten in den letzten Monaten ist eine ernste Gefahr für den Weg der Aussöhnung und der demokratischen Entwicklung des Irak", teilte das Auswärtige Amt mit. Umso wichtiger sei es, unter Einbindung aller politischen Kräfte endlich eine handlungsfähige Regierung zu bilden, betonte Westerwelle.

Der Irak befindet sich derzeit in einer politischen Sackgasse. Seit den Wahlen im März ist es nicht gelungen, eine Regierung zu bilden. Radikale Gruppen versuchen, das Land mit Anschlägen zu destabilisieren. Die Gewalt zwischen Sunniten und Schiiten hat zugenommen.

Quelle: n-tv.de, AFP/rts

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