Politik

Autobomben in Teheran Atomwissenschaftler getötet

Ein iranischer Nuklearwissenschaftler kommt in Teheran durch einen Bombenschlag ums Leben, ein zweiter Experte sowie die Frauen der beiden werden verletzt. An den Autos der Wissenschaftler hatten unbekannte Täter Sprengsätze angebracht. Irans Regierung vermutet westliche Geheimdienste hinter den Anschlägen.

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Sicherheitskräfte am Explosionsort.

(Foto: REUTERS)

Bei zwei Bombenanschlägen in Teheran sind ein iranischer Atomforscher getötet und ein weiterer verletzt worden. Für die Attentate, bei denen auch die Ehefrauen der beiden Wissenschaftler verletzt wurden, machte die iranische Regierung die Geheimdienste Israels und der USA verantwortlich. Der Chef des umstrittenen iranischen Atomprogramms, Ali Akbar Salehi, warnte die "Feinde" des Iran davor, "mit dem Feuer zu spielen".

Die iranische Nachrichtenagentur Fars berichtete, der Physikprofessor Madschid Schariari von der Teheraner Schahid-Beheschti-Universität sei durch eine Bombe ums Leben gekommen, die zwei Motorradfahrer mit einem Magneten an seinem Auto befestigt hätten. Der Gründer der iranischen Atomgesellschaft war demnach im Nordosten von Teheran unterwegs gewesen, auch seine Frau sei bei dem Anschlag verletzt worden.

"Verzweifelter Terrorakt"

Bei einem weiteren Anschlag seien Schariaris Kollege an der Schahid-Beheschti-Universität, Fereidun Abbassi Dawani, und dessen Frau vor der Hochschule verletzt worden, berichtete Fars. Der Polizeichef von Teheran, Hossein Sadschedinia, bestätigte, dass die beiden Anschläge nach der gleichen Vorgehensweise verübt worden seien. Nach den Attentätern werde gefahndet. Bislang habe sich niemand zu den Taten bekannt, sagte der Polizeichef.

Irans Staatschef Mahmud Ahmadinedschad machte Israel und den Westen für die Anschläge verantwortlich. "Die Hand Israels und der westlichen Länder" stecke "unzweifelhaft" hinter den Attentaten, sagte er. Auch Innenminister Mostafa Mohammed Nadschdschar machte die Geheimdienste der USA und Israels für die Anschläge verantwortlich. Diese hätten damit "unsere wissenschaftlichen Fortschritte stoppen" wollen. "Dieser verzweifelte Terrorakt (...) zeigt ihre Schwäche", sagte der Minister laut Staatsfernsehen.

Wissenschaftler unterliegt UN-Sanktionen

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Auf Fernsehbildern war das zerstörte Auto zu sehen.

(Foto: Reuters)

Der Chef des iranischen Atomprogramms warnte die "Feinde des Iran", dass die Geduld seines Landes Grenzen habe. Laut Salehi war Schariari sein "Schüler" und mit "einem der größten Projekte der Iranischen Organisation für Atompolitik" betraut gewesen. Nach Informationen der konservativen Nachrichten-Webseite Rajanews handelte es sich um den Entwurf des Kerns eines Atomreaktors. Der Laser-Fachmann Abassi Dawani war laut der konservativen Nachrichten-Webseite Maschreghnews einer der wenigen iranischen Spezialisten für Isotopentrennung. Er wurde auf einer UN-Liste als einer der Iraner geführt, die wegen ihrer entscheidenden Rolle bei Teherans Atomprogramm Sanktionen unterworfen wurden.

In den vergangenen Jahren waren mehrere iranische Atomforscher getötet worden oder verschwunden. Teheran machte dafür stets Israel und die USA verantwortlich. Die USA und andere Staaten werfen Teheran vor, unter dem Vorwand der zivilen Kernkraftnutzung nach Atomwaffen zu streben. Washington hatte in den vergangenen Jahren auch einen Angriff zur Zerschlagung des iranischen Atomprogramms nicht ausgeschlossen.

Aus den US-Dokumenten, die die Enthüllungs-Plattform Wikileaks am Sonntag veröffentlicht hatte, geht hervor, dass Israel nach Einschätzung von US-Verteidigungsminister Robert Gates zu einem Angriff auf den Iran in der Lage ist. Bei einem Treffen mit dem damaligen französischen Kollegen Hervé Morin Anfang Februar sagte Gates, Israel könne den Iran angreifen. Er wisse allerdings nicht, ob dies erfolgreich sein würde.

Quelle: n-tv.de, AFP

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