Politik

Ukraine-Nachfolge offenAuswärtiges Amt besetzt sieben Top-Botschafterposten neu

10.02.2026, 20:45 Uhr
00:00 / 04:36
Blick-auf-ein-Schild-mit-Bundesadler-und-dem-Schriftzug-Bundesrepublik-Deutschland-Botschaft-Die-deutsche-Botschaft-wurde-wieder-in-Betrieb-genommen-Die-deutsche-Botschaft-wurde-in-Folge-des-Krieges-im-Jahr-2012-geschlossen
Die Gastländer werden noch über die Neubesetzungen informiert. (Foto: picture alliance/dpa)

Außenminister Wadephul schwebt ein Rotationsprinzip für sieben deutsche Botschaften vor. Das Kabinett soll dem noch zustimmen, doch schon jetzt kommt heraus, wer bald wo deutsche Interessen vertritt. Überraschende Änderungen gibt es in Kiew.

Bundesaußenminister Johann Wadephul von der CDU besetzt nach Informationen des "Spiegels" und "Table.Briefings" die Leitung von sieben Botschaften in der Besoldungsstufe B9 neu: Tel Aviv, Moskau, Mexiko-Stadt, Madrid, Peking, Neu-Delhi und Brasília. In Regierungskreisen hieß es dazu, auf Vorschlag von Wadephul sei die turnusmäßige Rotation nun geeint. Die Empfehlung soll am Mittwoch im Kabinett beschlossen werden.

Berichten zufolge soll Alexander Graf Lambsdorff, seit August 2023 Botschafter in Moskau, nach Tel Aviv wechseln. Lambsdorff löst auf dem Schlüsselposten in Israel Botschafter Steffen Seibert ab, der regulär in den Ruhestand geht. Seibert, früher Regierungssprecher unter Kanzlerin Angela Merkel, hatte seinen Job im Sommer 2022 angetreten.

Nachfolger in Moskau wird demnach Botschafter Clemens von Goetze, der seit September 2024 die Vertretung in Mexiko-Stadt leitet. Er war zuvor bereits als Botschafter in Tel Aviv, Peking und Tokio im Einsatz. In Mexiko-Stadt übernimmt die derzeitige Botschafterin in Madrid, Maria Margarete Gosse, wie es weiter hieß. Sie hatte von 2018 bis 2022 die Zentralabteilung des Auswärtigen Amtes in Berlin geleitet. Im August 2022 wurde sie dann die Botschafterin in Spanien.

Ihr folgt in Madrid, und das kommt eher überraschend, Botschafter Heiko Thoms. Er hatte erst im September auf Wunsch von Wadephul den Posten in der ukrainischen Hauptstadt Kiew übernommen, nachdem die Bundesregierung Martin Jäger von dort an die Spitze des Bundesnachrichtendienstes berufen hatte. Seine Nachfolge in der Ukraine steht noch nicht im Kabinett zur Entscheidung an.

Die Leitung der Botschaft in Neu-Delhi zieht dem Bericht zufolge auch Veränderungen in der Leitungsebene des Bundesverteidigungsministeriums von Boris Pistorius nach sich: Jasper Wieck, derzeit Politischer Direktor im Bendlerblock, kehrt nach Indien zurück, wo er von 2017 bis 2020 bereits als stellvertretender Botschafter auf Posten war.

Wieck übernimmt in Indien von Philipp Ackermann, der seit 2022 dort im Amt war und nun als Botschafter nach Peking wechseln soll. Ackermann war zuvor unter anderem als Gesandter in Washington tätig. Er leitete zudem bis zu seinem Wechsel nach Indien die Politische Abteilung 3 im Auswärtigen Amt, die für politische Beziehungen zu den Ländern des Nahen und Mittleren Osten, in Afrika und Lateinamerika zuständig ist.

Ackermanns Vorgängerin Patricia Flor wird laut den Berichten neue deutsche Botschafterin in Brasília. Bevor sie im Juli 2022 den Botschafterposten in China übernahm, hatte sie die Delegation der Europäischen Union in Tokio geleitet und war im Auswärtigen Amt bei der Abteilung für Internationale Ordnung, Vereinte Nationen und Rüstungskontrolle tätig. Sie folgt auf Botschafterin Bettina Cadenbach, die regulär in den Ruhestand geht.

Aus dem Auswärtigen Amt hieß es auf Nachfrage des "Spiegels", turnusgemäß "wechseln im Auswärtigen Amt jeden Sommer zahlreiche Kolleginnen und Kollegen zum sogenannten einheitlichen Versetzungstermin die Posten, so auch eine Vielzahl von Leiterinnen und Leitern deutscher Auslandsvertretungen".

Das Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen sehe vor, dass zunächst das Gastland über eine geplante Entsendung von Botschafterinnen und Botschaftern zu informieren und hierzu das Einverständnis der betreffenden Gastregierung einzuholen ist. Dies entspreche auch guter diplomatischer und protokollarischer Praxis. "Um der Entscheidung des Gastlandes nicht vorzugreifen, bestätigen wir Personalien daher grundsätzlich erst nach einer Zustimmung der Gastregierung", hieß es aus Wadephuls Ministerium.

Quelle: ntv.de, mpa

IsraelIndienRusslandAuswärtiges AmtJohann WadephulMexikoChinaBrasilienDeutsche AußenpolitikSpanienDiplomatie